„Für mich bist du Luft!“

Wie reagieren wir, wenn andere uns ignorieren? Die Ergebnisse von sozialpsychologischen Studien sind alarmierend. Denn „Ostrazismus“ schmerzt uns mehr, als wir glauben. Gegen den ersten Stich im Herzen scheint kein Kraut gewachsen. Das besagt zumindest die Forschung des US-Psychologen Kip Williams und seines niederländischen Kollegen Ilja van Beest. In meiner sehr ausführlichen Story für „Psychologie Heute“ heißt es:

„Gegen diesen ersten Stich der Ausgrenzung ist praktisch niemand immun. Wir reagieren so automatisch, als hätten wir mit der Hand auf eine heiße Herdplatte gefasst: Der Schmerz kommt schnell und unausweichlich. In der Antike scheint man sich dieser Tatsache bewusst gewesen zu sein: In Rom galt die Verbannung im Vergleich zur Todesstrafe als das deutlich härtere Los. „Ostrazismus bedroht eine Reihe ganz fundamentaler menschlicher Bedürfnisse“, erklärt Kip Williams. Zum einen das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, das im Herdentier Mensch ähnlich tief verankert ist wie das Bedürfnis nach Nahrung und Schlaf. Aber auch das Bedürfnis nach Kontrolle wird massiv gestört, also der Wunsch, das eigene Schicksal selbst in der Hand zu haben.“

Die ganze, wirklich spannende Geschichte findet Ihr hier – allerdings hinter einer Bezahlschranke: (Psychologie Heute, 10/2018)

Ilja van Beest hab ich dafür sogar persönlich in seinem Büro an der Tilburg University zum Interview besucht. Im Regal hinter ihm stand der Ig-Nobelpreis, den er allerdings für ein ganz anderes Forschungsthema bekommen hat – nämlich für eine Studie über die Auswirkung von Achterbahnfahrten auf subjektive Asthma-Symptome. Es war ein lustiges und sehr gutes Gespräch. Überhaupt: Die meisten Gespräche mit Weltklasseleuten sind gut. Ich bedauere es dann immer, solche Dinge nicht für einen Podcast oder eine Radiosendung machen zu können, weil ganz viele Zwischentöne in den gedruckten Interviews verloren gehen. Andererseits ist die Dichte von Printinteviews in Audioformaten nur schwer zu erreichen. Und: Die Fachleute plaudern leichter, wenn sie wissen, dass nicht jedes Wort nach draußen geht und sie im Zweifel nochmal über das drübergucken können, was gedruckt wird.

Irgendwas ist immer.

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