William kocht am besten

Niemand in meinem Freundeskreis kocht auch nur annähernd so lecker wie William. Wirklich nicht. Neulich war er bei uns zu Besuch und ich hab ihn gefragt, ob ich mit dem Handy aufnehmen kann, was er dabei so macht. Zugegeben. Die Kameraführung und der Schnitt und der Mix sind eine Zumutung und sehr beschämend. Aber: Ich bin so begeistert von dem Jungen, dass ich es unbedingt teilen muss. Guckt’s Euch an. Schickt es an Freunde, die gerne kochen oder die was darüber lernen wollen. Ach so – und Williams österreichischen Sound find‘ ich eh erstklassig.

Ansonsten haben wir wieder Pilze gefunden. Es gibt sehr viele Pilze in diesem Jahr. Es hat gut geregnet und der Oktober ist irrsinnig mild, wir hatten zuletzt jeden Tag zwischen 20 und 25 Grad. Am Wegesrand wächst ein Schopftintling, der exakt so aussieht wie back in Germany.

Im Wald haben wir Hallimasch gefunden, der hier den ungleich schöneren Namen „Honey Mushroom“ trägt. Kirk, ein Pilzführer, den wir zufällig auf dem Parkplatz treffen, hat uns noch ein Stück „Hen of the Woods“ geschenkt. Das ist ein Pilz, den ich aus Deutschland nicht kenne. In Japan heißt er Maitake. Ein sehr guter Pilz mit Biss und Charakter – aber auch reichlich Erde in den feinen Zwischenräumen.

Neben einem Fuchsbau liegt ein Knochen. Wir haben gegoogelt: Es handelt sich um den Unterkieferknochen eines junge Opossums.

Einen Spaziergang zu Aldi gemacht. Erinnert mich an die Heimat. Man muss überhaupt mal was zu den Supermärkten hier sagen. Es läuft im Wesentlichen wie bei uns. Aber am Ende läuft’s dann halt doch ein bisschen anders. Sie packen Dir zum Beispiel die Sachen in Tüten ein. Ich finde das unangenehm. Was soll das? Ich kann das selbst. Es fühlt sich dann ein bisschen an wie in einem dieser Restaurants, die genau die eine Spur zu fein sein wollen und man denkt: Lass mich einfach mal in Ruhe mein Essen genießen. Bei Aldi packt jeder seine Sachen selbst ein. Ah, herrlich!

Auf dem Parktplatz vor dem Markt verwickelt uns jemand in ein Gespräch. Ein Mann, etwa 15 Jahre älter als ich. Aber man kann es schwer schätzen. Ich glaube, er hat an meinen Wanderstiefeln und meinen Klamotten sofort gesehen, woher ich komme. Jedenfalls. Sein Deutsch ist hervorragend, er sagt, er hat in Marburg studiert und viel Zeit in Bremen verbracht. Wir reden über Oldenburg und die schöne Fußgängerzone. Er sagt, dass ihn die Gesundheit nach Ann Arbor treibt. Krebs. Alles probiert. Alles Mist. Und jetzt ist er in dieser kleinen Studie mit 17 Patienten, wo’s um Immuntherapie geht. Eine Art Strohhalm-Gruppe – die Austherapierten können mitmachen. „Was soll ich sagen? Ich bin seit einem Jahr krebsfrei.“ Er sieht tatsächlich sehr gesund aus, sehr lebendig. Er sagt, dass er jetzt im Ruhestand homöopathische Hollunderbeeren anbaut. Ne eigene Farm, irgendwo aufm Land. Irgendwann wird’s vielleicht noch ein Business, wer weiß?

Ich liebe solche Begegnungen. Danach glaub ich wieder für einen Tag an das Gute in allem und dass am Ende irgendwie alles super wird. Und an die Wissenschaft sowieso. Und an Gespräche mit Fremden.

Auf dem Heimweg noch zwei Fairy Doors gesehen. Das erste ist das schönste, das ich bisher in Ann Arbor gesehen habe. Und ich habe einige gesehen. So viel Liebe für jede Kleinigkeit! Ich könnte das nicht. Aber ich weiß es sehr zu schätzen.

Kommentare

  1. I so enjoy your ‚takes‘ on life in Ann Arbor. You demonstrate what interesting experiences one can have if you keep your eyes and your heart open. So, not only are you introducing Ann Arbor and the US to your German friends, but also showing us how to really appreciate our life here.

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