Meister Eckhart – Ein neuer Weg des Glaubens

Meister Eckhart ist einer der schlauesten Köpfe des Mittelalters. Sein revolutionärster Gedanke: Gott wohnt nicht im Himmel, sondern mitten in unserer Seele. Wie kommt der gelehrte Mönch aus Thüringen zu dieser Behauptung? Durch mystische Inspiration? Philosophische Einsicht? Oder hat ihn gar der Teufel verführt?

„Manchmal braucht es wenig, um eine strahlende Karriere zu beenden. Bei Eckhart von Hochheim genügen zwei zwielichtige Mönche – notorischer Lügner der eine, Puffgänger der andere.“

„Eckhart ist kein Sonderling, der hartes Zeug raucht und auf Visionen wartet, sondern ein Intellektueller, gewaschen mit allen Wassern der Scholastik, jener auf formaler Logik basierenden, freudlosen Philosophie des Mittelalters.“

„Eckhart ist ein aktiv der Welt zugewandter Mann mit hoher sozialer Verantwortung. (…) Solange es auf der Welt nur einen Menschen gebe, der Hunger leidet, müsse man jede mystische Vision links liegen lassen und dem Armen einen Teller Suppe bringen. Überhaupt sei man verpflichtet, „bî allen dingen“ von seiner Vernunft gebrauch zu machen – und nicht von wohligen Gefühlen.“

„Wenn Eckhart von Gott redet, meint er (…) keinen alten Mann mit langem Bart, der die materielle Welt erschaffen hat wie ein Kind, das mit Knetteig spielt. Hinter allem sieht Eckhart eine grenzenlose Kraft, die er das Göttliche nennt und die „das Sein selbst ist“. Aus ihr werde die Welt immerfort neu erschaffen, sie fließe ins Sein wie Wasser, das unaufhörlich aus einer ewigen Quelle sprudelt, eine Geburt ohne Unterlasse, schreibt er.“

„Eckhart behauptet: In der tiefsten Tiefe unseres Seins, im „Seelengrund“, glühe noch immer ein göttlicher „Funke“. Wer sich von allem Wünschen, allem Wollen, allem Hoffen trenne, wer sich in die „Abgeschiedenheit“ von der Welt und von sich selbst bewege, dem könne es gelingen, sich ganz in diesen Seelengrund zu versenken. Man müsse dafür „leer sein aller Kreatur“, „ausgegangen aus sich selber“ und ein Mensch, der bereit ist „zunichte zu werden“. Diese Abgeschiedenheit steht für Eckhart „so nahe am Nichts, dass zwischen vollkommener Abgeschiedenheit und dem Nichts kein Ding zu sein vermag“. Sobald wir uns auf diesen Seelengrund zurückziehen, werde Gott in uns neu geboren.“

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(P.M. History, 5/2019)

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