Nach Hamburg ohne Quarantäne?

Hab mir jetzt ein Ticket zurück nach Deutschland gebucht – Ende Juli geht der Flug. Nach unserer abenteuerlichen Autofahrt quer durch die USA Ende März (Tag1, Tag2, Tag3), wird das meine zweite größere Reise während der Pandemie. Muss ich mich nach der Landung für 14 Tage einschließen? Keine Ahnung. Mal Google fragen.

Hm. Offenbar nicht. Für die USA gelten differenzierte Regeln. Aus manchen Staaten muss man in Quarantäne, aus anderen nicht. Michigan steht im Moment ganz gut da und ist kein Risikogebiet. Vor ein paar Tagen diese Landkarte hier gesehen: Das grüne Ding am oberen Rand, das aussieht wie ein Winterfäustling mit dem Profil eines langnasigen Schweineschädels schräg darüber, das ist Michigan. Grün bedeutet: Liegt gut in der Spur. Der andere grüne Staat ist New York. Ausgerechnet. Die beiden waren im März und April noch mit die Schlimmsten von allen.

Dass die Seuche hier gerade Pause macht, hätte ich aber auch ohne offizielle Zahlen sehen können. Nämlich: an den Schlagzeilen der Regionalpresse. Als die Coronawelle mit Schaumkronen obendrauf durch Michigan gerollt ist, gab’s dort kaum ein anderes Thema.

Aber was haben wir heute? Ich zähl das mal so auf – sozusagen in Erfüllung meiner Chronistenpflicht.

  1. In Teilen von Michigan wird es heute praktisch nicht regnen. Das ist die Titelstory!
  2. Ein urlaubender Feuerwehrmann hat eine Frau gerettet, die am Strand einen Herzstillstand hatte.
  3. Am Wochenende hat’s fünf Unfälle mit Geländefahrzeugen gegeben. Der Sheriff sagt, das sei für seinen Geschmack „ein bisschen viel“ gewesen.
  4. Ein 63-jähriger Motorradfahrer ist bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Er hatte Vorfahrt, eine Autofahrerin hat ein Stoppschild überfahren. Die Polizei sagt: Es waren waren Drogen im Spiel.
  5. Eine 21-jährige Frau wurde aus einem vorbeifahrenden Wagen angeschossen. Die Polizei sucht nach den Verdächtigen.
  6. Vorige Woche wurde in Ann Arbor eine Frau angeschossen. Jetzt hat die Polizei einen 35-jährigen Verdächtigen festgenommen.
  7. Ein 19-Jähriger hat für einen Mord an einem Obdachlosen mindestens 22 Jahre Knast bekommen.
  8. Ein 42-Jähriger ist in der Nacht von Freitag auf Samstag zu Fuß über die Autobahn gerannt. Mindestens zwei Autos haben ihn erfasst, jetzt ist der Mann tot. Warum das alles? Die Polizei ermittelt.
  9. Ein 96-jähriger Weltkriegsveteran hat eine Covid-19-Erkrankung überstanden und jetzt zum ersten Mal seinen kleinen Ur-Enkel gesehen.
  10. Eine 25-jährige Frau wurde nach einer Verfolgungsjagd von der Polizei gestellt. Sie war – besoffen und offenbar auch anderweitig berauscht – mit mehr als 160 Sachen über die Autobahn gebrettert und hatte dabei andere Autofahrer per Lichthupe von der Überholspur gescheucht.

Wir sind also „back to boring“. Interessant, dass so viele Sachen berichtet werden, in denen Leute in Uniform „die Guten“ sind und einfach ihrem Tagwerk nachgehen. Es gibt auch drei Meldungen zu Black Lives Matter – aber halt auch noch viel mehr Polizei-, Unfall-, Crime usw.-Storys als die zehn, die ich genannt habe. Die Pressestelle der Polizei schreibt sozusagen die Zeitung voll. Interessant. Ist die Regionalpresse in Deutschland besser? Ich glaube schon.

Am Abend außerdem ein merkwürdiges Insekt im Garten entdeckt. Sieht aus wie ein Mix aus Wespe und Gottesanbeterin.

Wie immer: Das Netz weiß alles. Es handelt sich um einen Fanghaft. Ich habe den Begriff noch nie zuvor gehört. Und wenn doch, dann hab ich das sehr gründlich vergessen. Wikipedia sagt: Die Viecher waren schon vor mehr als 40 Millionen Jahren unterwegs und haben damals wohl schon genau so gejagt wie heute.

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