Umgang mit Ratten und Viren – beides ist auch ein „information problem“

„Monsieur Michels Überzeugung blieb unangetastet. Es gebe keine Ratten im Haus, diese müsse folglich von außen hereingebracht worden sein. Kurz, es handle sich um einen Streich.“

Man weiß es schon: Bei Camus sind die toten Ratten ein Vorbote der Pest. Vieles, was man im Roman findet, erinnert an heutige Zeiten: Reiseverbot, abgeriegelte Gebiete, die Ungewissheit, wen die Krankheit trifft (und mit welcher Härte). Aber auch der Glaube, dass es sich dabei um das Fremde handelt. Einen „Streich“. Etwas, das „von außen hereingebracht worden“ ist. Es geht immer auch um die Geschichte, die man sich zu etwas erzählen kann und um den Fluss und die Deutung von Information.

Die Ratten jedenfalls haben bei uns keinen guten Ruf. Keiner mag sie sehen in seiner Nachbarschaft – und das, obwohl jeder weiß, dass sie zum Bild einer jeden Stadt gehören. Im Großraum von Detroit gab es mehrere Vor- und Mittelstädte, die zuletzt massive (zumindest gefühlte) Probleme mit Ratten verzeichneten. Wie soll man als Verwaltung damit umgehen?

Prof. Cliff Lampe von der University of Michigan hat darauf eine Antwort gefunden: Die Ratten selbst sind nicht das Problem. Sondern vor allem, wie man über sie redet. Sie sind, wie er es nennt, ein „information problem“.

Cliff leitet an seiner Uni einen ziemlich verrückten Kurs für Masters-Studenten. Er schickt die jungen Leute in nahe Kreisstädte und lässt sie nach genau solchen „information problems“ suchen und neuartige Lösungsansätze finden.

Genau darüber habe ich jetzt für die aktuelle Ausgabe von „brand eins/thema“ eine größere Geschichte geschrieben. Die Geschichte steckt (leider? zum Glück?) hinter einer Bezahlschranke.

Ich kann die Strecke hier also nicht teilen, sondern nur ein bisschen Werbung dafür machen. Im Vorspann heißt es:
„Wie besänftigt man die Bürger angesichts einer Großbaustelle? Wie lockt man mehr Fahrgäste in örtliche Busse? Wie löst man ein Rattenproblem, das alle nervt? Der Sozialwissenschaftler Cliff Lampe und seine Studenten finden für die kleinen Probleme kleiner Städte oft erstaunlich kleine Lösungen.“

Ich empfehle den Kauf des Magazins für die Zeit der Quarantäne. Man wird – versprochen – nicht dümmer davon.

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