Ein neues Schupfnudelrezept und ein namenloser Kanzler

Am Wochenende war unser Kumpel William wieder zu Besuch. Ich hab’s andernorts schon erwähnt: William kocht am besten. Wir haben diesmal Schupfnudeln gemacht. Das ist für mich was Besonderes. Denn mit meinem alten Schulfreund Holger hab ich vor vielen, vielen Jahren mal eine Schupfnudel-Wette abgeschlossen. Ich meinte damals: „Meine Mutter macht die besten Schupfnudeln der Welt.“ Er so: „Das kann nicht sein. Die macht nämlich meine Oma.“

Also war er bei uns zum Schupfnudeln-Essen. Und ich war mal bei seiner Oma. Es war alles ganz toll – wir haben uns auf Unentschieden geeinigt.

Als Student hab ich dann selbst Schupfnudeln gemacht, weil das wie Heimat geschmeckt hat.

Jetzt aber hat William mit seiner österreichischen Küche ein paar meiner Ur-Überzeugungen zerstört. Er macht Schupfnudeln ganz anders. Und besser. Da hilft alles Jammern nicht.

Und zwar ist es so: Da, wo ich herkomme, kocht man am Vortag seine Kartoffeln in der Schale. Man lässt sie ausdampfen und dann stehen über Nacht. Die Kartoffeln verlieren Wasser. Am nächsten Tag schält man die Kartoffeln, stampft sie, mischt sie mit Mehl, einem Ei, Salz und Muskat. Aus dem Teig rollt man die Schupfnudeln, man kocht sie wie Knödel im Salzwasser, lässt sie abtrocknen, um sie dann in der Pfanne knusprig zu braten. Eigentlich einfach – aber es dauert.

Jetzt aber William: Er lässt mich die Kartoffeln schälen, sie achteln und dann mit einer genau abgemessenen Menge Wasser im Topf kochen. Er stellt seinen Wecker, nach dem Klingeln lässt er mich eine vorher abgemessene Mehlmenge in den Topf kippen. In den Topf? In den Topf!

William sticht mit Holzkochlöffel ein paar Löcher in die Mehldecke, das Wasser brodelt daraus hervor, atmend wie ein isländischer Geysir oder der Wallende Born in der Vulkaneifel.

Wieder eine Weile später ist das Wasser fast verkocht, William nimmt den Topf vom Feuer und zerdrückt alles mit dem Stampfer zu einem schönen, festen Teig.

Dann das Formen der Schupfnudeln, reichlich Butter in die Pfanne und dann das gute Zeug bei mittlerer Hitze ausbacken.

in meiner Badischen Heimat gibt’s die Schupfnudeln meist mit Apfelbrei und in einem anderen Gang mit Blattsalat. Die Schwaben essen ihre Schupfnudeln mit Sauerkraut.

William jedoch gibt uns Puderzucker, Mohn und selbst gemachtes Pflaumenkompott.

Es schmeckt alles sehr gut und ging in der Zubereitung viel, viel schneller und einfacher als bei Oma und Mutter.

Ich ziehe meinen Hut und werde es beim nächsten Mal ohne fremde Hilfe ausprobieren.

Ansonsten wieder US-Nachrichten geguckt. Scholz war in Washington. NBC sagt tatsächlich: Der neue Chef aus Deutschland war da. Dann ein Satz, den Biden gesagt hat. Dass unser Neuer „Olaf Scholz“ heißt, bleibt unerwähnt. Merkel kannte jeder. Ihr Nachfolger hat in Amerika noch nicht einmal einen Namen. Traurig.

Kommentare

    1. Liebe Angela, die nennen es eigentlich gar nicht. William kommt ja aus Österreich, er sagt also „Schupfnudeln“. Die Einheimischen brummen einfach etwas vor sich hin, wenn sie auf die fremdländische Speise verweisen wollen.

    1. Huhu Anne, also: William kocht 500 g Kartoffeln in einem halben Liter Wasser. Nach zehn Minuten kommen 350 g Mehl obendrauf. Dann kocht man nochmal für 10 Minuten – oder halt so lange, bis die Kartoffeln weich sind. Das ist es schon.

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