Der beste Bauernmarkt von allen

Ich weiß: Andernorts brennt in den USA gerade die Hütte. Darüber schreib ich ein andermal, gibt ne Menge zu sagen. Heute jedoch gehen wir zum ersten Mal seit Ewigkeiten wieder auf den Farmers Market in Ann Arbor. Anfang Mai hat man den Markt ein bisschen geöffnet – man konnte Sachen vorbestellen und dann am Gehsteig abholen. Jetzt aber zum ersten Mal wieder „in Echt“. Ich muss sagen: Wenn man das lange nicht gemacht hat, ist das hier auf einmal der beste Bauernmarkt von allen. Einfach, dass da Leute sind und man Dinge angucken kann und dass der Wind durchs Gemüse weht.

Alle Gänge sind jetzt als Einbahnstraßen gestaltet. Interessant, dass nur die Verkäufer Masken tragen müssen. Für Kunden sind sie nur „empfohlen“. Überall stehen Schilder, die einen an die Regeln erinnern.

Zum Beispiel die Regel, dass man zum Rumstehen und Quatschen bitte den Markt verlassen soll. Insgesamt war deutlich weniger los, als das an einem Vor-Corona-Samstag der Fall gewesen wäre.

Hier sieht man, dass der Platz für einige der Anbieter deutlich reduziert wurde. „Wir können uns halt nicht mehr so ausbreiten wie sonst“, sagt eine stämmige Bauersfrau, die uns getopften Koriander und krause Petersilie verkauft. Ich frag sie, wie’s für sie ist, dass der Markt endlich wieder läuft. Sie so: Tja, halt weniger Platz und die doofen Masken. Sie mag die Beschränkungen nicht. „Wird aber auch irgendwann vorbeigehen.“ Sie scheint keine Angst vor dem Virus zu haben und wenig Freude darüber zu empfinden, dass es wieder losgeht. Interessant. Wenn man Geld verdienen muss, hat man einen anderen Blick auf die Dinge. Für uns ist es ein emotionales Erlebnis, für sie ist es Business. Was man auf Bauernmärkten kauft, ist viel mehr als nur Grünzeug. Man kauft das Gefühl, dass die Welt noch immer in Ordnung ist. Oder wieder. Auch wenn man im Grunde weiß, dass das höchstens zur Hälfte stimmt.

An den Blumen gehe ich ansonsten immer achtlos vorbei. Heute aber mache ich ein Bild und freu mich, wie die Dinger schön bunt sind und blühen.

Am Tag davor war ich zum ersten Mal wieder in einem Laden, der kein Supermarkt war. Das eher geräumige Sportgeschäft war so gut wie leer. Eigentlich habe ich gedacht, die Leute rennen denen die Bude ein. Weil man endlich wieder darf. Aber nein. Auf dem Parkplatz: so gut wie nix los.

Ganz anders ein paar 100 Meter weiter bei „Kroger“, dem hiesigen Supermarkt. Parkplatz und Laden: ziemlich voll. Auch hier sind die Gänge als Einbahnstraßen angelegt. Manche halten sich sogar daran.

Das mit der Kennzeichnung der Einbahnstraßen haben sie beim Farmers viel besser gemacht. So richtig für Doofe (also für mich). Hat auch viel besser funktioniert. Der alte Trick: Information ist es nur, wenn’s einer mitkriegt.

Seit diesem Wochenende bekommen wir auch eine Gemüsekiste von einem örtlichen Bauernhof. Man holt sie ab auf einer Wiese neben dem Bauernmarkt. Ich weiß aus Erfahrung, dass die Begeisterung darüber sich irgendwann legen wird, aber heute ist das wirklich was Besonderes. Frisches Zeug, an dem noch Erde hängt. Pilze mit Würmern drin. Ich werde ganz nostalgisch und mache Spätzle dazu.

Ansonsten ist Theo, der Kater, am Abend aus dem Haus ausgebüxt. Was hat er so getrieben die ganze Nacht? Die Trail Camera im Garten has es uns verraten: Er hat den Waschbär interviewt. „Wie ist es so, dieses freie Leben im Wald? Wo kann man hingehen und Spaß haben? Und was sind das für Streifen an Deinem Schwanz? Guck mal hier: Ich hab auch welche!“ Der Waschbär hatte aber gar keine Lust drauf.

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