Transatlantik-Kuchen

An meinem gestrigen Geburtstag gab’s einen transatlantischen Kuchen. Dem war ein Akt von Social Engineering vorausgegangen: Kai hatte mich beiläufig nach meinem Lieblingsgebäck gefragt. Also habe ich von einem Apfelkuchen aus dem Badischen geschwärmt. Bald darauf hat Nicki heimlich meine Mutter kontaktiert, nach der entsprechenden Zubereitungsanleitung gefragt – und als Antwort viele Zutatenbilder bekommen. Kam es dabei zu einem „information problem„? Schwer zu sagen. Fest steht, dass unsere Freunde Silvia und William noch ein paar österreichische Rezepte draufgemacht haben (die Einheimischen wunderten sich über die Unmengen an Butter im Mürbeteig). Nicki hat jedenfalls eine passende Kuchenform besorgt und ihre Mutter Edie dann aus all dem das oben gezeigte Teil gefertigt. Viele Hände. War jedenfalls lecker und eine preiswürdige Aktion, über die ich mich noch immer freue.

Ansonsten hat mein Bruder Martin hat mich korrigiert: Wenn der legendäre Dieter Blau von einem „Oxyd“ sprach, meinte er damit kein Auto (wie ich neulich behauptet habe), sondern ein Fahrrad.

Mein alter Freund Søren hat mich daran erinnert, dass es sich bei der Schreibweise „Oxyd“ nicht um schlechte Orthographie handelt, sondern einfach um das, was in den 1980ern noch der Fall war. Man darf das noch heute so schreiben.

Außerdem hat Søren der Redewendung „zum Knochenkotzen“ nachgespürt – und dabei zwei ungewöhnliche Quellen aufgetan: Einmal die Autobiographie von Adolf Eichmann und zum anderen eine Rede auf dem CDU-Parteitag aus dem Jahr 1989. „Zum Knochenkotzen“ war für Eichmann sein Job in den 1930er Jahren. Der niedersächsische CDU-Landesvorsitzende Wilfried Hasselmann äußerte die Sache damals so: „Denn wenn es uns oft genug gesagt wird, daß es uns eigentlich nicht gut geht, dann suchen wir ja eines Tages, weil uns ja Leiden verordnet wurde, nach dem Erlöser. Dann heißt es: das kann nur rot-grün sein. Es ist zum Knochenkotzen.“ Tatsächlich hieß der nächste Ministerpräsident dort dann Gerhard Schröder.

Kürzlich habe ich über die späten Fröste hier in Michigan geschrieben und dass manche Apfel- und Kirschfarmer die jungen Blüten mit Hubschraubern vor dem Erfrieren retten wollten. Tatsächlich gibt es hier in der Gegend Firmen, die so eine „Helicopter Frost Controlganz regulär in ihrem Programm haben. Was es nicht alles gibt.

Auch aus meiner alten Heimat Aumühle hab ich gestern was Interessantes gehört. Matthias und Gesa haben dort in der Nähe ihre eigene Firma gegründet. Sie züchten und verschicken: Regenwürmer. Klingt schräg. Aber da wegen der Coronakrise viele Leute gerade mehr Zeit im Garten verbringen und die Würmer den Boden besser machen, scheint die Sache ganz gut zu laufen. Die Würmer kommen per Post. Cool, das so was läuft.

Zu den leidenschaftlichen Freizeitgärtnern gehört auch Maximilian mit seiner Familie. Er lässt sich ab und zu in der Hamburger Schreibgruppe sehen, der ich angehöre. Ansonsten bloggt er seit ungefähr hunderttausend Jahren und erfreut mich in manch tristem Moment mit seinen ungewöhnlichen Beobachtungen aus Hamburg. Heute zum Beispiel schreibt er – angestoßen durch einen Zufallsfund – von der „Süße“, mit der uns flüchtige Kindheitserinnerungen anzuzuckern pflegen. Und von der Sorte hatte ich letzthin ja auch die eine oder andere. So ist das wohl: Nostalgie schmeckt wie Apfelkuchen.

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