Mein Kumpel Marvin sitzt in Neuseeland fest – und trifft auf einen krassen Strandpropheten. Außerdem: Nachtrag zum Essen und zu Trump

Während ich meine Coronazeit überwiegend im nur mittelmäßig gefährlichen Michigan verbringe, ist mein Hamburger Kumpel Marvin in Neuseeland gestrandet. Er scheint sich dort ein lustiges Leben zu machen und hat jetzt – aus Langeweile? – angefangen, übermütige Videos zu posten. Das Ding hier ist so gaga, dass ich nicht anders kann, als es zu teilen.

Am Wochenende haben wir hier diskutiert, wie sich unser Fleischkonsum durch die Coronakrise verändern wird. Hab etliche Kommentare dazu bekommen, die wieder neue Fragen aufgeworfen haben. Zum Beispiel diese: Stimmt es wirklich, dass wir gerade mehr kochen und backen als sonst – oder macht das nur die linksgrüne Großstadbohème in meiner Filterblase? Stimmt es außerdem, dass wir seltener zum Supermarkt rennen als zuvor, weil wir Angst haben, uns anzustecken?

Zu all dem hat jeder eine Antwort, ein Gefühl, sozusagen. Denn wir sind am Leben. Wir nehmen wahr und sammeln Daten. Und was wir da so sehen, hören, riechen und uns zusammenreimen, das ist für uns alles, was existiert. Gilt auch für mich. Ist menschlich. „What you see is all there is“, so hat Daniel Kahneman das mal formuliert. Kahneman war lange Zeit der einzige Psychologe, der je einen Nobelpreis bekommen hat. Er nennt das die WYSIATI-Regel. Kennt man schon. Ich wollt’s nur nochmal gesagt haben.

Also guck ich mir in solchen unsicheren Fällen gerne an, ob’s irgendwelche Studien dazu gibt. Das mach ich ja eh den ganzen Tag. Studien wissen auch nicht alles. Und manchmal irren sich die Leute, die sich machen. Aber meist sehen sie mit ihren Methoden mehr, als ich das als Einzelperson kann. Jedenfalls finde ich eine neue Studie der Uni Göttingen über unsere Supermarktbesuche während er Covid-19-Krise. Dort steht:
– „Beim Einkaufsverhalten zeigt sich: Es wird seltener eingekauft.“
– „Das Ernährungsverhalten ist (…) bei einem Großteil der Befragten unverändert.
– „Allerdings kochen nun mehr Personen als vor der Corona-Pandemie täglich ein warmes Gericht. Dies trifft verstärkt auf Personen zu, die aufgrund von Home-Office oder Quarantäne mehr Zeit zu Hause verbringen.“

Dann springt mir noch eine leidlich aktuelle Forsa-Umfrage entgegen; dort heißt es, dass in Deutschland weniger Menschen täglich Fleisch essen als noch vor fünf Jahren. Scheint mir aber nix mit Corona zu tun zu haben. Es ist ein langfristiger Trend. Anteil der Veganer an der Gesamtbevölkerung übrigens: ein Prozent.

Es gibt auch Daten von der Industrie selbst. Da muss man immer ein bisschen vorsichtig sein. Die Zahlen selbst stimmen vermutlich, aber die mitgelieferten Begründungen haben fast immer einen gewissen „Spin“ – die Firmen interpretiert alles so, dass es gut für die eigene Marke ist. Hier zum Beispiel lerne ich, dass die Nachfrage nach Tiefkühlfisch zum Teil dramatisch nach oben gegangen ist. Klar. TK. Hält lange. Hamsterwelle. Ist das ein Zeichen für ein verändertes Ernährungsverhalten? Die Leute von der TK-Industrie sagen: Nö. Eher im Gegenteil. „In Zeiten der Verunsicherung greifen die Menschen nach vertrauten, bewährten und geliebten Produkten“, heißt es da. „Die Nachfrage nach (…) klassischen Kernartikeln (…) ist in der Zeit deutlich angestiegen.“ Uns tröstet, was wir kennen. Leuchtet auch wieder ein. Und wenn ich so an die vergangenen Wochen denke: Soooo viele neue Sachen haben wir tatsächlich nicht ausprobiert.

Jetzt noch zwei, drei Sätze zu Donald Trump und der Frage, ob er nun ein Trottel ist oder nicht. Vor einiger Zeit hat die BBC mal was über den IQ des Präsidenten geschrieben. Sie haben tatsächlich eine Professorin gefunden, die dazu etwas „on the record“ geäußert hat. Sie sagt sinngemäß: Wir wissen es nicht. Der IQ ist nirgendwo veröffentlicht. Aber sie „hat das Gefühl“, dass Trumps IQ höher ist, als die Leute annehmen. „Wer ihn nicht mag, sagt, ‚Oh, er ist so ein Idiot, oh, er ist so dumm‘. Aber ich wette er (der IQ) ist höher, als wir glauben.“ Beweist natürlich nix. Gefällt mir aber. Weil es bestätigt, was ich denke. 😉

In der vergangenen Nacht hab ich geträumt, dass Trump hier zu Besuch war. Ich saß am Schreibtisch und bin einer Aufgabe nachgegangen. Da steht er plötzlich in der Ecke, ganz verschwitzt und mit gelockertem Kragenknopf. „Was geht, Sir?“, fragt ich. „Für Sie immer noch Mr. President“, sagt Trump und grinst. Dann winkt er ab und sagt: „Ich muss mich mal für einen Moment ausruhen von all dem Trubel da draußen.“ Ich sage: „Geht klar. Woher all der Schweiß?“ Trump grinst und flüstert: „Darf ich nicht sagen.“ Dann guck ich genauer hin und merke, dass Trump gar nicht aussieht wie der Trump, den ich aus dem Fernsehen kenne. Da steht nur ein älterer Herr mit Übergewicht. Dann kommen die Sicherheitskräfte in den Raum und brüllen rum. Trump sagt: „Lasst gut sein, Leute, ich hab nur ein bisschen Ruhe gebraucht.“ Dann winkt er kurz und ist raus. Und ich sitze da und denke: Am Ende ist er auch nur ein Dude.

Jetzt fällt mir Bob Dylan an. Und sein früher Gedanke, dass selbst der Präsident der USA manchmal nackt vor dem Spiegel steht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.