Noch kommt der Strom aus der Steckdose

Heute haben wir mal wieder Wetter. Es blitzt, es donnert, es regnet und stürmt. Die Bilder oben und unten zeigen keinen Bach, sondern die Straße vor dem Haus.

Und weil das hier Michigan ist, bringt mich das zwanglos zum Thema Infrastruktur.

Neulich sind hier zwei Dämme gebrochen. In meinem dazugehörigen Beitrag habe ich den Infrastrukturbericht für Michigan erwähnt. Der beschäftigt sich nicht nur mit Staudämmen, sondern auch mit Stromnetz. Dazu heißt es dort, dass Michigan seit Jahren zu den fünf US-Staaten mit den meisten Stromausfällen gehört. „Wartungskosten werden minimiert, um die Strompreise für Kunden niedrig zu halten.“

Auch das heutige Gewitter hat dafür gesorgt, dass in Michigan mehr als 100.000 Leute ohne Strom zu Hause sitzen. Üblicherweise liegen solche „outages“ daran, dass Bäume auf die Stromleitungen kippen. Die Strommasten sind meist aus Holz. Genau wie hier auf diesem Bild.

Wenn man sich diesen Mast ein bisschen näher ansieht, dann bemerkt man dies hier:

Da haben die Spechte entweder Nahrung gesucht oder ein neues Zuhause – was den hölzernen Mast nicht stabiler macht. Scheint aber keinen zu kümmern.

Das ist natürlich nur ein kleiner Fund vor der Haustür. Aber er passt ins Bild. Die Firma Eaton ermittelt regelmäßig die schlimmsten Stromausfälle des Jahres in den USA. Michigan landet dort Jahr für Jahr auf einem der ersten drei Plätze (die anderen beiden Spitzenreiter sind Kalifornien und Texas). Nirgendwo knipst Mutter Natur die Lampen häufiger aus.

Der Bericht ist übrigens recht fluffig geschrieben. Hier ein kurzer Auszug:

3. Einer von diesen Tagen … oder sechs. Am 19. Juli haben Stürme und starke Winde überall in Michigan rund 700.000 Menschen einen Stromausfall beschert, für viele von ihnen kam der Strom sechs Tage lang nicht zurück. Der „Blackout“ hat für die zweithöchste Zahl an sturmbedingten Ausfällen in der Geschichte von DTE Energy gesorgt.“

Year-in-review: Top 15 most significant weather-related outages

Keine Ahnung, was in Hamburg los wäre, wenn man ne Woche lange keine Elektrizität hätte. Hier so: Man zuckt mit den Schultern – und kauft sich womöglich einen Notstromgenerator. Insgesamt fanden jedenfalls drei der 15 schlimmsten Stromausfälle des Jahres 2019 in Michigan statt.

Und heute? Noch kommt der Strom aus der Steckdose. Mal sehen, ob das so bleibt. Es donnert noch immer da draußen.

Im März 2017 hab ich den bisher schlimmsten Blackout hier erlebt. Saukalt war das da, für mehrere Tage. Ich hab tagsüber Downtown in irgendwelchen Cafés gearbeitet. Abends haben wir Feuer im Kamin gemacht, uns in dicke Decken gepackt und uns davor gesetzt. Zum Abendbrot gab’s Kartoffeln aus der Glut. Abenteuerlich, klar. Aber schon komisch, dass das hier so zum Alltag gehört.

Warum finden die Leute in Michigan das okay? Weil andere Infrastruktur-Themen halt noch übler sind und noch mehr nerven. Vor allem die Schlaglöcher. Die Gouverneurin hat ihre Wahl gewonnen mit dem Slogan: „Repariert die verdammten Straßen“.

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