1000 Liegestütze pro Monat für den Rücken

Seit einigen Jahren mache ich mindestens 1000 Liegestütze pro Monat. Das ist gut für den Rücken und eigentlich für alles und hilft mir sehr. Ab und zu ergibt sich ein Gespräch darüber und die meisten Leute fragen dann nach und interessieren sich sehr dafür. Heute also mal ein Blogeintrag dazu.

Die Sache kam nämlich so: Mit Mitte 30 hatte ich auf einmal große Probleme im dem Rücken. Lendenwirbelbereich. Das Übliche. Es tat sehr weh, hat mir das Leben schwer gemacht und wurde nicht wirklich besser. Davor bin ich über Jahre Marathon gelaufen. Jetzt konnte ich mir an manchen Tagen kaum noch die Schuhe binden. Keine schöne Erfahrung.

Die Probleme sind über mehrere Jahre geblieben. So richtig geändert hat sich die Sache erst, als mein Sohn, er war damals noch im Kindesalter, auf einmal wissen wollte, was man eigentlich tun muss, um einen Sixpack zu kriegen. Mein Kumpel Marvin meinte: „Mach einfach Liegestütze.“ Also haben mein Sohn und ich ein gemeinsames Projekt daraus gemacht.

Wie fängt man an? Marvin meinte: „Du machst jeden Morgen genau zehn Liegestütze. Jeden Tag, direkt nach dem Aufstehen. Eine Woche später machst Du genau eine mehr. Genau eine. Und am nächsten Tag … da machst Du wieder eine mehr. Genau eine. Und das machst Du so lange, bist Du nicht mehr steigern kannst. Und dann machst Du diese Anzahl weiter. Jeden Morgen. So lange, bis Du wieder eine draufpacken kannst.“

Das klang einfach. Zehn Liegestütze waren machbar. Die Regel „gleich nach dem Aufstehen“ hat ganz erstaunlich gut funktioniert. Man musste nicht lange überlegen, einfach machen und – zack! – ging’s in den Tag mit dem guten Gefühl, schon was für sich getan zu haben.

Eine Woche später dann die Steigerung. Auch das ging erstaunlich leicht. Der Trick an der Sache ist vermutlich, dass man sich mit der Methode jeden Tag ein kleines Erfolgserlebnis holt.

Ich war damals schon Anfang 40 und fühlte mich alt. Zu merken: „Hey, Dein Körper reagiert wahnsinnig schnell auf sowas“ – das war einfach toll.

Jedenfalls sind die Liegestütze jetzt seit mehr als zehn Jahren eine gute Gewohnheit geworden. Allerdings gab’s zwei Punkte, an denen sich die Sache verändert hat.

Da war nämlich erstens der Punkt, an dem das einfache Steigern der Morgenration irgendwie uncool wurde. Die Motivation der ersten Monate war plötzlich weg.

Also hab ich mich gefragt: Was will ich eigentlich?

Bestandsaufnahme:
– Der Rücken tut nicht mehr weh.
– Ich habe wieder angefangen, im Verein Tischtennis zu spielen und mich auch sonst wieder mehr und mit mehr Freude zu bewegen.

Will ich neue persönliche Liegestütz-Rekorde aufstellen?
– Nö.
– Ich will weiter schmerzfrei bleiben und mich bewegen können!

Okay, cool. Wie krieg ich das hin?
– Indem ich mir ein Ziel setze, dass ich locker schaffen kann und bei dem ich langfristig dranbleibe.

Also: 35 Liegestütze jeden Morgen.

Das war dann tatsächlich mein Plan. Keine Steigerung mehr, sondern ein Programm, das locker in meinen Alltag passte. Das lief erstmal super über mehrere Jahre.

Aber dann kam irgendwann der zweite Punkt: Ich habe angefangen, mich selbst zu bemogeln. Und zwar so dolle, dass ich es selbst gemerkt habe. Manchmal hab ich die Liegestütze nicht mehr jeden Tag gemacht, sondern nur noch drei, vier Mal pro Woche. Das war nicht genug.

Also wieder überlegt: Was will ich eigentlich? – Immer noch dieselbe Antwort: gesund und schmerzfrei bleiben.

Wie krieg ich das hin? Wie kommt mehr Regelmäßigkeit in meine Übungen? Und zwar so, dass ich die Übungen auch mal ausfallen lassen kann, ohne dass gleich der ganze Plan im Eimer ist?

Ich habe also 35 (meinen eigentlichen Tagessatz) mit den 30 Tagen eines Monats multipliziert: 1050. Hm. Ich könnte ja jeden Tag nach meiner Mini-Einheit einen Eintrag in meinen Kalender machen. Dann immer am Sonntag dazuschreiben, wie viele Liegestütze es bisher im laufenden Monat waren – nur so, um auf dem Laufenden zu bleiben. Und dann zusehen, dass ich am letzten Tag des Monates auf mindestens 1000 komme.

An manchen Tagen hab ich keine Lust. Oder bin mit dem Kopf woanders. Dann mach ich am nächsten Tag eben mehr. Das System ist flexibel und gnadenlos zugleich. Das gefällt mir.

Genau so mach ich das jetzt jedenfalls seit dem 1. Januar 2018. Alles steht im Kalender. Es sorgt dafür, dass ich am Ball bleibe. Der Rücken gibt Ruhe. Die Methode hat mein Leben viel besser gemacht. Und es vergeht eigentlich kein Monat, an dem ich mich nicht mindestens einmal darüber freue wie Bolle. Man darf den Schmerz nicht vergessen, nur weil er grad nicht da ist.

Ja. Nur so, falls es wen interessiert.

Und ansonsten meine Meinung: Gewohnheiten sind die beste Form der Intervention.

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