bookmark_borderJuhu, das „Rettungsbrot“ lebt immer noch!

In meiner Hamburger Nachbarschaft liegt die nach eigenem Bekunden „kleinste Biobackstube Hamburgs“. Es handelt sich um das „Rettungsbrot“ in der Klaus-Groth-Straße in Borgfelde.

Und dass es den Laden dort immer noch gibt, ist nichts weniger als ein Wunder. Bei meiner Abreise nach Michigan im September hat mir Martin, der Besitzer, nämlich eröffnet, dass er hinschmeißen will. Wie man hört, hat der gute Mann jede Woche 80 Stunden lang dafür geschuftet. Er ist schon deutlich in seinen 60ern und hat auf mich immer einen sehr fitten und fröhlichen Eindruck gemacht. Aber trotzdem, man versteht es, genug ist irgendwann genug.

Hier auf dem nächsten Bild kann man übrigens erahnen, dass es sich wirklich um einen klitzekleinen Laden handelt. Genau von der Sorte also, die man überall verschwinden sieht und danach weint man dann bittere Tränen.

Jedenfalls bin ich jetzt seit ein paar Tagen wieder in der Stadt und Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie sehr ich mich gefreut hab, als im Rettungsbrot noch Licht brannte. Eigentlich hatte ich mich schon damit abgefunden, kein handgeknetetes Biobrot mehr von jenseits der Straße kaufen zu können, sondern das Zeug ausm Supermarkt essen zu müssen. Jetzt aber: Juhu, das Rettungsbrot lebt immer noch!

Im Laden steht jetzt jedenfalls Dirk. Er ist Bäcker und hat – ich vermute aus purem Enthusiasmus – den Laden übernommen und Martin überredet, sich noch für zwei Tage die Woche in die Backstube zu stellen für einen geschmeidigen Übergang.

Dirk und ich sind nicht nur ein einem ähnlichen Alter, wir besuchen offenbar auch denselben Friseur.

Ich möchte jedenfalls, dass viele Menschen im Rettungsbrot einkaufen. Wollen wir Leute wie Dirk nicht unterstützen, so gut wir können? Doch, das wollen wir! Das Brot und der Apfelkuchen sind wirklich außergewöhnlich klasse. Und Franzbrötchen wie hier kriegt man nirgendwo sonst in der Stadt, wirklich nicht. Also: Wenn Ihr in der Gegend wohnt oder mal in der Nähe zu tun habt, checkt den Laden aus.

Und jetzt noch eins: Dirk braucht wen, der am Wochenende oder auch unter der Woche im Laden Sachen verkauft. Er kann nicht alles allein machen. Mir ist klar, dass der Markt für solche Jobs schonmal günstiger aussah, aber wer weiß? Vielleicht liest hier ja jemand mit, der Lust hat, in der kleinsten Biobackstube Hamburgs ein paar Taler zu verdienen? Oder wen kennt, der wen kennt? Das Publikum ist sensationell, wie früher aufm Dorf, als ich noch ein Junge war.

Hier geht’s übrigens zur Homepage des Ladens: http://www.bio-baeckerei-rettungsbrot.de

So. Und jetzt schmier ich mir mein Abendbrot. Irgendwas mit Roggen und Dinkel. Es wird sehr gut schmecken.

bookmark_borderDie 1. Klasse ist in Wahrheit gar nicht erstklassig

Zurück in Deutschland. Bin also mal wieder mit dem ICE gefahren, und dabei hat ein sehr günstiges Angebot der Bahn mich dazu verleitet, mit alten Gewohnheiten zu brechen und in die 1. Klasse zu steigen.

Die Sache mit den Status-Unterschieden fällt mir bei den Reisen über den Teich immer wieder in die Augen, weil die Airlines dabei alle menschlichen Schwächen nutzen, um auf möglichst schmerzhafte Weise möglichst viel Kohle zu machen. Zum Beispiel: beim Einsteigen. Jeder weiß es, aber es beschämt einen halt trotzdem jedesmal wieder neu. Alle stehen am Gate, dann dürfen irgendwelche Leute zuerst einsteigen, während man die Normalos dazu zwingt, dem Privileg mit neidischen Blicken zu folgen. Da bezahlt man natürlich gern etwas mehr für die Businessclass. Unser 7. Sinn für Status ist ein „Stone Age Bias„, wie es ein paar kluge Leute man formuliert haben. Man kann uns kaum austreiben, also erklärt man’s zum Geschäftsmodell.

Bei der Bahn jedoch entfällt all das. Man darf nicht früher einsteigen, nur weil das Ticket teurer war. Sie zwingen „the hoi polloi“ auch nicht dazu, sich später schamvoll vorbeizudrücken an den Vornehmen, die bereits sitzend am Sekt schlürfen, das Handgepäck sicher verborgen im für alle anderen knappen Überkopfstauraum. Im Prinzip finde ich das ja besser so, dennoch nimmt es dem Ganzen natürlich dieses heimelige quasi-koloniale Kribbeln, das man bei den aufgeblasenen Businessclass-Leuten in der Leibgegend vermutet.

Und dann die Fahrerfahrung selbst! Sind die Sitze geräumiger? Vielleicht. Ich spüre es aber nicht. Und überhaupt: Wenn die Bahn nicht überall ein dickes „1.“ auf die dünnen Hinterkopfpolsterkissen applizierte hätte – mir wäre der Unterschied insgesamt nicht aufgefallen.

Naja.

Vielleicht doch. Denn alle paar Minuten kam wer vorbei, um einem einen Kaffee aufzuschwatzen. Das hat die Ruhe dann doch erheblich gestört. Und mir mal wieder gezeigt, wie wenig man lernt aus leidvollen Erfahrungen vergangener Jahrzehnte. Denn NATÜRLICH hab ich irgendwann zermürbt gerufen: „Dann bringt mir in Gottes Namen halt auch einen!“ Junge, Junge, Junge! Ich wüsste gar nicht, wie ich zu Hause eine derart abscheulich übersäuerte Plörre zubereiten sollte. Wirklich nicht. Was muss man dafür bitte alles ins Wasser kippen? Hab das Zeug dann natürlich trotzdem ausgetrunken, wo ich schon mal dafür bezahlt hatte (→ „sunk cost effect“).

Nun ein Wort zum Publikum, also denen, die offenbar gewohnheitsmäßig in den teuren Wagen sitzen: Es sind überwiegend Männer. Wichtige Männer. Ihr Haupthaar ist schütter und ergraut wie das meine, und sie machen die Reise nicht zum Vergnügen, sondern gehen fernmündlich (aber selbstbewusst!) irgendwelche Businesspläne durch, attendieren virtuelle Meetings und debattieren mit Kollegen allerhand Orgazeugs. Dann kurz ein Call in der Zentrale: „Wie hieß nochmal meine Mentee ausm Rechenzentrum? Melanie! Stimmt! Natürlich!“

Irgendwann dann Ankunft Hamburg. Die Freude über den blauen Himmel: unbezahlbar.

Auf der linken Seite, dort also, wo am Zielbahnhof der Ausstieg sich befand, waren, wie uns allen erst jetzt bewusst wurde, drei von vier Türen defekt.

An Luke Nummer vier bildeten sich dann die entsprechenden Schlangen von beiden Seiten. Immerhin: Die anderen Mitreisenden ertrugen all das mit Fassung. Der Anzeigenmonitor im Wageninneren schrieb gelegentlich Sätze in französischer Sprache.

Was ich mit all dem sagen will: Die 1. Klasse ist alles andere als erstklassig. Not worth the money. Ich schreib das hier nieder, damit ich’s nicht genau so vergesse wie diesen gustatorischen Amoklauf, den sie für 3,80 als „Kaffee“ verkauft haben.

Aber insgesamt will ich mich nicht beschweren, denn die von mir erworbene Dienstleistung bestand in einer Fahrt von einem Bahnhof zum anderen. Und das – ich muss es zugeben – hat die Bahn in meinem Fall wirklich spitzenmäßig hingekriegt.

bookmark_borderSay something – see something!

Metzger’s Michigan Monday #15

In den USA gibt es einen Satz, der die Menschen zu Zivilcourage ermuntert. „See something, say something.“ Das bedeutet: Wenn man in der Öffentlichkeit etwas sieht, das den geltenden Normen widerspricht, soll man etwas sagen, sei es durch beherztes Einschreiten oder durch einen Alarm bei der zuständigen Ordnungshut.

Da ich gerne Scherze mache, drehe ich derlei Sätze manchmal um, einfach um zu sehen, was dabei herauskommt: „Say something, see something.“ Das Bild oben ist ein Produkt von Dall-E, ich habe den Satz dort eingegeben und die KI gebeten, das Ding im Stile von Joan Miró zu malen. Cool, oder?

Jedenfalls kommen beim Sätze-Umdrehen manchmal Dinge raus, die einen länger verfolgen, als man mag. Dieser hier sitzt mir mächtig im Nacken.

Wir sagen was – und sehen es auf einmal überall.
Wir sehen dann plötzlich nix anderes mehr.

Wir sagen etwas – und glauben es auf einmal.
Wir glauben dann plötzlich nix anderes mehr.

So funktioniert der Mensch. Seit den 1960er Jahren gibt es dafür einen Begriff: Es handelt sich um einen Bestätigungsfehler, einen Confirmation Bias. Wir sehen dann nur noch, was das Gesagte bestätigt, wir übersehen, was es widerlegt. Ich vermute: Weil das einfach soooo viel Denkarbeit erspart. Der Thalamus filtert alles andere raus, wie ein Palastwächter, der die ungebetenen Gäste abwimmelt, oft auch mit Gewalt, ehe sie den Thronsaal des Bewusstseins betreten.

Selbst in der Wissenschaft droht der Bestätigungsfehler. Als Waffe dagegen lautet das Standardverfahren (eigentlich), dass man mit aller Kraft versuchen soll, die eigene These zu widerlegen. Jede Publikation, jede Studie, die eine These bestätigt, bedeutet (eigentlich): Man ist beim Widerlegungsversuch dermaßen gründlich gescheitert, dass man achselzuckend nicht anders kann, als die These anzunehmen (bis jemand kommt, dem das Widerlegen gelingt).

Nicki sagt gerade: „Ey, man könnte doch auch ’selektive Wahrnehmung‘ sagen. Für das Grundphänomen haben wir mindestens 20 verschiedene Begriffe.“ Stimmt natürlich.

Ich merke es jedenfalls im Alltag. Nicht an mir. Sondern natürlich zuerst bei meinen Mitmenschen. Die haben EINMAL was gesagt, EINMAL die Welt so und so gesehen – und schon ist alles verloren. Keine Erfahrung, keine Einsicht bringt sie wieder ab von der einmal gemachten Deutung. Völlig irre. Kennt jeder, glaub ich. Man verbeißt sich in diesen Knochen und lässt nie wieder los.

Der letzte Schritt: Ich merk’s auch an mir selbst. Aber das ist knifflig. Viel kniffliger. Weil es fürs Gehirn wahnsinnig teuer ist, wahnsinnig aufwendig. Man muss das ganze Bild neu malen. Das kriegt man selten hin.

Intellektuelle Einsichten gehören dazu. Allianzen. Freundschaften. Feindschaften. Ernährungsgewohnheiten. Schlafenszeiten. Scham. Vergebung, auch.

Vielleicht hab ich mir genau das vorgenommen: Einmal im Monat etwas sagen, ohne es hinterher zu sehen. Oder noch besser: Etwas zu sehen, obwohl ich vorher das Gegenteil gesagt habe.

Mal sehen, ob das klappt.

bookmark_borderNeues Jahr, neuer Kaffee

Metzger’s Michigan Monday #14

Hab Nicki zu Weihnachten eine AeroPress geschenkt. Es war ein Tipp von Eric, der sich selbst als „Coffee Princess“ bezeichnet, was wirklich witzig ist, weil Eric nicht nur wie ein Wikingerkrieger heißt, sondern auch wie einer aussieht.

Manchmal macht man sich Geschenke ja in Wahrheit selbst, und genau so ein Geschenk scheint mir diese Kaffeemaschine hier auch zu sein.

Es ist eine sinnliche Erfahrung, damit Kaffee zu kochen und gut schmecken tut’s auch noch.

Das geht so: Man legt ein Filterpapier in den zusätzlich erworbenen Metallfilter.

Man schraubt den Filter mit einer leichten Drehung aus dem Handgelenk ans untere Ende des AeroPress-Zylinders. Dann füllt man eine angemessene Menge an gemahlenem Kaffee ein (ich habe Bohnen von einer örtlichen Rösterei besorgt und sie direkt vor dem Aufbrühen relativ fein gemahlen).

Danach stellt man den Zylinder auf eine leere Tasse und gießt gelassen das kochende Wasser auf – möglichst in kleinen Kreisbewegungen, um das ganze Kaffeepulver zu benetzen.

Dann wartet man zwei Minuten ab und schwenkt den Zylinder leicht an, damit das Pulver sich besser setzen kann. Weitere 30 Sekunden später drückt man von oben den Kaffee durch den Filter in die Tasse.

Zack, der Kaffee ist fertig! Wenn man tüchtig gedrückt hat, schwimmen sogar ein paar Blasen obenauf und man kann sich erzählen, dass es sich dabei um eine Art Crema wie beim Espresso handelt. Ist natürlich Quatsch, aber man fühlt sich gleich viel besser damit.

Ich bilde mir ein, dass der Kaffee weniger bitter über die Zunge fließt als aus der Maschine und dass man die weicheren Aromen besser schmecken kann. Vielleicht Placebo, was weiß ich. Mir macht die Sache jedenfalls viel Freude und wenn ich wieder zurück nach Hamburg komme, werde ich mir für dort auch so eine kleine Maschine besorgen. Hat so was MacGyver-mäßiges.

Beim letzten großen Spaziergang in 2022 lag der ganze See unter Eis, auf dem aber schon das Schmelzwasser schwappte.

All das nur, um später irgendwann nachschlagen zu können und zu sagen: „Guck mal, wie gut es uns damals ging.“

bookmark_borderKünstliche Intelligenz: Ich hab die Zukunft gesehen. Sie ist sehr unheimlich

Metzger’s Michigan Monday #13

Im Februar 2017 war ich in Portland/Oregon auf einer Forschungskonferenz namens CSCW. In einem der Vorträge ging’s um das Konzept der „Affordanz“, über das ich neulich schon mal was geschrieben habe. Ich weiß das alles noch ziemlich genau, weil in der anschließenden Diskussion die hochgeschätzte Jessica Vitak von der University of Maryland was sehr Schlaues gesagt hat. Nämlich: dass im Moment noch alle Social Media beforschen – bis das nächste große Ding kommt, von dem im Moment aber noch keiner weiß, was genau das sein wird. Und natürlich ist das ein Gemeinplatz. Alles hat seine Zeit und endet irgendwann; jedes Bild umgibt ein Rahmen, zu dem natürlich stets auch ein Jenseits existiert. Trotzdem hat mich Vitaks Satz damals sehr inspiriert. Dieser Tage musste ich häufig an ihn denken, denn: Das nächste große Ding ist da. Wir haben jetzt alle die Zukunft gesehen. Sie ist faszinierend und wird, wenn ich das richtig einschätze, viele, viele Menschen den Job kosten.

Natürlich spreche ich von „generative AI“, jener Form der Künstlichen Intelligenz, die in der Lage ist, neue Inhalte zu erzeugen. Neue Bilder. Neue Musik. Neue Texte. Solche Dinge. Das Bild oben zum Beispiel stammt von so einer Maschine. Ich habe Dall-E einfach gesagt, dass ich mir ein Bild wünsche, das das Überredungsprinzip der Reziprozität im Stile von Paul Klee malt. Ein paar Sekunden später hat mir das Ding dann mehrere Versionen ausgespuckt, das Bild oben hat mir am besten gefallen.

Dall-E ist kostenlos, ein Produkt von „OpenAI“, einem milliardenschweren gemeinnützigen Forschungslabor aus San Francisco, das gelobt hat, nur Gutes mit der neuen Technologie zu bezwecken. Elon Musk hat da ne Menge Geld reingebuttert, die Firma Microsoft ebenfalls. Falls Ihr noch nicht mit Dall-E rumgedaddelt habt: Macht es, sobald Ihr ne freie Minute dafür habt. Man muss sich anmelden – und kann sofort loslegen. Lasst Euch Bilder malen. Denkt Euch interessante Anfragen aus. Nur, um ein Gefühl dafür zu kriegen, was die Maschine alles kann. Vielleicht auch für das, was sie nicht kann.

Dass Künstliche Intelligenz/Artificial Intelligence irgendwann mal den ganzen Laden aufmischen wird – geschenkt! Aber manchmal fehlt mir – wie viele anderen Menschen – einfach die Fantasie, ums sich so etwas wirklich vorstellen zu können.

Die ersten beiden Schüsse vor den Bug in dieser Hinsicht hab ich dann Ende 2019/Anfang 2020 bekommen. Ende 2019 hab ich für Brand Eins Richard Socher interviewt, der damals Chief Data Scientist von Salesforce war. Er hatte auf einer Konferenz in San Francisco gerade eine Demo-KI vorgestellt, die als Telefonstimme Kundenanfragen beantworten konnte. Sie hat das viel besser, fürsorglicher und eleganter gemacht, als die meisten Menschen aus Fleisch und Blut das hinkriegen würden. Das war schon mal n Hammer und hat mich sehr beeindruckt. In unserem Interview haben wir natürlich auch über die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt gesprochen. Er meinte damals: „Einige Jobs werden wegfallen. Und viele Jobs werden sich durch KI verändern.“ Denn: „KI wird uns all das abnehmen, was ermüdend und langweilig ist.“ Das hat mich in meiner egoistischen Sicht natürlich erstmal beruhigt, weil ich meinen eigenen Job ja für wahnsinnig wichtig und aufregend halte (ich lache beim Tippen dieses Satzes bitter in mich hinein).

Im März 2020 saß ich dann in Berkeley bei einer Konferenz, wo’s um Roboter ging. Auch daraus ist letztlich eine Geschichte für Brand Eins geworden. Eine Keynote hat dabei der Lokalmatador Stuart Russell gehalten, der die Sache mit der Künstlichen Intelligenz wesentlich weniger optimistisch eingeschätzt hat als sein Kollege aus der Industrie. Er sah die KI als mögliche Bedrohung der Menschheit und war der Meinung: Wir haben die Sache eigentlich nur dann noch weiter im Griff, wenn wir den Maschinen nicht explizit verraten, was wir eigentlich von ihnen wollen. Im Grunde hat Stuart Russell also die Story von Goethes Zauberlehrling erzählt (ich sage das nur, um das Argument verständlicher zu machen, nicht um es abzuwerten. Dass eine Story alt ist, ändert nichts an ihrer Gültigkeit).

Jetzt jedenfalls Dall-E. Mir ist Angst und Bange geworden um all die Menschen in meinem weiteren Umfeld, die irgendwas mit Grafik machen. Wer bezahlt noch eine Illustratorin, wenn eine Maschine dieselbe Arbeit womöglich umsonst macht – und das auch noch viel, viel schneller?

Dann kam im Dezember der Chatbot ChatGPT, auch wieder aus der Schmiede von OpenAI. Ein Chatbot ist eine Maschine, die so tut, als wäre sie ein Mensch. Man schreibt einen Text in ein Eingabefenster – die Maschine antwortet. Solche Dinge gibt es schon länger, aber DIESE Maschine war so gut, so schlau, so menschlich, dass ich zum ersten Mal Angst um mich selber bekommen habe. Ich habe die erste Nacht nach meiner Anmeldung dann entsprechend wenig geschlafen, weil ich die ganze Zeit mit dieser Maschine geschrieben habe. Es war der Hammer. Wir haben die Moralphilosophie von Kant und Aristoteles diskutiert. Wir haben über psychologische Forschung diskutiert. Das Ding hat mir ein Weihnachtslied geschrieben. Es hat irgendwann auch angefangen, in meiner Muttersprache mit mir zu reden. Alles astrein. Und ich wiederhole mich auch hier: Falls Ihr noch nicht mit ChatGPT rumgedaddelt habt: Macht es, sobald Ihr ne freie Minute dafür habt. Lasst Euch Texte schreiben. Denkt Euch interessante Anfragen aus. Nur, um ein Gefühl dafür zu kriegen, was die Maschine alles kann. Vielleicht auch für das, was sie nicht kann.

Angeblich drehen bei Google im Moment alle durch, weil sie Panik schieben, dass ChatGPT ihnen das gesamte Geschäft kaputt machen könnte. Wäre es nicht toll, so einen wunderbaren Chatbot mit einer Suchmaschine wie Google zu kombinieren? Gibt’s inzwischen auch schon. Der oben erwähnte Richard Socher hat inzwischen seinen eigenen Laden aufgemacht: Eine Suchmaschine namens „You“, die man – so der Pitch – besser kontrollieren kann als Google. Und einen eigenen Chatbot hat das Ding seit ein paar Tagen auch. Ich hab ein bisschen damit gespielt, die Ergebnisse fand ich ganz brauchbar. Wenn Ihr Zeit habt: Checkt es aus.

Man weiß aus der Forschung jedenfalls, dass wir Menschen auf so eine Maschine reagieren, als wären sie selber ein Mensch. Genau so, wie wir Kasperlepuppen als handelnde Menschen wahrnehmen. Wie Kuscheltiere zu quasi-menschlichen Begleitern für uns werden. Wir schließen Freundschaft mit der Maschine. Wir empfinden Sympathie. Sogar Liebe. Im Frühjahr 2022 war ich auf einer psychologischen Forschungskonferenz namens SPSS in San Francisco. Ein junger Forscher von der University of British Columbia hat dort über ein Experiment gesprochen (ich hab ne kurze Geschichte für P.M. drüber geschrieben), das er mit einem weniger guten Chatbot als ChatGPT und vielen Freiwilligen gemacht hat. Sein Fazit lautet: Anders als bei den selbstfahrenden Autos wird es mit dieser Technologie NULL psychologische Widerstände geben.

Null.

Unserer Seele ist egal, ob sie mit einem Menschen redet oder mit einer Maschine, die nur so tut. Wir werden dem Ding bald unsere tiefsten Geheimnisse anvertrauen.

Wie gut ist der neue Chatbot von OpenAI genau? Ich hau nur mal ein paar Sachen raus, die ich so gehört habe aus meinem Umfeld: Ein Psychologie-Professor aus Kanada hat die Maschine eine Uni-Klausur schreiben lassen – das Ding hat besser abgeschnitten als 80 Prozent der Studierenden.
Ich höre von Leuten aus der Juristerei, dass die Maschine sehr brauchbare Gerichtsurteile schreiben kann.
Die Machine schreibt auch sehr ordentliche Werbebotschaften, die man dann einfach auf Instagram stellen kann.
Menschen, die Computerprogramme schreiben, lassen sich von der Maschine Teile ihrer Arbeit abnehmen. Der Code ist eleganter als das, was die meisten Fachleute hinkriegen. Und schneller ist er eh.

Klar, das Ding ist nicht perfekt. Balladen im Stile Friedrich Schillers – da sind die Ergebnisse eher dürftig. Ich hab mich persönlich davon überzeugt. Die Maschine schreibt für meinen Geschmack auch zu sehr im Nominalstil. Aber auch da dürfte es vermutlich genügen, sich einfach einen anderen Style zu wünschen. Und die Maschine lernt dazu – mit atemberaubender Geschwindigkeit.

Trotzdem posten manche wegen all der kleinen Mängel: „Unsere Jobs sind noch immer sicher!“

Ich halte das für einen Irrglauben. Wenn DAS der neue Standard ist, sind viele, viele Menschen beruflich für immer erledigt. Ich womöglich auch. Und das gefällt mir nicht.

Und noch etwas: Ich WEISS, dass ich die wichtigsten Folgen dieser Technologie noch nicht absehen kann. Mir fehlt dafür einfach die Fantasie. Dieser Tage jedenfalls hab ich einen ersten Blick auf die Zukunft geworfen.

Diese Zukunft ist schön und faszinierend.

Aber auch sehr, sehr unheimlich.

bookmark_borderWo Hemingway seine Einfälle hatte

Metzger’s Michigan Monday #12

Fragt mich nicht, warum wir dort waren. Es war eine Verkettung seltsamer Umstände und es war nur für ein paar Tage. Jedenfalls: Key West, Florida, südlichster Punkt der Festland-USA. Es gab einen Strand dort und ein Meer, dessen Wasser sehr salzig geschmeckt hat. Ich war beim Schnorcheln auf einmal von fast einem Dutzend Barrakudas umringt, hab fischende Pelikane beobachtet und in der Sonne gelegen, während die Truthahngeier über den Pinien kreisten.

Key West ist wie Westerland, nur mit besserem Wetter. 

Überall laufen wilde Hähne und Hühner rum. Man soll sie nicht füttern. Die Hähne krähen bereits um fünf auf der Straße.

In den Touristenshops verkaufen sie T-Shirts mit alten Sprüchen, in denen es um ranzige Sexfantasien geht, Schusswaffengebrauch und exzessiven Alkoholkonsum.

Politisch hat man sich auf eine trumprepublikanische Stammkundschaft eingestellt. Nicki beim Blick auf ein T-Shirt: „Was bedeutet #FJB?“
„Fuck Joe Biden“, sagt eine vorbeischlendernde Stimme, ohne Blickkontakt aufzunehmen.

Insgesamt wird in Key West extrem viel gesoffen. Auf dem Schnorchelboot schenkt eine junge Frau im Bikini Mimosas aus auf dem Weg zurück zum Hafen. Um 16 Uhr haben die meisten Gäste in den Bars und Restaurants schon richtig gut einen im Kahn. Überall singt jemand zur Gitarre, zum Teil sehr gute Leute, für deren Einstellung ich nichts als Bewunderung empfinde. Die Sängerin im „The Bull“ haut sich durch ihr Abendset, als hätte sie den ausverkaufte Madison Square Garden unter sich. Sensationell. Woher nimmt die bloß ihre Energie?

Erst auf dem Heimweg gen Michigan fällt mir auf, dass der ganze Ort, das ganze Nest namens Key West seit mehr als hundert Jahren, auf einem einzigen, raffinierten Geschäftsmodell beruht. Aber der Reihe nach.

Wenn man wie ich, sein Geld mit dem Schreiben verdient, geht man natürlich zum „Ernest Hemingway House“ in der Whitehead Street. Eintritt: 17 Dollar. Man akzeptiert nur Bargeld. Lässt sich mit dem Finanzamt einfach besser abrechnen, nehme ich an. Ich hab hier schon vor Zeiten mal ein paar Takte über Hemingways Sprache rausgehauen.

Der Meister hat acht Jahre lang in Key West gewohnt und es scheinen nicht seine schlechtesten gewesen zu sein. Heute leben dort 58 Katzen, vielen von denen haben an den Vorderfüßen sechs Krallen. Angeblich befuhren ihre Ahnen die Weltmeere als Mäusefänger auf US-Schiffen. Mehr Krallen, mehr Beute, so die Logik. Vielleicht auch mehr Aggression? Manche Touristen versuchen, die Katzen zu streicheln. Keine gute Idee. Der junge Mann, der uns durchs Haus führt, trägt mehrere schlecht vernarbte Kratzwunden an den Armen.

Jedenfalls hat Hemingway das Haus nicht selbst gebaut. Das hat ein gewisser Asa Tift getan. Das war zu seiner Zeit der reichste Mann von Key West. Er besaß Schiffe und Lagerhäuser. Beides waren goldene Investitionen. Denn immer wenn – Unglücke geschehen – ein Schiff die Leuchtfeuer der Insel falsch gedeutet und das Riff gerammt hatte, rückte der gute Asa aus, um Besatzung, Ladung und Schiff vor dem Untergang zu retten. Manchmal, wie man hört, sogar in genau dieser Reihenfolge. Es muss ein irrsinnig einträgliches Geschäft gewesen sein. Und das, obwohl sich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen fürs Handwerk schon während Asas Kindheit deutlich verschlechtert hatten: 1822 fing die US-Regierung nämlich an, Geld einzutreiben und damit staatliche Signaltürme auf den Keys zu bauen. Ein Jahr später stellte Florida das Setzen falscher Leuchtfeuer unter Todesstrafe. Asa jedenfalls war ein sehr reicher Mann und sein Haus geriet entsprechend protzig. Nach seinem Tod stand es lange leer, angeblich weil niemand auf der Insel den hohen Kaufpreis bezahlen konnte.

Das ging so lange, bis Hemingway mit seiner zweiten Ehefrau hierher kam. Beide mochte das Klima und Hem konnte regelmäßig ins Sloppy Joe’s (hier der links zur live cam) rüberwanken, um mit seinen Kumpels am Tresen für seine nächste Kurzgeschichte zu recherchieren. Im Hemingway-Haus hängt tatsächlich dieser (deutschsprachige) Donald-Duck-Comic, der den Dichter beim Weg in sein Stammlokal zeigt. Heute ist das Sloppy Joe’s eine Bierbar der gröberen Sorte, wie man sie in Hamburg am Hans-Albers-Platz findet.

Hemingway konnte andauernd zum Fischen raus aufs Meer fahren. Er hat gut gefangen, wie die Fotos bezeugen, die man überall in den verschiedenen Kneipen rund um die Duval Street und unten an der Marina bewundern kann. Wie hätte Freud wohl den Rutenhalter kommentiert, den sich Hemingway auf dem Foto vors Gemacht geschnallt hat?

Auf dem Grundstück findet sich auch ein schmuckes Nebengebäude mit großzügigem Arbeitszimmer im ersten Stock und anliegendem Klo.

Hier hatte Hemingway seine guten Einfälle: Mehr als die Hälfe seiner zu Lebzeiten veröffentlichten Werke soll er in Key West geschrieben haben. Sagen sie zumindest in Key West.

Und damit sind wir beim Thema. Ich hab früher ja häufiger mal Reisegeschichten geschrieben, was mir seither manchen Urlaub versaut hat. Man läuft dann durch die Straßen und hat immer diesen einen Gedanken im Kopf: „Wo ist die Geschichte?“

Hier beginnt die Geschichte so: Das Hemingway-Haus ist eigentlich gar nicht das Hemingway-Haus. Der alte Angeber hätte sich die Hütte niemals leisten können. Bezahlt hat sie „Uncle Gus“, der reiche Onkel von Hems zweiter Ehefrau Pauline Pfeiffer. Gus besaß damals eine ziemlich gut laufende Pharmafirma, die über mehrere Stufen inzwischen in eine noch besser laufende Pharamafirma namens Pfizer aufgegangen ist. Als Hemingways Ehe dann 1940 geschieden wurde, war’s für den Dichter vorbei mit fürstlichem Arbeitszimmer, täglichen Angeltrips und eigenem Box-Ring unter Palmen. Die Bezeichnung „Hemingway-Haus“ ist natürlich nicht komplett gelogen. Aber so richtig wahr ist sie eben auch nicht. Sie ist eine Art „false Light“, ein falsches Leuchtfeuer wie aus den Tagen der Strandräuberei, um Fremde ein wenig vom Weg abzubringen und ihnen tiefer in die Taschen greifen zu können. Genau das ist: Key West.

So auch auf der Duval Street, der Vergnügungsmeile der Insel. Was einem dort sofort auffällt, sind die vielen, vielen Coffeeshops. Sie werben mit großen, grünen Hanfblättern überm Eingang. Hm. Seltsam. Hier riecht es so gar nicht nach Amsterdam. Wir also rein in einen Laden und den Mann hinterm Tresen gefragt.
Ich so: „Ist Cannabis denn legal in Florida?“
Er so: „Nö, ist es nicht.“ Man nimmt einfach Hanf, das keine berauschenden Stoffe enthält, rollt die Blätter zu Joints und verkauft sie an arglose Touristen. „Den Rest erledigt die Placebo-Wirkung“.
Eine dieser Sport-Zigaretten kostet 20 Dollar – ein richtig gutes Geschäft.

Dasselbe mit den Zigarren. Mehrere Läden prahlen damit, Zigarren aus Kuba zu verkaufen. Sie werben mit kubanischen Marken, kubanischer Flagge und allem. Ich also rein in so einen Laden und den Verkäufer gefragt: „Kommen die Dinger echt aus Kuba?“
Er so: „Nein, nein, wir haben doch noch immer unser Embargo gegen Kuba.“
Und ich so: „Hmmm, Euer Schild da draußen sagt aber …“
Er winkt ab: „Naja, ein paar der Tabak-Setzlinge waren früher tatsächlich mal in Kuba. Dann hat man sie auf die Dominikanische Republik verfrachtet und dort erledigt man heute den ganzen Rest.“ In einem anderen Laden behauptet der Verkäufer, sie würden den getrockneten Kuba-Tabak nach Honduras schippern und dort dann zu Zigarren rollen lassen.
Kurz gesagt: Man verkauft kubanische Zigarren, die gar nicht aus Kuba kommen. Für 22 Dollar das Stück. Ein richtig gutes Geschäft.

Dasselbe Spiel beim kubanischem Kaffee. Natürlich kommt der Kaffee, wenn man nachfragt, nicht wirklich aus Kuba. „Wir haben doch das Embargo.“ Das Pfund kostet jedenfalls 20 Dollar. Ein sehr gutes Geschäft.

Dasselbe mit den Seekühen. Die gibt es tatsächlich in der Gegend. In der Marina hängen überall Schilder, die auf diesen Meeressäuger hinweisen. Ich frage einen Kellner: „Habt Ihr hier denn Seekühe?“
Er so: „Naja, direkt hier natürlich nicht … aber anderthalb Meilen weiter in dieser anderen Marina …“
Als wir dann anderthalb Meilen weiter verschwitzt an dieser anderen Marina stehen, gibt’s dort natürlich auch keine Seekühe. Dafür, so verrät uns eine Website, müsste man am besten nochmal ein paar Meilen weiter durch die Sonne latschen. Aber auch da braucht man Glück. Und am besten mietet man eh ein Boot mit Guide.


Immerhin: Die Sache mit den Seekühen war umsonst. Gekostet hat sie uns lediglich Schweiß. Mit einigem Nachdenken lässt sich bestimmt auch daraus noch ein richtig gutes Geschäft machen.

Ich will aber nicht meckern. Mir hat es gefallen da unten. Man trifft interessante Leute, die einem ihre komplette Lebensgeschichte erzählen, und am Ende muss man zugeben, dass alle was zu erzählen haben. Jeder Mensch: ein Universum.

Hier noch ein Bild vom Sonnenuntergang. Er war auch ohne Filter ganz schön. Ich hab den Schuss aber vorsichtshalber durch meine Sonnenbrille gemacht. Sah damit noch cooler aus. In Key West, da gehört sich das einfach so.

bookmark_borderPickleball ist eine Geldmaschine

Metzger’s Michigan Monday #11

Was immer ich gerade in der Hand halte, wenn samstags um 17 Uhr mein Handywecker klingelt (vielleicht ist’s die Harke, um den Rasen vom feuchten Herbstlaub zu befreien; womöglich ein Holzkochlöffel, der meine Suppe rührt; oder der Hinterkopf der Liebsten, der sich schräg mir zum Kusse entgegen neigt), beim ersten Läuten lasse ich alles fahren, um im Panthersprung meinem Laptop zuzuhechten und mich auf der Seite https://wolverinepickleball.com für den kommenden Mittwoch in den Pickleball-Spielkalender einzutragen. Die Anmeldung öffnet genau 96 Stunden vor Spielbeginn.

Der Wettbewerb ist so hart und gnadenlos, wie es noch nie bei einem Freizeitsport erlebt habe. Nicht auf dem Platz selbst, dort sind fast alle Leute entspannt, wie ich bereits in einem älteren Blogbeitrag beschrieben habe („Hilfe, ich bin Teil einer Trendsportart!“). Es ist der Kampf um den Platz AUF dem Platz, aus dem ich längst nicht immer als Sieger hervorgehe. Sich einfach erst am Sonntag anmelden? Ich hab’s versucht: Man kann’s vergessen!

Auf den ersten Blick ist Pickleball ein Sport für Verlierer: weniger schick als Tennis, weniger dynamisch als Squash, weniger elegant als Badminton, viel langsamer als Tischtennis. Und dennoch handelt es sich um „America’s fastest growing sport“, wie im Februar 2022 ein Bericht auf NPR verkündete (das ist sowas wie der Deutschlandfunk der USA). In den vergangenen Jahren habe ich Pickleball immer nur in der warmen Jahreszeit gespielt – umsonst und draußen auf den öffentlichen Anlagen von Ann Arbor. Irgendwann im Sommer 2020 ist mir dort eine nette Frau in den mittleren Jahren aufgefallen. Sie spielte sehr gut und fair, lächelte viel, verteilte nach den Matches immer irgendwelche Handzettel und sammelte dabei Emailadressen von Leuten, die ihre Liebe zum Pickleball teilten. Auch ich habe ihr meine Adresse gegeben.

Und so kam es, dass am 1. Oktober 2020 folgendes Bild in meinem Maileingang lag:

Kein Zweifel: Christy und ihre Geschäftspartnerin Leslie hatten im Westen von Ann Arbor eine leere Lagerhalle gemietet und in einen Ort zum Pickleballspielen verwandelt. Man muss im Nachhinein sagen: Besser hätten sie das Timing kaum treffen können. Denn, na klar, im Oktober 2020 wütete die Pandemie. Fast alles war verboten, aber Pickleball war erlaubt. Und so kauften sich auf einmal alle möglichen Leute einen Schläger für Einsteiger und fingen an, diesem gelben Plastikball mit Löchern in der Außenhaut nachzurennen.

Mittwoch 17 Uhr. Der Einsatz vom Samstag hat sich gelohnt: Mein Kumpel William und ich haben tatsächlich für zwölf Dollar pro Nase einen Platz ergattert. Umkleiden gibt es nicht. Duschen auch nicht. Wir spielen auf sechs Plätzen; auf den beiden anderen Courts (aus den ursprünglich vier Plätzen bei Christy und Leslie sind inzwischen acht geworden) läuft irgendein Privattraining. Zwölf Doppelpaare werden jetzt zwei Stunden lang jeder gegen jeden Spielen: zwei Minuten Aufwärmen, dann eröffnet ein Signalton das Match. „Zero, zero, start“, zählt William. Punkte kann nur machen, wer das Aufschlagsrecht besitzt. Einige der erfahrenen Spielerinnen werden am Ende des Abends unseren Stil bemäkeln. Wir „bängen“ ihnen zu viel, hauen also zu dolle auf den Ball. Gelegentlich spiele ich auch einen Lob, löffle den Ball also im hohen Bogen über die Gegnerinnen, die am Netz stehen. „Diesen Schlag sehen wir hier auch nicht so gern“, sagt Christy hinterher. Nicht gänzlich unverwirrt google ich die Sache später im Netz. Aha! Der Lob zwingt zum Rückwärtslaufen und dabei kann man sich verletzen. Überhaupt: Erst kürzlich hat die New York Times eine größere Geschichte über die hohe Verletzungsgefahr beim Pickleball gedruckt. Pickleball wird meist von reiferen Semestern betrieben (ich gehöre mit meinen 53 nicht zur älteren Generation in der Halle) – und mit den Jahren steigt eben auch das Risiko, sich die Achillessehne zu reißen, einen Knöchel zu stauchen und den Meniskus zu ruinieren. An der Hallenwand von Wolverine Pickleball hängt das Werbeplakat eines Schulterspezialisten.

Mein Kumpel Søren hat mich vor Zeiten darauf aufmerksam gemacht, dass „Pickleball“ ein bescheuerter Name ist für eine Trendsportart. Er hat vollkommen Recht, aber die Sache ist nicht mehr zu retten. Drei Männer haben den Sport in den 1960er Jahren im US-Staat Washington erfunden. Einer von ihnen besaß einen Hund, der Hund hieß „Pickles“ – und weit und breit fand sich kein Marketingteam, um sich etwas Schmissigeres auszudenken. Ich finde das grundsympathisch.

Wir haben die meisten Spiele gewonnen. Allerdings haben uns Karen und Greg, ein sportliches Ehepaar in den eher späten mittleren Jahren, mal wieder ordentlich den Hintern versohlt. Entscheidend scheint der dritte Ball im Ballwechsel zu sein. Die richtig guten Leute setzen ihn so knapp hinters Netz, dass man ihn schlechterdings nicht schmettern kann. Doch ach: Wir hantieren noch immer mit den spröden Billigschläger aus dem Sportsupermarkt, mit denen derlei Kunstschüsse nur selten gelingen. Fast alle anderen schlagen den durchlöcherten Ball mit Geräten, die so irgendwas zwischen 160 und 280 Dollar kosten. Dort ist die Schlagfläche elastischer und griffiger. Man hat damit, so versichern uns alle, mehr Feingefühl und erzeugt auch mehr Effet. Vielleicht wird’s bald mal Zeit, noch mehr Geld ins Hobby zu investieren?

Dass der Sport ausgerechnet jetzt derart durchstartet, dürfte mindestens zwei Ursachen geschuldet sein. Zum einen ist da natürlich der demographische Wandel. Die Boomer gehen in Rente, und diese Kohorte hatte seit je ein Händchen dafür, sich ihr Dasein schön und bunt zu gestalten: Gras, elektrische Musik, LSD, freie Liebe und ein bisschen Revolution in der Adoleszenz – und heute eben dieser gesellige Sport, bei dem man auch mit 75 noch locker gegen aknegeplagte 18-Jährige punkten kann. „Wir empfehlen Pickleball als eine Form ernsthafter Freizeitbeschäftigung, die dem Leben älterer Erwachsener deutlich mehr Qualität verleihen und einen Beitrag zum erfolgreichen Altern liefern könnte“, resümiert eine Studie aus dem „Journal of Positive Psychology“. Und dann kam eben noch die Pandemie und schleuderte einen Molotowcocktail in den seit Jahren glimmenden Trend.

„How’s the Money?“, frage ich Leslie bei meinem jüngsten Besuch in der Halle. Sie lächelt. Es läuft bombastisch. Sie winkt mich in ihr Büro und zeigt mir ihr Buchungstool auf dem großen Computermonitor. Von 9 Uhr am Morgen bis 23 Uhr am Abend ist praktisch jeder Platz durchgebucht. Jeden Tag. Selbst an Thanksgiving war so gut wie alles voll. Wahnsinn: Pickleball ist eine Geldmaschine! Für die beiden Betreiberinnen der Halle erweist sich die demographische Zusammensetzung ihrer Kundschaft als Segen: Den fitten Rentnerinnen und Rentner ist jede Tageszeit Pickleballzeit. War und ist aber irrsinnig viel Arbeit, sagt Leslie. Als sie die Halle aufgemacht haben, standen in ihrem Emailverteiler schon weit über 1000 Adressen. Einfach ne Halle mieten und drauf warten, das wer vorbeikommt – das hätte sicherlich nicht gereicht. Derzeit bauen die beiden mit dem verdienten Geld gerade ein paar Blocks weiter an einer eigenen Pickleballhalle. Es gibt ihn noch, den American Dream. Ein Demonstrationsstein vor dem Bürofenster verrät, dass ich Sponsor des neuen Etablissements werden kann. Ein Stein im Eingangsbereich könnte meinen Namen tragen, wenn ich 150 Dollar in den Hut werfe.

In unserem Nachbarstädchen Chelsea gibt es das „Purple Rose Theatre“. Das ist ein kleines, aber sehr respektables Theater, das dem Hollywood-Schauspieler Jeff Daniels gehört. Das Stück, das dort seit September läuft, trägt den Namen „Pickleball„. Der Meister hat es persönlich geschrieben, ich habe nur Gutes darüber gehört. Karten (z.B. für die Vorstellung am Samstagabend: 52 Dollar) sind nicht immer leicht zu kriegen. Mitglieder der Theaterfreunde (Beitrag: 250 Dollar) haben die Möglichkeit, die Tickets zwei Wochen vorab zu reservieren.

Ein Samstag später. Ich bin spät dran. Um 17:03 Uhr melde ich mich an für kommenden Mittwoch. „#5 on waitlist“, heißt es hinter meinem Namen. Vermutlich gehe ich diesmal also wieder leer aus. Vielleicht muss ich doch Premiummitglied bei Wolverine Pickleball werden? Für 25 Dollar im Monat kriegt man Rabatt auf seine Spielzeiten – und kann sich schon ein paar Tage früher seinen Platz reservieren.

Fest steht jedenfalls: Pickleball ist in den USA eine Geldmaschine. Und wie die Dinge liegen, geht der Wahnsinn noch eine ganze Weile weiter. Bleibt die Frage: Wann geht die Sache in Deutschland los? Wenn ich’s wüsste, würde ich vielleicht schon mal anfangen, nach einer leeren Lagerhalle zu suchen.

bookmark_borderMeine Menschenkenntnis: scheinbar nur so mittel

Metzger’s Michigan Monday #10

Diese Woche war ich nach dem Pickleball mal wieder in einer Gastwirtschaft. Einer meiner Mitspieler hatte die Idee, doch mal das deutsche Restaurant um die Ecke auszuchecken. Jawohl! Es handelt sich um das „Metzger’s”, das ich bereits vor Zeiten in meinem Blogpost über die Deutschen in Ann Arbor besungen habe. Man reichte Käsespätzle zum Weizenbier, und beides hat geschmeckt wie zu Hause. Seufz, die einfachen Dinge! Der Laden ist übrigens immer rappelvoll, wenn ich mal vorbeischaue. Manchmal tut man dort beeindruckt, wenn ich mit meinem Nachnamen prahle, diesmal war’s aber allen egal. Man sieht’s denn Leuten halt nicht immer an.

Und damit sind wir beim Thema für heute. Ich habe dieser Tage nämlich einen interessanten Hinweis aus Deutschland bekommen: An der Uni Münster haben ein paar Leute ein Spiel entwickelt, bei dem man seine Menschenkenntnis testen kann. Das Spiel heißt „Who knows?“ Man kann es unter dem angegebenen link kostenlos spielen.

Da ich zufälligerweise gerade eine größere Geschichte zum Thema Menschenkenntnis vorbereite, hab ich mich auch gleich angemeldet und ein paar Runden gespielt. Die Sache läuft so: Man sieht ein kurzes Video von etwa 30 Sekunden, in dem eine Person sich vorstellt und ein paar Fragen beantwortet. Dann kriegt man selbst ein paar Fragen gestellt. Zum Beispiel: Macht diese Person jeden morgen ihr Bett? Hat sie Angst vor Spinnen? Kann sie mit Stäbchen essen? Danach verrät einem die App, wie viele der Fragen man richtig beantwortet hat.

Tja. Am Anfang war ich noch ganz gut dabei. Aber dann hat sich bald gezeigt, dass viele meiner frühen Treffer reiner Zufall waren. Nach einer Reihe von Runden kam dann mein Ergebnis: 52 Prozent der Antworten waren korrekt. Per Münzwurf hätte man vermutlich weniger Punkte geholt, dennoch bin ich damit natürlich weit entfernt von den Besten, die bei diesem Spiel mitgemacht haben. Liege ich über dem Durchschnitt? Unterm Durchschnitt? Keine Ahnung! Ich muss in den nächsten Tagen mal ne Email schreiben an die Leute, von denen das Spiel stammt.

Jedenfalls möchte ich dieses Spiel hiermit empfehlen. Die Forschenden sammeln damit Daten, sie wollen herausfinden, wie wir zu unserem Einschätzungen kommen, welche Menschen leicht oder schwer zu lesen sind oder wie unsere eigene Persönlichkeit beeinflusst, was wir spontan in unsere Mitmenschen sehen (dies nennt man in der Fachsprache den „perceiver effect“, auch ein sehr interessantes Phänomen).

Kurz: Wer spielt, lernt ein bisschen was über seine Menschenkenntnis und tut auch noch was für die Wissenschaft. Ich hätte mir im einen oder anderen Fall noch mehr Feedback innerhalb des Spiels gewünscht. Im Moment habe ich nämlich kaum den Eindruck, von Runde zu Runde irgendwelche Fortschritte gemacht zu haben. Genau das würde den Spaß an der Sache bestimmt erhöhen. Natürlich nur, wenn so eine Lernkurve überhaupt möglich ist.

Also. Meldet Euch an. Und schreibt mir gerne, wie hoch Eure Trefferquote liegt und ob Eure Menschenkenntnis besser ist als meine. Würde mich freuen.

bookmark_borderWer geht zu den Berliner Philharmonikern?

Metzger’s Michigan Monday #9

Das hier ist die Bühne des Hill Auditorium in Ann Arbor. Auf der Bühne stehen die Berliner Philharmoniker und lassen sich beklatschen. Sie haben gerade Mahlers 7. Sinfonie abgerissen. Ich hab die Combo vorher noch nie live gesehen und … naja … es ist schon seltsam, ausgerechnet für ihr Gastspiel in Michigan zum ersten Mal Tickets zu haben. Ich mochte schon vorher ein paar andere Sachen von Mahler, die Rückert-Lieder, das Adagietto aus der 5. Sinfonie. Die 7. kannte ich nicht, hab sie mir aber vor dem Konzert häufiger angehört, um mehr von der Musik zu kapieren. Das hat sehr geholfen; viele der Themen sind nach einiger Gewöhnung sogar ziemlich eingängig und Pop auf ne gewisse Art.

Ins Hill Auditorium passen angeblich 3500 Leute, der Laden war ausverkauft, vor der Abendkasse standen die Studierenden in langen Schlangen im Schnee, um auf kurzfristige Covid-Absagen zu hoffen. Wer geht zu den Berliner Philharmonikern? Nun. Zum einen Menschen, die irgendwann ab dem 3. Satz unwiederbringlich eingeschlafen sind. Wirklich. Es liegt an einem Mix aus mangelnder Vorbereitung und langen Arbeitswochen. Nur so ne Vermutung, ich weiß es nicht genau. Fest steht: Ich habe an diesem Abend viele Kombinationen aus geschlossenen Augen und halbgeöffneten Mündern gesehen. Ein Jammer.

Dann ein Wort zur Demografie: Vor mir leuchteten viele graue Häupter. Sie gehörten zu längst verrenteten Intellektuellen mit verfeinertem Musikgeschmack. Und dann: junge Menschen bis zum Abwinken. Kinder reicher Leute, nicht selten in Fernost aufgewachsen. Sie alle studieren hier an der Uni und haben eine rosige Zukunft vor sich. Darüber hab ich neulich mit einem berühmten Persönlichkeitspsychologen gesprochen. Seine Daten ergeben, dass die intelligenten und fleißigen Kids aus den wohlhabenden Familien ziemlich gute Chancen auf sehr gute Noten haben. Tja, wer hätte das gedacht? Genau diese Kinder sitzen an diesem Abend im Hill Auditorium und summen im Kopf heimlich die Linien der Oboen mit.

Als wir den Konzertsaal verlassen – die Philharmoniker haben astrein abgeliefert – hat Schneefall eingesetzt, der Wagen steht zehn Blocks entfernt und wir werden tüchtig eingeseift.

Tags zuvor noch lange gearbeitet. Am Abend gehen wir in einen Laden in Downtown namens „Live„. Dort spielt eine Band, die ich sehr mag. Sie nennen sich „Jive Colossus„, eine Art Santana-Band mit stilprägendem Bläsersatz. Man muss einfach tanzen dazu. Und genau das machen die Leute auch. Ich bin mit meinen 53 eindeutig in der jüngeren Hälfte des Publikums. Da tanzen Menschen, die sich allem Anschein nach schon so manches Gelenk haben ersetzen lassen. Sie tanzen in Paaren, sie tanzen allein, mancherorts wird geflirtet, als läge die Bachelorprüfung noch weit in der Zukunft. In der Ecke kippt einer der Pensionäre halb vom Sessel; er hatte zur Happy Hour schon manches Getränke und dann vermutlich zu starkes Gras geraucht.

Was noch? Ach so! Die Wahlen sind vorbei. Die Gouverneurin wurde wiedergewählt. Vor den Wahlen hat sie mir täglich Wahlkampfsachen zugemailt, keine Ahnung warum. Jetzt hat sich mich – wieder per Mail – daran erinnert, dass am Donnerstag Thanksgiving ist. Ich soll darüber abstimmen, welchen Truthahn sie begnadigen soll. „The winning name will be announced this Monday.“ Ich kann’s kaum erwarten.

bookmark_borderChemical Youth

Dieser Tage ist eine neue Ausgabe von „Geo Wissen“ erschienen. Es geht dabei um Drogen. Darin findet sich auch ein Interview (acht Seiten), das ich im vergangenen August mit Anita Hardon geführt habe. Anita ist Professorin im niederländischen Wageningen. Auf dem Foto oben sitzen wir in ihrem Garten, trinken Kaffee und reden über ihr Buch. Das Buch heißt „Chemical Youth„.

Anita und ich kennen uns schon länger. In den Monaten vor der Pandemie saß ich häufiger mit meinem Rechner in einem schmucken Büro auf einem Hügel über der Stanford University. Es war das Büro meiner Lebensgefährtin und mir ging’s dort so sensationell gut, dass ich jedesmal die Krise kriege, wenn ich daran zurückdenke. Damals war irgendwie mehr Zukunft in allem.

Jedenfalls arbeitete hinter einer dünnen Holzwand im Büro nebenan niemand anders als Anita höchstselbst. Sie verbrachte dort ihr Sabbatical (wie meine Lebensgefährtin) und schrieb dabei an „Chemical Youth“. In der Mittagspause saßen wir häufig beisammen und haben dabei auch über ihr Projekt gesprochen.

Anita ist Anthropologin. Sie tut so, als käme sie von einem anderen Planeten. Und dann schaut sie genau hin: Was machen die Leute da eigentlich? Und warum? In ihrem Projekt hat Anita untersucht, mithilfe welcher künstlicher Substanzen die jungen Menschen dieser Welt ihren Alltag geregelt kriegen. Sie und ihr Team haben deshalb viele, viele Interviews geführt auf mehreren Kontinenten. Anitas Technik fand ich dabei sehr einleuchtend und zugleich originell. Sie hat ihre „Chemical Youth“-Interviews nämlich stets mit derselben Frage angefangen: „Welche Chemikalien kommen im Alltag eigentlich auf und in deinen Körper, von den Haarspitzen bis zu deinen Zehen?“ Im zweiten Schritt hat sie dann gefragt: „Welche dieser Substanzen sind besonders wichtig für dich? Was tun diese Substanzen für dich? Was hast du davon?“ Sie redet also über Drogen, ohne dabei einen wertenden Ton anzuschlagen. Sie will einfach wissen, was abgeht. Clever!

Hier übrigens die sehr gelb-schwarze Aufmacherseite unseres Gesprächs:

Tja.

Damals in Stanford und auch jetzt in Michigan und überhaupt in meinem ganzen Leben hier drüben in den USA läuft die Sache folgendermaßen: Ich treffe überdurchschnittlich viele Uni-Menschen, die an irgendwas Spannendem forschen. Aus den allermeisten Gesprächen wird niemals eine Geschichte. Man wird davon zwar nicht dümmer, aber Geld verdient man damit halt auch keins.

Dass aus meiner Bekanntschaft mit Anita jetzt ne gedruckte Story geworden ist, verdanke ich einer Reihe von Zufällen; zum Beispiel jenem, dass irgendwann die Leute von Geo angerufen haben und dann ein Wort das andere gab.

Anita hat mich für unser Gespräch zu sich nach Hause eingeladen. Es war toll, ein bekanntes Gesicht aus besseren Zeiten wiederzusehen. Ich hab mich auch darüber gefreut, dass aus ihrem damals nur halb geordneten Projekt tatsächlich ein interessantes und facettenreiches Buch geworden ist, eine Geschichte, die man erzählen kann. Möge sie viele Leserinnen und Leser finden.

Ich hatte meinen Mietwagen rund zwei Kilometer weiter entfernt geparkt, denn ich war viel zu früh vor Ort und wollte die Gegend außerdem als Fußgänger sehen. Man kriegt dabei einfach ein besseres Gespür für alles. Sandige Böden haben die da, auf denen Spargel und Tabak wachsen, genau wie dort, wo ich aufgewachsen bin. Hat sich fast wie ein Heimspiel angefühlt.

Und was ich auch noch nicht wusste: So ein Wanderweg in den Niederlanden nennt sich „Wandelpad“. Muss man einfach mögen, oder?