Stadt-Land-Fluss: Ein Adler überm Wasser und ein Picasso im Uni-Museum

Spaziergang in der Nachbarschaft gemacht. Am Barton Dam haben sie gerade alle Tore geöffnet, was selten passiert. Der Huron River hat dann unterhalb eine tüchtige Strömung.

Oberhalb des Dammes liegt der Barton Pond, aus dem Ann Arbor mehr als zwei Drittel seines Trinkwassers bezieht. Man kann im See aber auch schwimmen und paddeln. Sie haben da sogar einen Ponton, um die Boote leichter ins Wasser zu kriegen.

Gestern haben wir einen Weißkopfseeadler überm Wasser gesichtet. Das sind beeindruckende Tiere, wie man sie in Deutschland einfach nicht zu sehen kriegt. Auf dem Bild unten kann man ihn erahnen, mittig als schwarzen Punkt knapp über den Wolken.

Heute dann als Kontrastprogramm mal wieder Downtown gewesen. Da waren wir lange nicht. Wir arbeiten gerade zu viel. Außerdem: die Pandemie. Egal. Nickis Mutter Edie ist Museumsführerin am Kunstmuseum der Uni. Das ist kein ganz einfacher Job, man muss Unterricht dafür nehmen und all so was. Jedenfalls hat sie für eine kleine Gruppe eine Führung arrangiert und wir waren eingeladen.

Das Museum hat ein paar bemerkenswerte Stücke rumstehen und -hängen. Zum Beispiel ein paar Picassos, wie hier „Two Girls Reading“.

Oder hier die „Standing Figure“ von Giacometti. Ein ganz deprimierendes Stück. Eine Art Todesfuge in Bronze.

Und – zack – schon war es Abend über der Stadt. Es war gut, mal wieder dort zu sein und Menschen zu sehen. In Nickels Arcade hat Nicki sich das angeknackste Display ihres iPhones reparieren lassen. Das Versprechen des Besitzers: In 15 Minuten hat man sein Telefon zurück „wie Gott es wollte“.

Hat tatsächlich geklappt. Wir haben in der Passage noch das eine oder andere Schwätzchen gehalten. Beim Juwelier ist die Eingangstür durch eine Holzplatte ersetzt worden. Das war, wie man hört, nur einer von mehreren Einbrüchen innerhalb der vergangenen Wochen in den Nachbarschaft. Seit den George-Floyd-Protesten hat „keiner mehr Bock, Polizist zu werden“, erzählt uns ein Ladenbesitzer. Das Muster ist immer dasselbe: Man schlägt die Tür ein, stürmt rein, macht die Kasse kaputt und haut schnell wieder ab mit ein paar Hundert Dollar in der Tasche. Es scheint gerade keinen Spaß zu machen, einen kleinen Laden zu betreiben. Selbst in Ann Arbor, der Insel der Glückseligen.

Dann waren wir aber noch im Spielzeugladen in der Main Street, wo zwei mittelalte Männer im Keller rumhingen; Nicki hat sie um ein paar Empfehlungen gebeten und wir haben eine der besten und detailliertesten Beratungen aller Zeiten bekommen. Dann erfahren, dass die beiden gar nicht dort arbeiten, sondern einfach nur die totalen Spielenerds waren. Was soll man dazu sagen? Am Ende siegen Liebe, Freiheit, Enthusiasmus. Oder?

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