Pandemie und Emotion

Gerade habe ich auf Facebook dies hier geschrieben:

Einmal mehr brauche ich Eure Hilfe. Vor etwa einem halben Jahr habe ich hier eine kleine Umfrage gemacht: Wie fühlt Ihr Euch in der Pandemie. Welche Emotionen kommen da bei Euch hoch?

Zufriedenheit?
Neugier?
Angst?
Traurigkeit?
Dankbarkeit?
Liebe?
Wut?
Verzweiflung?
Hoffnung?
Vorfreude?
… ?

Mir ist aufgefallen, dass mein Gefühlshaushalt sich in den vergangenen sechs Monaten sehr verändert hat. Anfangs in den USA fand ich das Ganze noch spannend. Inzwischen bin ich wieder in Europa. Ich sehe Freunde, gelegentlich meine Kinder; Eltern und Geschwister und deren Familien habe ich getroffen. Das war schön. Trotzdem. Ich vermisse meine Lebensgefährtin, die noch immer in Michigan sitzt. Ein paar Leute dort drüben, die auch zu Freunden geworden sind. Irgendwas ist immer. Das Land dort drüben ist, wie man hört, in keinem guten Zustand. Aber welches Land ist das schon?

Die anfängliche Neugier in der Pandemie ist bei mir fast komplett weg. An guten Tagen stehe ich auf, mache meine Arbeit und gehe am Abend zum Sport. Ich tu dann so, als wär nix. Das ist keine sehr originelle Strategie. Andere tun das auch. Das habe ich von Ernst-Dieter Lantermann gelernt, einem Sozialpsychologien, den ich vor einiger Zeit mal für Psychologie Heute interviewt habe (das komplette Interview findet sich hier – leider nur hinter eine Bezahlschranke; wer ein Abo hat, kann es kostenlos lesen). Lantermann hat vor vielen Jahren mal Leute für ein Experiment per Computersimulation in hoffnungslose Situationen getrieben. Viele von denen haben dann so reagiert: Statt das große Ganze zu retten, haben sie sich nur ein winziges Detail herausgegriffen und nur noch daran gearbeitet – dies aber mit besessener Gründlichkeit. Um sie her ging alles den Bach runter. Sie haben das einfach ausgeblendet. Aber diese eine Schraube, an der sie gefeilt haben, die war am Ende perfekt!

Ansonsten überkommen mich düstere Ahnungen, was die Zukunft betriff. Also: für alle. Mir fehlen im Übrigen die Dinge, auf die ich mich freuen kann. So weit von meiner Seite.

Meinen Blogeintrag von damals findet Ihr übrigens hier: Er war, wie fast alles, was ich damals gebloggt habe, als eine Art Flaschenpost gedacht an die Menschen, die wir morgen sein werden. Damit es möglich wird, sich später einigermaßen korrekt zu erinnern. Erinnerung ist flüchtig und trügerisch. Man vergisst und verdreht, ohne es bewusst zu wollen.

So.

Bin gespannt auf Eure Antworten.

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