bookmark_border„Reden alle nur immer von sich selbst?“ – und andere Sachen am Kiosk

So. Es wird mal wieder Zeit für Eigenwerbung.
In der Novemberausgabe von Psychologie Heute steht eine rund sechs Seiten lange Geschichte von mir, der die Reaktion den schönen Titel „Ich! Ich! Ich!“ gegeben hat. Sie befindet sich jenseits der eine Paywall. Man muss sie digital kaufen – oder sich das Heft am Kiosk holen. Beides kann ich empfehlen, man wird nicht dümmer davon.

Anstoß zur Geschichte war übrigens eine Bemerkung der Chefredakteurin: „Nach meiner Erfahrung ist ja das Problem, dass alle gerne von sich reden wollen – und keiner will zuhören.“ Bei solchen Sätzen krieg ich sofort große Ohren. Hat sie recht? Und wenn ja: Was fängt man damit an? Genau davon handelt die Geschichte.

Die kurze Fassung lautet: Ja, da ist was dran. Es gab in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Studien dazu. Wir reden tatsächlich sehr viel über uns selbst. Mach ich hier ja auch.

Mein Lieblingssatz

„Gute Gespräche funktionieren wie Pingpong. Und das im doppelten Sinn. Bekanntermaßen handelt es sich beim Tischtennis um die schnellste Rückschlagsportart der Welt. Und auch in Gesprächen kommt es auf die Reaktionsschnelligkeit an … Ausgeglichene Redezeit, häufige Wechsel, kurze Pausen – all diese Merkmale guter Gespräche sind in einer Ego-Unterhaltung schlechterdings nicht zu haben.“

JM: „ich! Ich! Ich!“, Psychologie heute 11/20, S. 46

Bei der Recherche bin einigen alten Bekannten begegnet. Zum Beispiel Jim Burnstein, der an der University of Michigan lehrt, wie man Drehbücher schreibt. Mit ihm habe ich über Dialoge in US-Serien und US-Filmen gesprochen. Wir kannten einander von zwei, drei Zufallsbegegnungen in und um Ann Arbor. Jim hält den Film „Die Reifeprüfung“ für einen Meilenstein westlichen Drehbuchschreibens. Der Film ist bis obenhin voll mit Gesprächen, in denen es zu keiner Verbindung zwischen den Personen kommt. Leeres Gerede. Sounds of Silence. Jim sagt: Ausgerechnet im ersten Moment des Films, der eine wirkliche Begegnung zeigt, werden wir als Zuschauer ausgeschlossen. Ben und Elaine sitzen dabei im Autokino – und kurbeln im entscheidenden Moment das Seitenfenster hoch. Wir bleiben draußen. Die Szene ist mir vorher nie aufgefallen. Ansonsten hat mich auch der Film „The Meyerowitz Stories“ fertig gemacht, wo vor allem Dustin Hoffman und Ben Stiller grausam grandiose Dialoge sprechen, die ausschließlich aus gleichzeitig stattfindenden, ohrenlosen Selbstgesprächen bestehen. Das Gegenstück dazu ist natürlich die Mumblecore-Serie „Easy“, die in ihren besten Momenten genau das Gegenteil zeigt: dass Begegnung – wahre Begegnung – im Gespräch tatsächlich möglich ist.

Dem großartigen Mor Naaman verdanke ich ein Paper über die Kommunikation auf Twitter. Mor sagt: Viele Nutzer reden dort fast nur von sich. Andere reden über andere Sachen. Mor nennt die einen „Meformer“ und die anderen „Informer“. Grob gesagt, lautet seine Analyse: Die Meformer sind häufiger. Die Informer haben aber mehr Follower. Kann man sich auch mal merken.

Am Kiosk liegt noch mehr

Zum Beispiel die neue Ausgabe von „P.M. History“.

Dafür habe ich ein längeres Porträt über Ferdinand Porsche beigesteuert. Interessanter Mann. Krass, was er alles erfunden hat. Sein erstes Elektroauto fuhr schon im Jahr 1900. Bald darauf hat er ein Hybridauto konstruiert. Er hat an Flugzeugen mitgeschraubt, an Luftschiffen, sogar Pläne für eine Art Elektro-Hubschrauber lagen in seiner Schublade – und zwar schon vor dem Ersten Weltkrieg. Im zweiten Krieg spielte er eine eher düstere Rolle. Sein Sohn hat später behauptet: „Höchstens ein halbes Dutzend Männer in ganz Deutschland konnten es wagen, sich Hitler gegenüber frei und offen zu äußern, und mein Vater war einer von ihnen.“ Manche haben Porsche als eine der „großen Verbrechergestalten“ der Nazizeit bezeichnet. Andere sehen in ihm nur den „besessenen Tüftler“, der sich für Politik nie interessiert habe. Fraglich, ob das ein Widerspruch sein muss. Fest steht: Wolfsburg, der Käfer – ohne Porsche hätte es beides nicht gegeben. Porsche hat Deutschland zum Autoland gemacht.

Nicht verschweigen will ich auch die aktuelle Ausgabe von „P.M. Fragen & Antworten“.

Darin beantworte ich ein halbes Dutzend Fragen aus der Psychologie. Zum Beispiel jene, ob ältere Geschwister wirklich mehr Verantwortung übernehmen als ihre jüngeren Schwestern und Brüder. Ich will die Antwort hier nicht spoilern. Aber … naja …, was wir darüber üblicherweise zu glauben wissen, stimmt vermutlich nicht.

bookmark_borderWunder der Natur: Der Fisch & die Ölflitze

Gerade hat Wolfgang mich dafür gerügt, dass auf meinem Blog nix mehr los ist. Recht hat er. Hier also mein jüngster Erkenntnisgewinn, den ich gerne mit Euch teilen will. Ich verdanke ihn einem Fisch wie dem hier im Bild. Wer kennt ihn? Ich kannte ihn nicht. Und ich wusste auch nicht, was einem widerfahren kann, wenn man ein Stück davon verzehrt.

1. Akt: Der Einkauf

Hab viel gearbeitet und will mich belohnen. Unten an der Elbe gibt es einen Laden, der besondere Lebensmittel vertreibt. Sachen, die man anderswo nicht bekommt. Die Ware ist entsprechend teuer. Dort steh‘ ich vor der Theke, die Räucherfisch präsentiert. Da! In der Ecke liegen appetitliche Stücke. Davor eine Tafel: „Buttermakrele“. Hab‘ ich noch nie gehört. Interessant. Ich erwerbe eines der Stücke und trag’s zufrieden nach Hause.

2. Akt: Die Wissenschaft

Ungestillte Neugier ist wie Hunger. Nur schlimmer. Also im Internet nachsehen: Was hat es mit diesem unbekannten Fisch auf sich? Es gibt tatsächlich wissenschaftliche Studien über Lepidocybium flavobrunneum. Die interessanteren von ihnen handeln nicht von Körper oder Lebensweise der Buttermakrele (sie besitzt z.B. keine Schwimmblase), sondern von ihren Auswirkungen auf den menschlichen Körper. Die Autoren Ka Ho Ling, Peter D. Nichols und Paul Pui-Hay But berichten von einem Phänomen namens „Keriorrhea“. Soll gar nicht so selten auftreten. Kenn ich auch nicht. Man weiß überhaupt das Allermeiste gar nicht. Ich lese also weiter.

3. Akt: Die Ölflitze

Die Forscher verstehen unter Keriorrhea „the pathological symptom of involuntary passage or leakage of oil, or actually wax esters, through the rectum“. Aha. Man könnte die Sache also mit „Ölflitze“ übersetzen. Es handelt sich bei besagtem Auswurf, wie ich lese, um ein „orangefarbenes bis grünlich-braunes“ Öl. Das Internet sei voll mit persönlichen Erfahrungsberichten „peinlicher Öldurchfälle nach dem Verzehr von Fisch“. Einige Länder haben die Einfuhr von Buttermakrelen deshalb längst verboten. Japan, Italien, Australien und noch ein paar mehr.

4. Akt: Der Selbstversuch

So. Hunger. Außerdem: Zeit für einen Selbstversuch. Hat die Wissenschaft recht? Oder will man mir einfach einen schmackhaften Happen madig machen? Ich hab im hippen Brotladen ein leckeres Brot gekauft. Dinkel-Kartoffel-Kruste oder so ähnlich. Das Brot trocknet nicht so schnell aus wie die übliche Roggenmische. Ich schneide mir andächtig eine Scheibe herunter, bestreiche sie mit Butter und packte etwas von dem Räucherfisch obendrauf. Mhhhh. Lecker. Es schmeckt alles so gut, dass ich mir noch eine zweite Portion gönne. Herrlich. Wie kann etwas so Köstliches schädlich sein? Die Forscher haben keine Ahnung!

5. Akt: Der Tag danach

Haben sie doch.

6. Akt: Der Tag nach dem Tag danach

Ui. Die Forscher haben immer noch recht. Und nicht zu knapp!

7. Akt: Was wir daraus lernen

Zweierlei. Erstens: Mehr Respekt vor der Wissenschaft. Zweitens: Mehr Respekt vor Buttermakrelen. Man darf sie eigentlich nur besonderen Gästen darbieten – und auch nur dann, wenn diese für den Folgetag eine längere Autofahrt auf dem Zettel haben. Man serviert nicht nur einen wohlschmeckenden Fisch, sondern schenkt ihnen damit auch ein paar unvergessliche Stunden.

bookmark_borderWarum Joe Biden die Wahl gewinnt – Besuch bei Gerd Gigerenzer

Vergangene Woche war ich in Berlin am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, um Gerd Gigerenzer zu treffen. Er war dort 20 Jahre lang Direktor und ist einer der bekanntesten Psychologen Deutschlands, ach was: der Welt.

Wir haben viel gelacht, auch ein paar Streitpunkte entdeckt und ansonsten über alles Mögliche geredet: Sex, Drugs, Rock’n’Roll, Innovation, psychologische Theorien, ein wenig Klatsch – und natürlich auch über die anstehende Präsidentschaftswahl in den USA.

Gerd Gigerenzer – das muss man vorausschicken – ist ein Freund von Heuristiken. Er sagt: In der Welt gibt es Risiko und Ungewissheit. Risiko meint: Man weiß nicht, wie’s ausgeht, aber man kennt die statistischen Wahrscheinlichkeiten. Beim Würfeln ist das so. Beim Roulette. Sogar beim Schach.

Und dann gibt es noch die Ungewissheit. Die herrscht überall dort, wo man auch nicht weiß, wie’s ausgeht, aber auch die Wahrscheinlichkeiten nicht kennt. Etwa, weil zu viele Faktoren eine Rolle spielen, oder weil das Kräfteverhältnis dieser Faktoren sich permanent ändert, weil die Welt von morgen vielleicht nach anderen Regeln läuft als die Welt von gestern und dergleichen mehr. Das ist zum Beispiel in der Finanzwelt der Fall.

Gigerenzer glaubt: Wenn man die Situation einigermaßen kennt („Risiko“), fährt man am besten mit Big Data, mit Machine Learning und komplizierten Modellen. Wenn die Situation aber chaotisch ist („Ungewissheit“), braucht man einfache und robuste Modelle, so genannte Heuristiken, also Faustformeln, die man leicht verstehen und nachvollziehen kann.

Wir alle erinnern uns an die Wahlprognosen aus dem Jahr 2016. Damals haben alle Modelle einen Sieg für Hillary Clinton vorhergesagt. Gerd Gigerenzer hat mich jetzt auf einen Typen hingewiesen, der damals korrekt auf Trump getippt hat. Und der auch bei allen anderen Präsidentschaftswahlen seit den 1980er Jahren richtig lag. Der Typ heißt Allan Lichtman und ist Historiker. Die Details seiner Prognose für 2020 findet man hier in einem Video der New York Times.

„Lichtman arbeitet nicht mit Big Data, sondern mit einer einfachen Heuristik“, sagt Gigerenzer. Genauer: Lichtman hat 13 „Schlüssel zum Weißen Haus“ identifiziert. Jeder Schlüssel ist eine einfache Aussage, die man mit „wahr“ oder „falsch“ beantworten kann. Wenn sechs oder mehr dieser Aussagen „falsch“ sind, verliert der Kandidat der Regierungspartei.

Ulkig: Den Anfang für Lichtmans Arbeit machte eine ungewöhnliche Begegnung. Lichtman wurde von einem russischen Forscher angesprochen, der bis dahin Erdbeben-Vorhersagen gemacht hatte. Und genau so funktioniert auch Lichtmans Heuristik. Stabilität ist gut für die Regierung. Zu viel Unruhe gleicht jedoch einem Erdbeben – sie reißt ein, was ist und fordert etwas Neues. Naja. Zumindest in der Tendenz.

Jedenfalls prophezeien Lichtmans „Schlüssel zum Weißen Haus“ derzeit: Trump wird verlieren, Biden gewinnen. Und wenn man genauer hinschaut, merkt man: Schuld daran sind weder Trumps Lügen noch Bidens Mitgefühl. Sondern in erster Linie Corona. Ohne die Pandemie hätte Lichtmans Heuristik einen Sieg des Amtsinhabers vorhergesagt. Tja. So kann’s gehen. Zufall regiert die Welt.

„Laut Lichtman gewinnt Biden“, sagt Gerd Gigerenzer. „Falls Trump nicht noch einen Krieg anzettelt. Denn dann sind die Amerikaner geschlossen hinter ihm.“

Man lernt immer was, wenn man interessanten Leuten begegnet.

bookmark_borderAls Darwin über das Heiraten nachdachte … und Freud das Schlafzimmer vergaß

Habe heute aus beruflichem Anlass das Buch „Risiko“ von Gerd Gigerenzer gelesen. Gigerenzer war über mehrere Jahre Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung. Er gehört zu den „großen Namen“ der deutschen Psychologie.

In seinem Buch (und auch sonst in seinen wissenschaftlichen Veröffentlichungen) schreibt er eine Menge darüber, wie wir unsere Entscheidungen treffen. Außerdem erzählt er gerne Geschichte. Etwa die Schnurre, wie Charles Darwin darüber nachgedacht hat, ob er jetzt heiraten soll oder lieber nicht. Und die kann ich euch einfach nicht vorenthalten.

Also. Auf Seite 190 in Gigerenzers Buch finde ich folgende Liste, mit der sich Darwin dazu überredet, seinen Nachen in den Hafen der Ehe zu paddeln.

„Kinder – (wenn es Gott gefällt) – ständige Gefährtin (& Freundin im Alter), die sich für einen interessiert, Objekt zum Liebhaben und Spielen – jedenfalls besser als ein Hund (sic!) – ein Heim und jemand, der sich darum kümmert – Reiz von Musik und weiblichem Geplauder. Dies gut für die Gesundheit. Zwang, Verwandte zu besuchen und zu empfangen, aber furchtbarer Zeitverlust.
Mein Gott, ein unerträglicher Gedanke, das ganze Leben immer nur zu arbeiten, wie eine geschlechtslose Arbeitsbiene, nur Arbeit und nichts sonst. – Nein, nein, geht nicht. – Stell dir vor, den ganzen Tag allein in verrauchtem, schmutzigen Londoner Haus! – Mal dir nur aus: eine nette, zärtliche Frau auf dem Sofa, ein gutes Feuer im Kamin, Bücher und Musik vielleicht – vergleich das mit der schmuddeligen Realität in der Grt. Marlboro’s St.“

Weiter schreibt Gigerenzer:

„Darwin kam zu dem Ergebnis, dass er heiraten sollte, und schrieb unter die linke Spalte (jene, die ich zitiert habe, J.M.): > Heiraten – Heiraten – Heiraten – Q.E.D.< (…) Im Jahr darauf heiratete Darwin seine Cousine Emma Wedgwood und hatte schließlich zehn Kinder mit ihr.“

Da fällt mir, wo wir schon mal beim Thema sind, zwanglos die Anekdote aus dem Briefwechsel zwischen Sigmund Freud und Martha Bernays ein. Die beiden waren verlobt und Freud plante die Hochzeit. In einem Brief beschreibt er seiner Angebeteten – sie wohnt in Hamburg – den Schnitt der Wiener Wohnung, in welche die beiden ziehen sollen. Martha schreibt zurück:

„Die Wohnungsbeschreibung von Dir heute, mein Schatz, macht mir gar keine Lust, ein Mann, der vier Jahre verlobt ist und bei der Aufzählung der Räume das Schlafzimmer vergißt (…)?! Du zählst auf: Ordinationszimmer, Wartezimmer und Wohnzimmer, Badezimmer, Küche, Dienstbotenzimmer und Vorraum. Da ich nun niemals gewöhnt war, in der Badewanne zu schlafen, so bleibt mir nur übrig, mir in Deiner Nähe ein freundliches Cabinet zu nehmen, aber einsam wird es doch immerhin für mich sein, und für Dich?“

Wie Freuds Mutter auf das Schreiben reagiert hat, ist nicht überliefert.

bookmark_border„Was in dem Schlaf für Träume kommen mögen“

Die Überschrift ist – die KennerInnen haben’s längst erkannt – ein etwas dramatisches Hamlet-Zitat. Bei Shakespeare geht’s ja eigentlich gar nicht um den Schlaf, sondern um den Tod und welche Filme einem nach dem Ableben gezeigt werden. In diesem Blog-Eintrag geht’s dagegen ganz banal: um den Schlaf während der Pandemie.

Wie ist das bei Euch? Schlaft Ihr besser also sonst? Schlechter? Genau so gut oder schlecht?

Bei mir ist das Ergebnis gemischt. Es hängt zum Beispiel davon ab, ob ich das Handy griffbereit neben mir liegen habe oder nicht. Seit einigen Tagen lege ich das Ding auf einen Tisch, der in der Mitte des Zimmers steht. Ich muss aufstehen, um es zu greifen. Seither schlafe ich besser.

Heute habe ich eine Studie aus Italien gelesen, die sich ein bisschen systematischer mit der Sache befasst. Viele der 121 Teilnehmerinnen und Teilnehmer schlafen seit Ausbruch der Pandemie, seit Lockdown und Homeoffice tatsächlich schlechter als zuvor. Besonders die Männer. Woran das liegt, weiß man natürlich nicht. Man hat es nämlich nicht untersucht. Trotzdem haben die Studienautoren natürlich einen Verdacht und äußern ihn auch: Man bewegt sich weniger (weil man mehr zu Hause sitzt) und sitzt auch länger vor dem Rechner als sonst. Vor allem am Abend. Das blaue Licht aus dem Bildschirm stört den Schlafrhythmus. Zack, fertig!

Wie gesagt: Die Gründe für den schlechten Schlaf waren nicht Gegenstand der wissenschaftlichen Arbeit. Dazu hat man nur ein paar „educated guesses“ rausgehauen. Das findet man sehr oft. Wenn Studien in den Medien (auch den sozialen Medien) ein Echo finden, liest und hört man aber oftmals genau von diesem Teil. Also genau von dem, was eigentlich gar nicht Wissenschaft ist, sondern nur eine Vermutung. Das finde ich problematisch. Zugegeben: Ich habe jetzt auch keine erstklassige Idee, wie man das ändern kann. Und, klar, die Sache bringt mich auch nur selten um den Schlaf. Ein Problem ist es trotzdem.

Eine neue Studie aus Frankreich gibt zehn Tipps, wie man trotz Corona-Stress und Homeoffice ruhig schlafen kann.

  • Regelmäßige Schlafzeiten einhalten.
  • Tagsüber bestimmte Zeiten in den Kalender eintragen (und einhalten), in denen man gezielt über seine Sorgen nachdenkt/darüber Tagebuch führt. Das ist sozusagen die exklusive Sprechstunde, die man seinen Sorgen einräumt, damit sie Ruhe geben und einem tagsüber und nachts nicht dauernd in alles reinquatschen. Clever!
  • Das Bett möglichst nur zum Sex und zum Schlaf nutzen und nicht für andere Aktivitäten.
  • Es gibt ja Frühaufsteher, Nachtmenschen und ganz viele Leute, die irgendwo dazwischen liegen. Jetzt ist die beste Zeit, seinem eigenen Rhythmus zu folgen.
  • Man soll Social Media nutzen, um Sorgen oder Humorvolles mit anderen zu teilen und soziale Unterstützung zu kriegen. Aber die Endgeräte haben nachts im Bett nix verloren (sag ich doch!).
  • Man soll viele Dinge tun, die man gerne macht.
  • Man soll sein Schlafzimmer möglichst gemütlich gestalten.
  • Man soll es tagsüber hell haben und nachts möglichst dunkel.
  • Man soll möglichst entspannende Dinge tun, bevor man schlafen geht (z.B. Yoga, ein Buch lesen).
  • Wenn man sich weniger bewegt als sonst, sollte man auch weniger essen. Und zwei Stunden vor der Bettruhe: am besten gar nichts mehr.

Die Sache mit dem Essen scheint in der Tat ein Thema zu sein. So hat sich die oben erwähnte Studie aus Italien noch angesehen, wie sich das Körpergewicht der Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch Homeoffice verändert hat. Das Ergebnis lautet grob gesagt: Die Dicken haben nicht zugenommen. Die Schlanken aber schon. Und zwar im Durchschnitt um rund 2,5 Kilogramm.

Für mich heißt das: Ich liege mit meinem neu erworbenen Bäuchlein noch um 400 Gramm unter dem Durchschnitt. Und das finde ich schon wieder erleichternd!

bookmark_borderKann man aus Scheiße ein Messer basteln?

Hab grad ne Studie gelesen. Ist schon ein paar Monate alt und ja, andere haben auch schon drüber berichtet. Egal. Die meisten haben’s eh nicht mitgekriegt (ich auch nicht).
Also. Die Sache beginnt mit Literatur. Die folgende Passage stammt aus dem Buch „Shadows in the Sun“ des Anthropologen Edmund Wade Davis. Ich habe mir die Freiheit genommen, die Passage aus dem Englischen zu übersetzen:

“Es gibt den bekannten Bericht eines alten Inuk, der sich weigerte, in die Siedlung zu ziehen. Gegen die Bedenken seiner Familie beschloss er, auf dem Eis zu bleiben. Um ihn aufzuhalten, nahmen sie ihm all seine Werkzeuge weg. Also verließ er inmitten eines Wintersturms ihr Iglu, defäkierte und formte aus seinem Kot eine gefrorene Klinge, die er mit etwas Spucke schärfte. Mit diesem Messer tötete er einen Hund. Aus den Rippen fertigte er einen Schlitten und aus der Haut das Geschirr für einen weiteren Hund. So verschwand er in der Dunkelheit.“

Nur für den Fall, dass der Text dies ungeklärt lassen sollte: Da hat jemand seine eigene Scheiße zwar nicht zu Gold, aber doch immerhin in ein funktionstüchtiges Messer verwandelt. Kann man das glauben?

Dies fragt sich nicht allein der Laie, dem es wie mir an Erfahrung mit dem Leben im Eis gebricht. Auch ein paar amerikanische Anthropologen aus Ohio spürten Zweifel. Sie machten sich auf die Suche. Woher hatte Davis seine Story? Nun, er hatte sie von einem Inuk, der behauptete, es habe sich bei besagtem Greis um seinen eigenen Großvater gehandelt. Doch selbst Davis war sich nicht ganz sicher, ob der Erzähler ihn mit der Story nicht „auf den Arm genommen“ habe.

Völlig einzigartig ist die Geschichte mit dem Kackedolch sicherlich nicht. Der dänische Polarforscher Lorentz Peter Elfred Freuchen hat in den 1950er Jahren eine ähnliche Anekdote niedergeschrieben. Er behauptet darin, sich einmal mithilfe eines selbstgefertigten Meißels aus einer Schneehöhle befreit zu haben. Den Meißel hat er … naja, man ahnt schon, woraus er ihn gemacht hat:

“Ich hatte Stuhlgang und es gelang mir, aus den Exkrementen ein meißelartiges Werkzeug zu formen, das ich durchfrieren ließ. Schließlich beschloss ich, meinen Meißel auszuprobieren und die Sache funktionierte.“

Die Forscher aus Ohio waren aber immer noch skeptisch. Ein Meißel ist kein Messer, schreiben sie. Dagegen lässt sich wenig sagen. Den wissensdurstigen Forschern blieb keine Wahl: „Wir machten ein Experiment, um herauszukfinden, ob ein solches Messer funktioniert oder nicht.“ Und so ging die Sache los:

„Um das nötige Rohmaterial für die Messerherstellung zu gewinnen, stellte einer von uns seine Ernährung um und nahm acht Tage lang eine proteinreiche Kost zu sich, die reich an Fettsäuren war, wie es den Gepflogenheiten in der Arktis entspricht. (…). Die Sammlung des Rohmaterials begann am vierten Tag und geschah ab dann regelmäßig für die fünf folgenden Tage.“

Danach formten die emsigen Anthropologen mehrere Messer aus dem Dung. Einige pressten sie in keramische Messerformen, andere modellierten sie von Hand. Die einzelnen Exemplare landeten alsdann in der Kühltruhe (-20 Grad). Kurz vor dem Versuch holte man die Messer aus der Truhe, schärfte sie mit Eisenfeilen und legte sie danach in Trockeneis, um sie nochmals durchzukühlen.

Jetzt begann der eigentliche Versuch. Die Wissenschaftler hatten sich beim Schlachter Schweinehaut besorgt und die Lappen tüchtig gekühlt. Würden die Messer schneiden?

„Weder die Proben aus der Messer-Form noch die handgefertigten Messer waren in der Lage, die Haut zu durchschneiden. Statt die Haut zu zerteilen, schmolzen die Klingen beim ersten Kontakt und hinterließen Spuren von Fäkalien, obwohl die Haut gut gekühlt war.“

Um ganz sicher zu gehen, bastelten sich die Forscher noch weitere Messer – diesmal aus der Produktion eines anderen Team-Mitglieds. Der Mann hatte sich jedoch an „eine eher westliche Ernährungsweise“ gehalten. Das Ergebnis war aber ebenso desaströs.

„Aus purer Neugier versuchten wir uns noch am fettigen Unterhautgewebe. Selbst mit Mühe gelangen uns lediglich ein paar sehr schwache Schnitte. Wieder schmolzen die Klingen schnell und lösten sich auf.“

Nicht ohne Enttäuschung notieren die Forscher: „Wir haben unseren Messern wirklich alle Chancen auf Erfolg gegeben. Aber sie haben nicht funktioniert.“

Dies notiere auch ich heut‘ in mein Tagebuch: Messer aus Scheiße schneiden nicht! Angesichts des Klimawandels ist das aber wohl eh: nutzloses Wissen.

bookmark_borderFünf Fundstücke aus der Psychologie – und Freud zum Dessert

Als Journalist schreibe ich ja überwiegend über psychologische Forschung. Dafür lese ich jeden Tag irgendwelche wissenschaftlichen Aufsätze und manche davon finde ich auch einigermaßen erhellend. Doch nicht aus jeder spannenden Studie wird auch eine Geschichte. Schade um die schöne Arbeit! Ein Glück: Hier kann ich darüber schreiben und vielleicht liest es ja jemand, der was damit anfangen kann.
Heute also: fünf psychologische Studien – und dazu als Dessert ein Zitat von Sigmund Freud. Letzteres einfach so aus Nostalgie. Los geht’s!

1. Auch Gruppen hinterlassen einen „ersten Eindruck“

Mein alter Kumpel Dirk hat mich immer wieder darauf hingewiesen, dass es „für den ersten Eindruck keine zweite Chance gibt“. Ist eine Spruchweisheit, stimmt aber trotzdem. Jetzt haben sich drei Forscherinnen angeguckt, ob das auch für Gruppen gilt. Und tatsächlich: Es gilt auch für Gruppen. Die Sache scheint folgendermaßen zu funktionieren: Wenn wir bisher noch nie jemanden aus Syrien getroffen haben, dann prägt die erste Begegnung mit jemandem aus Syrien, was wir über die Syrer im Allgemeinen denken. Er (oder sie) ist eine Sportskanone? Schon halten wir die Syrer generell für sportlich! Hat er (oder sie) tüchtig gearbeitet? Wir halten die Syrer ganz allgemein für tüchtige Arbeiter usw. Die Forscherinnen nennen das die „first-member heuristic„. Wir sparen uns Denkarbeit, indem wir uns nur den ersten Vertreter einer Gruppe genauer ansehen – und dann insgeheim davon ausgehen, dass „diese Leute“ im Grunde alle gleich sind. Tja.

2. Wer laut redet, wirkt überzeugender (leider)

Manchmal überzeugt uns nicht der Inhalt, sondern die Art und Weise, wie jemand redet. Wer lauter spricht, macht den Eindruck, seiner Sache sehr sicher zu sein. Wir kaufen ihm die Sache deshalb ab, selbst bei schwacher Beweisführung. Wusste man irgendwie schon. Schön, dass die Psychologen die Sache nochmal überprüft haben.

3. Künstliche Intelligenz hat (zum Glück) noch Probleme, am Klang unserer Stimme unsere Laune abzulesen

Ein Forscherteam hat 20.000 Leute gebeten, mehrmals täglich per Audio-Signal aufzuzeichnen, wie sie sich gerade fühlen. Dann hat man den Klang der Stimme und auch die jeweiligen Hintergrundgeräusche analysiert. Kann Künstliche Intelligenz allein am Sound hören, wie gut die Leute jeweils drauf sind? Die Antwortet lautet: nö. „Es ist derzeit noch nicht möglich, das Auf und Ab unserer Emotionen durch Klanganalysen zu ermitteln.“ Beruhigend!

4. Trigger-Warnungen sind womöglich fürn Eimer

Gerade in den USA kommen Serien, Filme und sogar Bücher immer häufiger mit Warnhinweisen daher: Die Inhalte könnten einen an schlechte Erfahrungen aus der Vergangenheit erinnern und so seelische Pein verursachen. Eine relativ neue Studie zeigt jetzt, dass solche „Trigger Warnings“ womöglich fürn Eimer sind. Die Warnung hat Trauma-Patienten im Experiment jedenfalls nicht geholfen und die Inhalte nicht leichter verdaulich gemacht. „We found that trigger warnings are not helpful for trauma survivors“, lautet das Fazit der Forscher (es waren lauter Männer) von der Harvard University. Ich glaube nicht, dass diese Studie das letzte Wort in dieser Sache sein wird. Interessant fand ich’s trotzdem.

5. Berge erscheinen einem steiler, wenn man gerne mit Leuten redet

Ein Kollege von der Columbia University hat in seinem Seminar eine Zufallsentdeckung gemacht (diese Story habe ich in einem Konferenz-Vortrag gehört). Er hat mit seinen Studierenden gemessen, wie steil ihnen eine Steigung vorkam. Das geht ganz einfach. Man haut vor der Steigung einen Pfosten in die Erde, schraubt darauf ein Brett an einem beweglichen Scharnier und sagt den Leuten: „Stellt das Brett mal mit der Hand so steil ein wie der Hang, der vor euch liegt.“ Praktisch jeder verschätzt sich dabei. Man überschätzt die Steilheit. Aber (und hier kommt der Gag): Die Extrovertierten verschätzen sich deutlich stärker als die Introvertierten. Berge kommen uns also steiler vor, wenn wir generell gerne mit Leuten reden. Ulkig oder?

Dessert: Was Freud sagt

Ich nehme ein Buch des alten Meisters zur Hand, schlage es irgendwo auf und zitiere, was ich finde. Heute dies:
„Wenn man die hier angezeigte Methode der Traumdeutung befolgt, findet man, dass der Traum wirklich einen Sinn hat und keineswegs der Ausdruck einer zerbröckelten Hirntätigkeit ist, wie die Autoren wollen. Nach vollendeter Deutungsarbeit lässt sich der Traum als eine Wunscherfüllung erkennen.“ (S. Freud: Die Traumdeutung; Ende des II. Kapitels)

bookmark_borderWas ist Doomscrolling?

Seit einigen Wochen wird meine Partnerin von diversen Journalisten-KollegInnen kontaktiert. Alle wollen wissen, was es mit diesem „Doomscrolling“ auf sich hat.

Das Bild oben habe ich selbst gemacht. Es ist natürlich selbstironisch gemeint. Es transportiert alles, was „Doomscrolling“ meint: Man kann nicht aufhören, Social-Media-Inhalte in sich reinzufressen. Und zwar solche, die einem versichern, dass die Welt jetzt endgültig im Arsch ist. Man reagiert womöglich mit Entsetzen.

Wie lange gibt es den Begriff schon? Bei derlei Fragen konsultiere ich stets Google Trends. Dort kann man sehen, wann und wo ein Begriff wie häufig bei Google nachgefragt wurde. Tolles Werkzeug! Hier die entsprechende Grafik zum Thema Doomscrolling (bezogen auf die USA):

Die Grafik besagt: Die Leute in Amerika haben erst ab dem 12. April angefangen, „doomscrolling“ zu googeln. Es handelt sich also um einen Begriff, der erst mit der Pandemie in die Alltagssprache gekommen ist. Für Deutschland gibt es für den April übrigens zu wenige Einträge, um daraus überhaupt eine Grafik bauen zu können. Soll also keiner behaupten: „Wir in Berlin sagen das schon seit Weihnachten.“

Nach und nach sind jedenfalls diverse Artikel erschienen, in denen Nicki ihren Senf zu diesem Tun abgeben durfte. Erst kam was von Fastcompany, dann von Wired. Andere Medien haben auch schon angerufen, aber noch nix veröffentlicht. Die Zitate tauchen jedenfalls jetzt überall im Netz auf. Man schreibt sie einfach ab. Auf Französisch, auf Chinesisch, auf Spanisch. Schon interessant, wie Informationen so durchs Netz wandern.

Fastcompany und Wired machen einen guten Job. Manche der anderen Artikel scheinen mir folgendermaßen zu entstehen: Eine Maschine übersetzt die Arbeit anderer aus dem Englischen in irgendeine andere Sprache. Eine andere Maschine übersetzt sie wieder zurück. So wird aus guten Sätzen ein Haufen Unsinn – und aus der „School of Information“ auf einmal das „College of Files“. Man kichert.

Interessant auch, dass von den KollegInnen kaum wer fragt, ob es Doomscrolling überhaupt gibt. Ist das ein Massenphänomen? Das setzen alle voraus. Es läuft ein bisschen wie früher beim ontologischen Gottesbeweis. Der ging so: Dass wir von Gott reden können, dass wir einen Begriff von ihm haben, beweist, dass es ihn auch geben muss. Wir wissen natürlich längst, dass der ontologische Gottesbeweis Käse ist. Man kann ja auch von einem fliegenden Einhorn reden, ohne dass es fliegende Einhörner gibt. Der ontologische Doomscrolling-Beweis ist genau so Käse. Trotzdem kommt man noch immer damit durch.

Ob Doomscrolling ein Massenphänomen ist, das weiß heute, wenn ich das richtig sehe, kein Mensch. Es gibt keine ordentlichen Studien dazu. Und falls doch, dann habe ich sie nicht gefunden. Alles was wir dazu haben, sind Meinungen. „Educated guesses“, wie die Amerikaner sagen.

Warum doomscrollen wir überhaupt? Meine Lieblingserklärung: Es läuft ein bisschen wie früher im Krieg. Man liest Zeitung, hört Radio – aber man quatscht halt auch über den Gartenzaun mit den Nachbarn. Dort werden anderen Dinge verbreitet. Gerüchte, manche davon wahr, andere unwahr, wieder andere: irgendwo dazwischen. Das sind wichtige Informationen. Kleine Steinchen, mit denen man – im Zusammenspiel mit all den anderen Informations-Trümmern – ein irgendwie passendes Mosaik erstellen kann.

Genau das machen wir vermutlich auch beim Doomscrolling. Es handelt sich um eine Art der kollektiven Weltdeutung. Collective sense-making. Dieses Verhalten wird besonders wichtig in Zeiten, in denen man zum einen nicht weiß, was Sache ist und der es zum anderen um eine Menge geht – womöglich um die eigene Existenz. Weiß man auch schon aus der Psychologie des Gerüchts. Das war schon immer so – schon vor Facebook und Twitter.

Naja. Wenn ich das richtig sehe, ist Doomscrolling nicht mehr als ein Buzzword, ein Modewort, über das man jetzt für ne Weile reden kann. Manchmal hört man so was und denkt: Darüber werden die jungen Leute bald ihre Doktorarbeiten schreiben. Beim Doomscrolling würde ich darauf aber keine großen Summen verwetten.

Aber.

Ich liege bei solchen Dingen oft falsch. Also: Mal abwarten. Und im Juli 2021 wieder danach googeln.

Nicki sagt zu all dem: „Wenn Du das so schreibst, verpasst Du die Chance, etwas Interessantes zu erklären. Doomscrolling ist ein Begriff, der irgendwie hängen bleibt. Das stimmt. Aber warum tut er das? Weil er uns neugierig macht. Er spricht etwas an, womit viele Leute was anfangen können. Das Gefühl, MEHR wissen zu wollen. Unzufrieden zu sein mit den Informationen, die man uns füttert. Aber der Begriff ist zu flach und zu billig. Weil es sich eigentlich um ein ganzes Gewebe von Abläufen und Phänomenen handelt. Das Wort „Doomscrolling“ aber tut so, als sei da nur ein einziger Faden.“

Hm. Vielleicht wird’s in Zukunft doch Dissertationen zu diesem Thema geben … 

bookmark_borderDer Roboter macht die Hütte sauber – und trinkt uns das Bier nicht weg

In den letzten drei Wochen hab ich mich überwiegend mit Robotern beschäftigt. Das sind noch Nachwehen aus der Zeit in Kalifornien. Anfang März – ein paar Tage, bevor dort der Lockdown kam – war ich an der UC Berkeley auf der Techcrunch-Session über Roboter und Künstliche Intelligenz. Hier sieht man mich rechts im Bild. Ich scheine zuzuhören (einige Leute auf dem Foto machen irgendwie gerade andere Sachen).

Dort wurden abgefahrene Geräte vorgestellt. Etwa ein Greifarm, der bald Steine auf dem Mond aufsammeln soll. Und Käse, wenn er welchen findet.

Es gab auch eine Premiere. Ein paar Jungs haben einen Roboter präsentiert, der Klos putzen kann. Man geht vorher mit ner Spezialkamera durch seinen Bürokomplex. Der Roboter wird auf die dort aufgenommenen Daten trainiert – und findet sich dann super zurecht und weiß, wo er putzen soll und wo nicht. Nachts, wenn alle anderen schlafen. Also. Zumindest theoretisch.

Irgendwie scheint mein Gequatsche über Roboter Nicki inspiriert zu haben. Bald bin in wieder in Deutschland. Wer soll dann das Haus sauber machen? Genau: ein Roomba (ich habe für eine Geschichte gerade mit einem Typen geredet, der diesen Staubsauger-Roboter sozusagen erfunden hat).

Jetzt macht das Ding die Hütte sauber – und trinkt im Gegensatz zu mir keinem das Bier weg. Coco hat ein kritisches Auge auf den neuen Mitbewohner geworfen.

Und auch Theo, der Kater, war nur halb begeistert von diesem Ding.

Mal sehen, wie sich das Ding auf Dauer schlägt.

Schwer zu sagen, ob Roboter wirklich „die Zukunft sind“, wie man so sagt. Aber in einigen Lebensbereichen sind sie das ganz bestimmt. Wenn vorher die Welt nicht untergeht. Meine Meinung.

bookmark_borderSchamlose Eigenwerbung

Heute ist – nach etwa einem Monat Pause – mal wieder Zeit für schamlose Eigenwerbung. Diese Woche erscheint die August-Ausgabe von Psychologie Heute. Darin findet sich auch mein Porträt der Psychologin Kate Sweeny von der UC Riverside (acht Seiten).

„Der Verkehr in Südkalifornien ist der blanke Irrsinn. So ist es auch an diesem Tag, wenige Wochen bevor Corona die Straßen leerfegen wird. Auf den sechs Spuren der State Route 60 wälzt sich Wagen an Wagen aus Los Angeles hinaus ins Landesinnere. Doch dann, nur wenige hundert Meter nach der Abfahrt 32 A lande ich jäh in einer friedlichen Gegenwelt. Die renommierte University of California, Riverside ist eine Art Wohlfühlpark der Gelehrsamkeit. Mit hübschen Grünanlagen, vorzeigbaren Restaurants und freundlichem Auskunftspersonal an den Parkplätzen.“

Genau dort – in der Nähe von Los Angeles – habe ich Kate Sweeny besucht und dann später auch ihren Vortrag auf der SPSP-Konferenz in New Orleans gehört.

Kate ist ziemlich cool, eine sehr sympathische Zeitgenossin. Man freut sich für ihren Erfolg. Sie hat sich schon als junge Professorin ihr eigenes Forschungsfeld erschlossen. Kate erforscht nämlich, was mit unserem Innenleben passiert, wenn wir auf potentiell miese Nachrichten warten müssen. „Warten unter Unsicherheit“ nennt sich das. Etwa, wenn der Befund einer Krebsdiagnose ansteht, ein Examensergebnis, die Rückmeldung nach einem Vorstellungsgespräch und dergleichen. Ich möchte den Artikeln allen empfehlen, die so etwas gerade umtreibt (oder die jemanden kennen, der gerade in so einer Lage steckt). Kate hat nämlich ein paar Dinge gefunden, die einem das Warten erleichtern – oder zumindest dann später das Verarbeiten der Nachricht selbst.

Man kann das Heft natürlich ganz traditionell am Kiosk oder per Abo kaufen. Die einzelne Geschichte gibt’s aber auch hier im Internet – allerdings nur den Anfang, der Rest steht hinter einer Bezahlschranke.

Kleiner Fun Fact noch: Bei den Psychologen an der UC Riverside ist es üblich, gemeinsam eine gute Flasche zu köpfen, wenn jemand seine Promotion abgeschlossen hat. Dann unterschreiben alle und das Ding landet in der Fakultätsbibliothek als Andenken. Süß, oder?

Außerdem hab ich erfahren, dass in der Juli-Ausgabe von Readers Digest eine Geschichte über Chronobiologie von mir erschienen ist. Auch hier derselbe Trick: Im Netz gibt’s nur einen Anschmecker. Die ganze Geschichte steht dann im Magazin, das man für Geld kaufen muss.

Was noch? Ach ja. Dieser Tage habe ich zusammen mit der großartigen Christiane Loell von P.M. Fragen&Antworten ein paar Folgen für den P.M.-Podcast „Schneller schlau“ aufgenommen. Dabei ging’s um medizinische und psychologische Fragen. Hat großen Spaß gemacht. Wann genau die Folgen live gehen, weiß ich nicht so genau. Ist aber auch egal. Ich würde jetzt schonmal reinklicken. Die Podcastreihe lohnt sich: Jede Folge dauert nur ein paar Minuten und man wird garantiert nicht dümmer davon.