Detroit: Corona-Patienten statt Auto-Show

Detroit war mal die Welthauptstadt des Autos. General Motors und Ford haben in der Metropolregion der „Motor City“ bis heute ihre Firmensitze. Die alljährliche Detroit Auto Show ist noch immer eine der fünf größten Automessen der Welt.

Vor wenigen Tagen wurde die Veranstaltung aber abgesagt. Das US-Militär verwandelt das Messegelände inzwischen in ein riesiges Lazarett mit 900 Betten für Covid-19-Patienten. Die Krise ist überall Mist. Aber für Städte wie Detroit tut es einem doppelt leid. Die New York Times sieht das auch so.

900 zusätzliche Betten scheinen mir nicht übertrieben. Wayne County – der Verwaltungsbezirk, zu dem Detroit gehört – hat (auf die Gesamtbevölkerung gerechnet) mehr als doppelt so viele Coronatote, wie der Staat New York sie zu einem vergleichbaren Zeitpunkt zu verzeichnen hatte. Vermutlich sind es noch mehr: Die Meldungen der Todesfälle erreichen die entsprechenden Behörden offenbar erst mit einiger Verzögerung.

Zum Messezentrum von Detroit fährt man von hier mit dem Auto nur 40 Minuten. Das ist im Prinzip gut. Es bedeutet aber: Vom Messezentrum bis nach Ann Arbor sind es halt auch nur 40 Minuten. Hier gibt’s eine große Uni-Klinik, die innerhalb der kommenden zwei bis drei Wochen eh schon ihre Kapazitätsgrenzen erreichen wird. Wohin mit all den Kranken? Ich hab keine Ahnung. Das gefällt mir schon deshalb nicht, weil ich ja selbst zu diesen Kranken gehören könnte.

Ansonsten geht’s mir wie vermutlich den meisten Leuten in dieser Zeit. Einerseits schaut man sich die Zahlen an, rechnet ein bisschen, guckt Nachrichten und denkt: Scheiße!

Andererseits gibt es aber immer noch das ganz normale Leben. Da ist zum Beispiel ein Hund, der ausgeführt werden will.

Da sind die bunten Blumen in den kommunalen Beeten.

Und Nickis Mama hat Geburtstag. Also machen wir einen Spaziergang zu ihrem Haus, setzen uns in amtlich verordnetem Abstand zur Eingangstür unters Vordach und singen zusammen Lieder von Bill Withers. Das war toll. Es hat sich fast so gut angefühlt wie das Leben vor dem Virus. Nur dass wir das damals noch nicht wussten.

Einen hab ich noch. Die New York Times hat sich am Morgen gefragt, warum in Deutschland so wenige Leute am Virus sterben. Eine der Antworten lautet: Weil die Deutschen ihrer Regierung vertrauen. Viele Amerikaner, so viel steht fest, tun genau das nicht.

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