Chicken of the Woods schmeckt nicht wirklich nach Hühnchen

Meine Eltern waren schon immer Pilzsammler, was auch mich zu so ner Art Pilzsammler macht. Am Sonntag war ich mit Nicki an einem kleinen See in der Nähe von Ann Arbor. Dort lag ein Paddelboot, das wir benutzen konnten. Also haben wir das Paddelboot benutzt und sind danach noch ne Runde durch den See geschwommen. Es war warm und richtig Sommer, auch wenn der Himmel voller Wolken hing.

Auf dem Weg zurück zu unseren Klamotten ist uns ein junger Mann begegnet. Er hatte einen Stoffbeutel dabei, in dem Sachen drin lagen. Ich dachte zunächst: Brotreste für die Karpfen und Enten. Aber nein. Es waren Pilze. Er meinte: „Das ist Chicken of the Woods. Ich kann Euch verraten, wo’s noch mehr davon gibt.“ Wir so: Verrat’s uns, Fremder. Also hat er uns die Stelle beschrieben. Wir sind hingegangen und haben uns so viel genommen, wie wir für ein Abendessen gebraucht haben (siehe das Bild oben). Ich bleib‘ dabei: Mit Fremden reden ist überhaupt das Allerbeste.

Chicken of the Woods ist DER Pilz hier in Michigan. Wir waren vor Jahren mal bei einer Waldführung, einer so genannten „Mushroom Hunt“ (jawohl, der Amerikaner sammelt keine Pilze, der jagt sie!) – und da haben sie praktisch nur von diesem Pilz gesprochen. Weil: Soooo ergiebig. Und soooo lecker. In Deutschland heißt derselbe Pilz „Gemeiner Schwefelporling“, und vielleicht ist genau das der Grund, warum ich diesen Pilz in der alten Heimat weder so richtig kenne noch jemals gesammelt habe. Wikipedia behauptet: Er ist häufig in Deutschland. Tja.

Zu Hause haben wir ihn jedenfalls geputzt und paniert.

Alsdann in die Pfanne gehauen.

Und danach mit Pasta und irgendwas gegessen, das halt noch da war. Wir haben so getan, als wär’s Hühnchen. Die amerikanischen Rezepte sagen alles: Genau so schmeckt’s. Aber ganz ehrlich: Es schmeckt gar nicht wirklich so. Es schmeckt anders. Man könnte dieses Dinge keinem Menschen für Huhn servieren und damit durchkommen. Mogelpackung!

Ich will nicht sagen, dass es schlechter schmeckt. Aber halt anders. Die knallige Farbe kommt nach dem Braten fast noch stärker durch als davor.

Sprache, Sprache, Sprache. Gemeiner Schwefelporling klingt nach „Finger weg“. Chicken of the Woods dagegen – das ist ein Namen mit Schmackes. Nicki sagt: Marketing ist alles! Wo sie Recht hat, hat sie Recht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.