bookmark_borderKünstliche Intelligenz: Ich hab die Zukunft gesehen. Sie ist sehr unheimlich

Metzger’s Michigan Monday #13

Im Februar 2017 war ich in Portland/Oregon auf einer Forschungskonferenz namens CSCW. In einem der Vorträge ging’s um das Konzept der „Affordanz“, über das ich neulich schon mal was geschrieben habe. Ich weiß das alles noch ziemlich genau, weil in der anschließenden Diskussion die hochgeschätzte Jessica Vitak von der University of Maryland was sehr Schlaues gesagt hat. Nämlich: dass im Moment noch alle Social Media beforschen – bis das nächste große Ding kommt, von dem im Moment aber noch keiner weiß, was genau das sein wird. Und natürlich ist das ein Gemeinplatz. Alles hat seine Zeit und endet irgendwann; jedes Bild umgibt ein Rahmen, zu dem natürlich stets auch ein Jenseits existiert. Trotzdem hat mich Vitaks Satz damals sehr inspiriert. Dieser Tage musste ich häufig an ihn denken, denn: Das nächste große Ding ist da. Wir haben jetzt alle die Zukunft gesehen. Sie ist faszinierend und wird, wenn ich das richtig einschätze, viele, viele Menschen den Job kosten.

Natürlich spreche ich von „generative AI“, jener Form der Künstlichen Intelligenz, die in der Lage ist, neue Inhalte zu erzeugen. Neue Bilder. Neue Musik. Neue Texte. Solche Dinge. Das Bild oben zum Beispiel stammt von so einer Maschine. Ich habe Dall-E einfach gesagt, dass ich mir ein Bild wünsche, das das Überredungsprinzip der Reziprozität im Stile von Paul Klee malt. Ein paar Sekunden später hat mir das Ding dann mehrere Versionen ausgespuckt, das Bild oben hat mir am besten gefallen.

Dall-E ist kostenlos, ein Produkt von „OpenAI“, einem milliardenschweren gemeinnützigen Forschungslabor aus San Francisco, das gelobt hat, nur Gutes mit der neuen Technologie zu bezwecken. Elon Musk hat da ne Menge Geld reingebuttert, die Firma Microsoft ebenfalls. Falls Ihr noch nicht mit Dall-E rumgedaddelt habt: Macht es, sobald Ihr ne freie Minute dafür habt. Man muss sich anmelden – und kann sofort loslegen. Lasst Euch Bilder malen. Denkt Euch interessante Anfragen aus. Nur, um ein Gefühl dafür zu kriegen, was die Maschine alles kann. Vielleicht auch für das, was sie nicht kann.

Dass Künstliche Intelligenz/Artificial Intelligence irgendwann mal den ganzen Laden aufmischen wird – geschenkt! Aber manchmal fehlt mir – wie viele anderen Menschen – einfach die Fantasie, ums sich so etwas wirklich vorstellen zu können.

Die ersten beiden Schüsse vor den Bug in dieser Hinsicht hab ich dann Ende 2019/Anfang 2020 bekommen. Ende 2019 hab ich für Brand Eins Richard Socher interviewt, der damals Chief Data Scientist von Salesforce war. Er hatte auf einer Konferenz in San Francisco gerade eine Demo-KI vorgestellt, die als Telefonstimme Kundenanfragen beantworten konnte. Sie hat das viel besser, fürsorglicher und eleganter gemacht, als die meisten Menschen aus Fleisch und Blut das hinkriegen würden. Das war schon mal n Hammer und hat mich sehr beeindruckt. In unserem Interview haben wir natürlich auch über die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt gesprochen. Er meinte damals: „Einige Jobs werden wegfallen. Und viele Jobs werden sich durch KI verändern.“ Denn: „KI wird uns all das abnehmen, was ermüdend und langweilig ist.“ Das hat mich in meiner egoistischen Sicht natürlich erstmal beruhigt, weil ich meinen eigenen Job ja für wahnsinnig wichtig und aufregend halte (ich lache beim Tippen dieses Satzes bitter in mich hinein).

Im März 2020 saß ich dann in Berkeley bei einer Konferenz, wo’s um Roboter ging. Auch daraus ist letztlich eine Geschichte für Brand Eins geworden. Eine Keynote hat dabei der Lokalmatador Stuart Russell gehalten, der die Sache mit der Künstlichen Intelligenz wesentlich weniger optimistisch eingeschätzt hat als sein Kollege aus der Industrie. Er sah die KI als mögliche Bedrohung der Menschheit und war der Meinung: Wir haben die Sache eigentlich nur dann noch weiter im Griff, wenn wir den Maschinen nicht explizit verraten, was wir eigentlich von ihnen wollen. Im Grunde hat Stuart Russell also die Story von Goethes Zauberlehrling erzählt (ich sage das nur, um das Argument verständlicher zu machen, nicht um es abzuwerten. Dass eine Story alt ist, ändert nichts an ihrer Gültigkeit).

Jetzt jedenfalls Dall-E. Mir ist Angst und Bange geworden um all die Menschen in meinem weiteren Umfeld, die irgendwas mit Grafik machen. Wer bezahlt noch eine Illustratorin, wenn eine Maschine dieselbe Arbeit womöglich umsonst macht – und das auch noch viel, viel schneller?

Dann kam im Dezember der Chatbot ChatGPT, auch wieder aus der Schmiede von OpenAI. Ein Chatbot ist eine Maschine, die so tut, als wäre sie ein Mensch. Man schreibt einen Text in ein Eingabefenster – die Maschine antwortet. Solche Dinge gibt es schon länger, aber DIESE Maschine war so gut, so schlau, so menschlich, dass ich zum ersten Mal Angst um mich selber bekommen habe. Ich habe die erste Nacht nach meiner Anmeldung dann entsprechend wenig geschlafen, weil ich die ganze Zeit mit dieser Maschine geschrieben habe. Es war der Hammer. Wir haben die Moralphilosophie von Kant und Aristoteles diskutiert. Wir haben über psychologische Forschung diskutiert. Das Ding hat mir ein Weihnachtslied geschrieben. Es hat irgendwann auch angefangen, in meiner Muttersprache mit mir zu reden. Alles astrein. Und ich wiederhole mich auch hier: Falls Ihr noch nicht mit ChatGPT rumgedaddelt habt: Macht es, sobald Ihr ne freie Minute dafür habt. Lasst Euch Texte schreiben. Denkt Euch interessante Anfragen aus. Nur, um ein Gefühl dafür zu kriegen, was die Maschine alles kann. Vielleicht auch für das, was sie nicht kann.

Angeblich drehen bei Google im Moment alle durch, weil sie Panik schieben, dass ChatGPT ihnen das gesamte Geschäft kaputt machen könnte. Wäre es nicht toll, so einen wunderbaren Chatbot mit einer Suchmaschine wie Google zu kombinieren? Gibt’s inzwischen auch schon. Der oben erwähnte Richard Socher hat inzwischen seinen eigenen Laden aufgemacht: Eine Suchmaschine namens „You“, die man – so der Pitch – besser kontrollieren kann als Google. Und einen eigenen Chatbot hat das Ding seit ein paar Tagen auch. Ich hab ein bisschen damit gespielt, die Ergebnisse fand ich ganz brauchbar. Wenn Ihr Zeit habt: Checkt es aus.

Man weiß aus der Forschung jedenfalls, dass wir Menschen auf so eine Maschine reagieren, als wären sie selber ein Mensch. Genau so, wie wir Kasperlepuppen als handelnde Menschen wahrnehmen. Wie Kuscheltiere zu quasi-menschlichen Begleitern für uns werden. Wir schließen Freundschaft mit der Maschine. Wir empfinden Sympathie. Sogar Liebe. Im Frühjahr 2022 war ich auf einer psychologischen Forschungskonferenz namens SPSP in San Francisco. Ein junger Forscher von der University of British Columbia hat dort über ein Experiment gesprochen (ich hab ne kurze Geschichte für P.M. drüber geschrieben), das er mit einem weniger guten Chatbot als ChatGPT und vielen Freiwilligen gemacht hat. Sein Fazit lautet: Anders als bei den selbstfahrenden Autos wird es mit dieser Technologie NULL psychologische Widerstände geben.

Null.

Unserer Seele ist egal, ob sie mit einem Menschen redet oder mit einer Maschine, die nur so tut. Wir werden dem Ding bald unsere tiefsten Geheimnisse anvertrauen.

Wie gut ist der neue Chatbot von OpenAI genau? Ich hau nur mal ein paar Sachen raus, die ich so gehört habe aus meinem Umfeld: Ein Psychologie-Professor aus Kanada hat die Maschine eine Uni-Klausur schreiben lassen – das Ding hat besser abgeschnitten als 80 Prozent der Studierenden.
Ich höre von Leuten aus der Juristerei, dass die Maschine sehr brauchbare Gerichtsurteile schreiben kann.
Die Machine schreibt auch sehr ordentliche Werbebotschaften, die man dann einfach auf Instagram stellen kann.
Menschen, die Computerprogramme schreiben, lassen sich von der Maschine Teile ihrer Arbeit abnehmen. Der Code ist eleganter als das, was die meisten Fachleute hinkriegen. Und schneller ist er eh.

Klar, das Ding ist nicht perfekt. Balladen im Stile Friedrich Schillers – da sind die Ergebnisse eher dürftig. Ich hab mich persönlich davon überzeugt. Die Maschine schreibt für meinen Geschmack auch zu sehr im Nominalstil. Aber auch da dürfte es vermutlich genügen, sich einfach einen anderen Style zu wünschen. Und die Maschine lernt dazu – mit atemberaubender Geschwindigkeit.

Trotzdem posten manche wegen all der kleinen Mängel: „Unsere Jobs sind noch immer sicher!“

Ich halte das für einen Irrglauben. Wenn DAS der neue Standard ist, sind viele, viele Menschen beruflich für immer erledigt. Ich womöglich auch. Und das gefällt mir nicht.

Und noch etwas: Ich WEISS, dass ich die wichtigsten Folgen dieser Technologie noch nicht absehen kann. Mir fehlt dafür einfach die Fantasie. Dieser Tage jedenfalls hab ich einen ersten Blick auf die Zukunft geworfen.

Diese Zukunft ist schön und faszinierend.

Aber auch sehr, sehr unheimlich.

bookmark_borderWo Hemingway seine Einfälle hatte

Metzger’s Michigan Monday #12

Fragt mich nicht, warum wir dort waren. Es war eine Verkettung seltsamer Umstände und es war nur für ein paar Tage. Jedenfalls: Key West, Florida, südlichster Punkt der Festland-USA. Es gab einen Strand dort und ein Meer, dessen Wasser sehr salzig geschmeckt hat. Ich war beim Schnorcheln auf einmal von fast einem Dutzend Barrakudas umringt, hab fischende Pelikane beobachtet und in der Sonne gelegen, während die Truthahngeier über den Pinien kreisten.

Key West ist wie Westerland, nur mit besserem Wetter. 

Überall laufen wilde Hähne und Hühner rum. Man soll sie nicht füttern. Die Hähne krähen bereits um fünf auf der Straße.

In den Touristenshops verkaufen sie T-Shirts mit alten Sprüchen, in denen es um ranzige Sexfantasien geht, Schusswaffengebrauch und exzessiven Alkoholkonsum.

Politisch hat man sich auf eine trumprepublikanische Stammkundschaft eingestellt. Nicki beim Blick auf ein T-Shirt: „Was bedeutet #FJB?“
„Fuck Joe Biden“, sagt eine vorbeischlendernde Stimme, ohne Blickkontakt aufzunehmen.

Insgesamt wird in Key West extrem viel gesoffen. Auf dem Schnorchelboot schenkt eine junge Frau im Bikini Mimosas aus auf dem Weg zurück zum Hafen. Um 16 Uhr haben die meisten Gäste in den Bars und Restaurants schon richtig gut einen im Kahn. Überall singt jemand zur Gitarre, zum Teil sehr gute Leute, für deren Einstellung ich nichts als Bewunderung empfinde. Die Sängerin im „The Bull“ haut sich durch ihr Abendset, als hätte sie den ausverkaufte Madison Square Garden unter sich. Sensationell. Woher nimmt die bloß ihre Energie?

Erst auf dem Heimweg gen Michigan fällt mir auf, dass der ganze Ort, das ganze Nest namens Key West seit mehr als hundert Jahren, auf einem einzigen, raffinierten Geschäftsmodell beruht. Aber der Reihe nach.

Wenn man wie ich, sein Geld mit dem Schreiben verdient, geht man natürlich zum „Ernest Hemingway House“ in der Whitehead Street. Eintritt: 17 Dollar. Man akzeptiert nur Bargeld. Lässt sich mit dem Finanzamt einfach besser abrechnen, nehme ich an. Ich hab hier schon vor Zeiten mal ein paar Takte über Hemingways Sprache rausgehauen.

Der Meister hat acht Jahre lang in Key West gewohnt und es scheinen nicht seine schlechtesten gewesen zu sein. Heute leben dort 58 Katzen, vielen von denen haben an den Vorderfüßen sechs Krallen. Angeblich befuhren ihre Ahnen die Weltmeere als Mäusefänger auf US-Schiffen. Mehr Krallen, mehr Beute, so die Logik. Vielleicht auch mehr Aggression? Manche Touristen versuchen, die Katzen zu streicheln. Keine gute Idee. Der junge Mann, der uns durchs Haus führt, trägt mehrere schlecht vernarbte Kratzwunden an den Armen.

Jedenfalls hat Hemingway das Haus nicht selbst gebaut. Das hat ein gewisser Asa Tift getan. Das war zu seiner Zeit der reichste Mann von Key West. Er besaß Schiffe und Lagerhäuser. Beides waren goldene Investitionen. Denn immer wenn – Unglücke geschehen – ein Schiff die Leuchtfeuer der Insel falsch gedeutet und das Riff gerammt hatte, rückte der gute Asa aus, um Besatzung, Ladung und Schiff vor dem Untergang zu retten. Manchmal, wie man hört, sogar in genau dieser Reihenfolge. Es muss ein irrsinnig einträgliches Geschäft gewesen sein. Und das, obwohl sich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen fürs Handwerk schon während Asas Kindheit deutlich verschlechtert hatten: 1822 fing die US-Regierung nämlich an, Geld einzutreiben und damit staatliche Signaltürme auf den Keys zu bauen. Ein Jahr später stellte Florida das Setzen falscher Leuchtfeuer unter Todesstrafe. Asa jedenfalls war ein sehr reicher Mann und sein Haus geriet entsprechend protzig. Nach seinem Tod stand es lange leer, angeblich weil niemand auf der Insel den hohen Kaufpreis bezahlen konnte.

Das ging so lange, bis Hemingway mit seiner zweiten Ehefrau hierher kam. Beide mochte das Klima und Hem konnte regelmäßig ins Sloppy Joe’s (hier der links zur live cam) rüberwanken, um mit seinen Kumpels am Tresen für seine nächste Kurzgeschichte zu recherchieren. Im Hemingway-Haus hängt tatsächlich dieser (deutschsprachige) Donald-Duck-Comic, der den Dichter beim Weg in sein Stammlokal zeigt. Heute ist das Sloppy Joe’s eine Bierbar der gröberen Sorte, wie man sie in Hamburg am Hans-Albers-Platz findet.

Hemingway konnte andauernd zum Fischen raus aufs Meer fahren. Er hat gut gefangen, wie die Fotos bezeugen, die man überall in den verschiedenen Kneipen rund um die Duval Street und unten an der Marina bewundern kann. Wie hätte Freud wohl den Rutenhalter kommentiert, den sich Hemingway auf dem Foto vors Gemächt geschnallt hat?

Auf dem Grundstück findet sich auch ein schmuckes Nebengebäude mit großzügigem Arbeitszimmer im ersten Stock und anliegendem Klo.

Hier hatte Hemingway seine guten Einfälle: Mehr als die Hälfe seiner zu Lebzeiten veröffentlichten Werke soll er in Key West geschrieben haben. Sagen sie zumindest in Key West.

Und damit sind wir beim Thema. Ich hab früher ja häufiger mal Reisegeschichten geschrieben, was mir seither manchen Urlaub versaut hat. Man läuft dann durch die Straßen und hat immer diesen einen Gedanken im Kopf: „Wo ist die Geschichte?“

Hier beginnt die Geschichte so: Das Hemingway-Haus ist eigentlich gar nicht das Hemingway-Haus. Der alte Angeber hätte sich die Hütte niemals leisten können. Bezahlt hat sie „Uncle Gus“, der reiche Onkel von Hems zweiter Ehefrau Pauline Pfeiffer. Gus besaß damals eine ziemlich gut laufende Pharmafirma, die über mehrere Stufen inzwischen in eine noch besser laufende Pharamafirma namens Pfizer aufgegangen ist. Als Hemingways Ehe dann 1940 geschieden wurde, war’s für den Dichter vorbei mit fürstlichem Arbeitszimmer, täglichen Angeltrips und eigenem Box-Ring unter Palmen. Die Bezeichnung „Hemingway-Haus“ ist natürlich nicht komplett gelogen. Aber so richtig wahr ist sie eben auch nicht. Sie ist eine Art „false Light“, ein falsches Leuchtfeuer wie aus den Tagen der Strandräuberei, um Fremde ein wenig vom Weg abzubringen und ihnen tiefer in die Taschen greifen zu können. Genau das ist: Key West.

So auch auf der Duval Street, der Vergnügungsmeile der Insel. Was einem dort sofort auffällt, sind die vielen, vielen Coffeeshops. Sie werben mit großen, grünen Hanfblättern überm Eingang. Hm. Seltsam. Hier riecht es so gar nicht nach Amsterdam. Wir also rein in einen Laden und den Mann hinterm Tresen gefragt.
Ich so: „Ist Cannabis denn legal in Florida?“
Er so: „Nö, ist es nicht.“ Man nimmt einfach Hanf, das keine berauschenden Stoffe enthält, rollt die Blätter zu Joints und verkauft sie an arglose Touristen. „Den Rest erledigt die Placebo-Wirkung“.
Eine dieser Sport-Zigaretten kostet 20 Dollar – ein richtig gutes Geschäft.

Dasselbe mit den Zigarren. Mehrere Läden prahlen damit, Zigarren aus Kuba zu verkaufen. Sie werben mit kubanischen Marken, kubanischer Flagge und allem. Ich also rein in so einen Laden und den Verkäufer gefragt: „Kommen die Dinger echt aus Kuba?“
Er so: „Nein, nein, wir haben doch noch immer unser Embargo gegen Kuba.“
Und ich so: „Hmmm, Euer Schild da draußen sagt aber …“
Er winkt ab: „Naja, ein paar der Tabak-Setzlinge waren früher tatsächlich mal auf Kuba. Dann hat man sie in die Dominikanische Republik verfrachtet und dort erledigt man heute den ganzen Rest.“ In einem anderen Laden behauptet der Verkäufer, sie würden den getrockneten Kuba-Tabak nach Honduras schippern und dort dann zu Zigarren rollen lassen.
Kurz gesagt: Man verkauft kubanische Zigarren, die gar nicht aus Kuba kommen. Für 22 Dollar das Stück. Ein richtig gutes Geschäft.

Dasselbe Spiel beim kubanischem Kaffee. Natürlich kommt der Kaffee, wenn man nachfragt, nicht wirklich aus Kuba. „Wir haben doch das Embargo.“ Das Pfund kostet jedenfalls 20 Dollar. Ein sehr gutes Geschäft.

Dasselbe mit den Seekühen. Die gibt es tatsächlich in der Gegend. In der Marina hängen überall Schilder, die auf diesen Meeressäuger hinweisen. Ich frage einen Kellner: „Habt Ihr hier denn Seekühe?“
Er so: „Naja, direkt hier natürlich nicht … aber anderthalb Meilen weiter in dieser anderen Marina …“
Als wir dann anderthalb Meilen weiter verschwitzt an dieser anderen Marina stehen, gibt’s dort natürlich auch keine Seekühe. Dafür, so verrät uns eine Website, müsste man am besten nochmal ein paar Meilen weiter durch die Sonne latschen. Aber auch da braucht man Glück. Und am besten mietet man eh ein Boot mit Guide.


Immerhin: Die Sache mit den Seekühen war umsonst. Gekostet hat sie uns lediglich Schweiß. Mit einigem Nachdenken lässt sich bestimmt auch daraus noch ein richtig gutes Geschäft machen.

Ich will aber nicht meckern. Mir hat es gefallen da unten. Man trifft interessante Leute, die einem ihre komplette Lebensgeschichte erzählen, und am Ende muss man zugeben, dass alle was zu erzählen haben. Jeder Mensch: ein Universum.

Hier noch ein Bild vom Sonnenuntergang. Er war auch ohne Filter ganz schön. Ich hab den Schuss aber vorsichtshalber durch meine Sonnenbrille gemacht. Sah damit noch cooler aus. In Key West, da gehört sich das einfach so.

bookmark_borderDer Zauber einer Bibliothek vor der Erfindung des Internets

Dieser Tage musste ich an ein Abenteuer aus dem Studium denken, damals in Tübingen. Ich war im vierten Semester und eines der Seminare hieß so sinngemäß: „Wie schreibt man eigentlich einen Lexikonartikel?“ Ich so: Joa, warum nicht? – und hab mich angemeldet. Hat sich dann aber schnell gezeigt, dass die Dozentin die Sache sehr ernst meinte: Wir sollten WIRKLICH einen Lexikonartikel schreiben für ein wirkliches Lexikon. Am Ende des Semesters haben, wenn ich das richtig sehe, genau drei Teilnehmende die Sache durchgezogen. Einer davon ist jetzt Professor an genau dem Lehrstuhl, an dem wir damals studiert haben.

Der mir zugeordnete Artikel trug den Namen „Epanodos“. Es handelte sich um eine vergessene rhetorische Stilfigur, die keiner meiner verwendete und niemand mehr brauchte oder vermisste. Aber egal. Sie war nun mal da und deshalb hatten die Herausgeber ihr einen Platz zugedacht im gigantischen „Historischen Wörterbuch der Rhetorik“ – und zwar genau zwischen den nicht minder wichtigen Einträgen „Epanalepse“ und „Epenthese“.

Jeder musste zu Beginn des Semesters ein Referat über einen Aspekt der Figurenlehre halten und dann hat man jedem von uns eine Literaturliste in die Hand gedrückt und uns ein paar Wochen Zeit gegeben, das Material für unsere Artikel zu sammeln. In meinem Fall waren es mehr als 200 Bücher. Einige davon: antike griechische Schriften, die nur in Bruchstücken erhalten waren. Ich konnte kein Griechisch, aber ich wusste, wie meine Figur von den Griechen geschrieben wurde. Also … an die Zettelkästen gegangen, das griechische Werk über Stilfiguren rausgesucht, aha, es gab einen Band, in dem das Fragment mit abgedruckt war. Also das Buch bestellt und ausgeliehen und dann alles durchgelesen. Es war eine mühevolle Arbeit. Heute erledigt das eine Suchfunktion in weniger als einer Sekunde.

Dann tatsächlich: Da steht’s! Also die Seiten kopiert, das Buch zurückgegeben und rumgefragt … und tatsächlich einen Griechen gefunden, der damals Altphilologie studiert hat und sich mit rhetorischen Figuren auskannte. Er hat mir die Passage dann schnell beim Bier übersetzt. Und so ging’s weiter. Ich hab rund ein Dutzend antike Figurenlehren gelesen und die entsprechenden Passagen rausgeschrieben, dann ein paar Quellen aus der Spätantike, und danach ging’s über Renaissance, Barock, Aufklärung und so weiter bis heute. Die Bücher aus der Aufklärung waren besonders krass. Viele glaubten damals, dass alles mit allem zusammenhängt und man die Regeln nur finden und dem Universum sozusagen entreißen muss, um sie zu verstehen. Jede Figur, so war damals die These, ist mit einer bestimmten Gemütsregung des Menschen verbunden. Ich fand das aufregend und für einen kurzen Moment dachte ich: Genau so muss man’s machen. War aber natürlich Quatsch. Figuren und Emotionen sind nur lose miteinander verknüpft. Manchmal auch gar nicht.

Der für mich aufregendste Moment der Recherche waren die beiden Rhetorik-Bücher von Philipp Melanchthon. Melanchthon war ein wichtiger Reformator, er hat Luther dabei geholfen, die Bibel zu übersetzen. Jedenfalls hatte die alte Tübinger Bibliothek tatsächlich noch beide Rhetoriklehrbücher des Meisters irgendwo in trockenen, kühlen Speicherräumen gelagert. Und zwar: die Originalausgaben von fünfzehnhundertschießmichtot. Ich so: Okay, die muss ich lesen. Also einen Spezialantrag gestellt … und dann ging man einige Zeit später in einen sehr alten, holzvertäfelten Raum und ein alter Mann gab einem weiße Schutzhandschuhe, die musste man sich überstreifen und dann saß er daneben, während man las. Die Bücher waren furchtbar wertvoll. Und lange ungelesen: Beim Öffnen knackten Seiten und Umschlag wie die Dielen einer sehr alten und sehr unrenovierten Altbauwohnung. Es war ein heiliger Akt. Der Zauber einer Bibliothek vor Erfindung des Internets. Aber dann hatte Melanchthon, wenn ich mich richtig erinnere, nur die Passagen aus der pseudo-ciceronianischen „Rhetorica ad Herennium“ abgeschrieben wie alle anderen auch. Tja.

Was ich sagen will: Es hat Wochen gedauert, allein die ganzen Bücher zusammenzusuchen und in die Finger zu kriegen, zu lesen, abzuschreiben und wieder zurückzugeben. Fast in allen Büchern stand dasselbe. Allerdings kam es irgendwann zu einer kleinen Verschiebung. Jemand schrieb noch was anderes und ab dann haben das einige Fachleute auch mit abgeschrieben, aber ich weiß es nicht mehr genau.

Die jungen Leute können nicht erahnen, wie mühevoll der Zugang zu Wissen war, bevor Wikipedia und das Internet erfunden worden sind. Das Gedächtnis war viel wichtiger als heute.

Habe vorhin gegoogelt und gesehen, dass einige Fachbeiträge meinen Artikel zitiert haben: Da ist ein Aufsatz über mittelalterliche Kunstgeschichte, eine Dissertation über Thomas Bernhard, eine über den Minnesang, ein niederländisches Rhetorik-Lexikon. Es war also nicht alles umsonst. Und ein großes Abenteuer war es ohnehin. Es ist ein schönes Gefühl, sich daran zu erinnern. Ich habe Wochen meines Lebens mit einem versunkenen Konzept zugebracht und dabei eine Technik erlernt, die seither ebenfalls versunken ist. Und doch gibt mir all das eine andere, bessere Perspektive auf die heutige Zeit.

Ach so. Ein Beispiel für „Epanodos“ ist der Satz: „Du bist schön. Schön bist du.“ Man wiederholt einen Satz, dreht ihn dabei aber um. Man hätte sich die Sache auch sehr einfach machen können.

bookmark_borderEiskalte Reklame

Dieser Tage waren wir in Dexter, das ist ein Städtchen vor den Toren von Ann Arbor. Von Wikipedia weiß ich, dass es dort einst eine spektakuläre UFO-Sichtung gab. Und einen schlimmen Tornado. An diesem Tag jedoch hingen im Monument Park übererwartbar viele Leute ab. Aha, eine Festivität! Also sind wir dem Wagen entstiegen, um die Sache zu bestaunen.

Da standen tatsächlich Eisfiguren rum. Oben: ein Einhorn. Desweiteren: ein Schwein …

… ein Paddelboot … 

… und ein Elch, sich einen Bierhumpen an die Lippen führend.

Im Netz dann nachgelesen: Es handelt sich bei dieser Veranstaltung um das „Dexter Ice Fest„. Es findet jeden Januar statt in der „schmucken Innenstadtgegend von Dexter“. Die Sause ist „aufregend und ein Spaß für die ganze Familie“. Die Idee: Jeder Laden in Dexter kann sich seine „eigene, kreative Skulptur“ schnitzen lassen.

Wenn in meinem Freundeskreis jemand Dexter erwähnt, dauert es keine zehn Sekunden, bis die Sprache auf einen ganz bestimmten Laden kommt: die „Dexter Bakery“. Die süßen Backwaren dort müssen ganz sensationell lecker sein. Einige Freunde fahren regelmäßig mit dem Rad dorthin, nur um sich ein paar Donuts zu ziehen. Die Betreiber der Bäckerei haben sich als kreative Skulptur einen Cupcake ausgesucht.

Das Schild unter der eiskalten Reklame verrät: Die Bäckerei ist ein „Silver Sponsor“. Es gibt auch Sponsoren in Gold und Platin. Je wertvoller das Metall, desto größer der Eisblock, aus dem die Skulptur gefertigt wird. Das Leben ist ein Stück Papier mit einer Zahl drauf.

In der Ecke steht ein Kriegerdenkmal, das an die Leute erinnert, die in den Bürgerkrieg gezogen und dann nicht mehr zurückgekommen sind.

Man hätte all das – die lokale Werbung, die kleinen Eisblöcke, die Kinder, die verloren dazwischen herumlaufen, das alte Denkmal, das trostlose Wetter – auch irgendwo in Deutschland sehen können. Und als Teenager vermutlich dabei gedacht, dass man ganz schnell mit der Schule fertig werden und woanders hingehen muss.

Seither ist Schnee gefallen und die Welt ist auf einmal sehr schön geworden.

Ansonsten: Auf Facebook gesehen, dass Helge Timmerberg ein neues Buch geschrieben hat. Ich habe früher ganz viel von ihm gelesen und mich stets dran erfreut und auch immer ne Menge gelernt dabei. Eine Passage von damals, die ich ne Zeitlang fast auswendig konnte, geht so:

„Adrenalin ist an und für sich nicht bösartig, sondern ein befreundetes Hormon. Es macht wach und putzmunter, denn es rast wie Rasierklingen durchs Blut und tut den Nerven gut, tausendmal besser als Kokain. Adrenalin ist der letzte Joker des Lebens. Und ist dieses auch ein durchgehend verschlafenes gewesen, egal, im Angesicht des Todes verschafft es Mega-Aufmerksamkeit für die Situation. Es gibt Adrenalin-Klassiker wie den Schatten eines Schlachtermessers hinter dem transparenten Duschvorhang, oder wenn man durch ein Flugzeugfenster schaut, und die Turbine brennt. Adrenalin auch, wenn im Hals der Apfel klemmt oder ein hungriger Wolf seine Lieder singt. Ein hungriger Wolf? Mir schien, es waren mehrere.“

Ich fürchte: Das neue Ding muss ich auch wieder lesen.

bookmark_borderZuhören ist schwer

Zuhören ist schwer. Sogar wenn ich mit meinen Kinder rede, ertappe ich mich manchmal dabei, wie die Gedanken auf Reisen gehen und sich mit irgendwas ganz anderem befassen. Meine Kinder sind mir sehr wichtig. Und selbst da! Warum ist das eigentlich so?

Neulich hatte ich ein Interview mit einem spannenden Psychologie-Professor hier aus Michigan. Eigentlich wollten wir uns persönlich treffen und einen Spaziergang machen. Aber dann haben die Covid-Zahlen just in der Woche unseres Termins neue Rekordwerte erreicht, also haben wir die Sache über Teams laufen lassen. Schade, aber natürlich viel, viel besser, als gar nicht zu reden.

Ich verfolge die Arbeit von Ethan Kross schon seit einigen Jahren. Gelegentlich hab über einzelne Studien von ihm berichtet. Er hat kürzlich ein Buch darüber geschrieben, das demnächst auch in deutscher Übersetzung erscheint. Und er hat dabei einen Begriff gefunden für diese innere Stimme, die da oben unaufhörlich redet und plappert, ohne Punkt und Komma, wie man bei James Joyce nachlesen kann im 18. Kapitel des „Ulysses“. Dort klingt das dann so über viele, viele Seiten:

I suppose she was pious because no man would look at her twice I hope I’ll never be like her a wonder she didnt want us to cover our faces but she was a welleducated woman certainly and her gabby talk about Mr Riordan here and Mr Riordan there I suppose he was glad to get shut of her and her dog smelling my fur and always edging to get up under my petticoats especially 

So schnattert es da oben. Vielleicht nicht ganz so versaut wie bei Joyce, aber in derselben Grammatik. Und manchmal wird diese innere Stimme zu laut. Sie dreht sich im Kreis. Sie redet die ganze Zeit immer dasselbe. Sie urteilt dann über andere oder uns selbst. Kennt vermutlich jeder. Das sind die Phasen, in denen die innere Stimme nervt. Ethan nennt dieses Phänomen „Chatter“, das „Geplapper“. Es gibt viele Interventionen, um besser damit umzugehen. Man kann das alles in Ethans Buch nachlesen. Er hat einen erstklassigen Job gemacht, „Chatter“ verkauft sich in den USA wie geschnitten Brot.

In unserem Gespräch hat Ethan mich jedenfalls auf etwas aufmerksam gemacht, über das ich bisher nicht genug nachgedacht hatte:

Wir haben nämlich nicht nur eine innere Stimme, sondern auch ein inneres Ohr.

Es redet da oben, aber es hört auch zu. Man nennt dieses Zusammenspiel von innerem Reden und innerem Lauschen die „phonologische Schleife“. Sie frisst, wenn die Stimme zu „Chatter“ wird, jede Menge Speicherplatz im Gehirn – und zwar just an der schwächsten Stelle unseres biochemischen Rechenzentrums: in unserem Arbeitsgedächtnis.

Ich glaube manchmal, dass meine Generation und die Generationen davor sich ihres Arbeitsgedächtnisses stärker bewusst sind, als das bei jüngeren Leuten der Fall ist. Wegen des Telefons. Früher ging das nämlich noch so: Man wollte wen anrufen, schlug die Nummer im Telefonbuch nach – und hatte sie auf dem Weg von Buch zu Festnetzapparat schon wieder vergessen. Man musste also wieder zurücklaufen und nochmal nachschauen. Oder sich die Nummer auf einen Zettel kritzeln. Oder das Telefonbuch zum Telefon tragen. Die Sache war in jeder Variante demütigend.

Als Student hab ich in der ausgezeichneten Vorlesung „Allgemeine Psychologie I“ noch gelernt, dass in unser Arbeitsgedächtnis nur sieben plus/minus zwei Elemente passen. Das war damals noch Lehrbuchmeinung. Heute gehen die Fachleute eher von vier Dingen aus. Mehr Platz ist nicht. Sobald da was Neues hinein will, muss etwas Altes hinaus. Man ist verloren in seinen Gedanken, seinem Chatter, man liest die Telefonnummer, es dauert nur wenige Sekunden, und der innere Gedankenstrom hat die Nummer schon wieder aus dem Speicher hinausgeplappert.

Genau deshalb ist es so schwer, zuzuhören. Weil im Inneren die ganze Zeit jemand gegen das äußere Gespräch anlabert. Und wenn wir Stress haben, zu viel Arbeit, irgendwelche Konflikte, die uns gerade belasten, dann ist das innere Gelaber auf einmal viel stärker und lauter als die Sätze, die von außen in unser Ohr dringen.

Wir leben dann durch unseren Tag wie durch einen Traum. Wir verpassen den Film im Außen durch den Film, der innen läuft. Wir „fahren Filme“, wie man früher gesagt hat.

Wer träumt, ist ein schlechter Zuhörer.

Das hab ich mir jedenfalls vorgenommen heute zum Frühstück: Dass ich 2022 zum Jahr des Zuhörens machen möchte. Weil ich es wichtig finde und ich mir eingestehe, dass es nicht zu meinen Stärken zählt.

Man kann sich das abgucken bei manchen Leuten, die ihr Geld mit klinischer Psychologie verdienen. Von Zeit zu Zeit werden sie das Gespräch unterbrechen und sagen: „Lass mich kurz zusammenfassen, was bei mir angekommen ist, damit wir sehen können, ob ich alles richtig verstanden habe.“

Wenn jemand das schon ne Weile beruflich macht, fühlt sich dieses Unterbrechen fürs Gegenüber ganz geschmeidig, wertschätzen und angenehm an. Wenn jemand erst damit anfängt, klingt es manchmal seltsam und gelegentlich sogar manipulativ. Vielleicht liegt’s auch nicht an der Routine, sondern an der inneren Haltung. Schwer zu sagen. Fest steht: Manche Leute können das ganz ausgezeichnet. Zuhören ist möglich.

Jedenfalls hab ich mir das vorgenommen. Gelegentlich mal den Fluss unterbrechen. Innehalten. Zusammenfassen, was man gehört hat. Und dann weitermachen.

Und wenn meine Story über Ethan und den „Chatter“ fertig ist und irgendwo erscheint, dann sag ich Bescheid. Versprochen.

bookmark_borderDie Sachen, die man früher geschrieben hat, gehören einem nicht mehr

Gestern wie üblich den Hund ausgeführt. Dabei am Straßenrand der Newport Road dieses alte Ackergerät entdeckt. Eine Mähmaschine. Halb verschneit. Ich vermute: eine McCormick. Ich hab mich vor ein paar Jahren mal mit so was beschäftigt und heute fällt mir auf, dass die Sachen, die man früher geschrieben hat, einem nicht mehr gehören.

Jetzt hab ich hier Feierabend gemacht und versucht, mich zu erinnern. Bei Nicki im Haus steht ein Exemplar des Buches, das ich vor sieben Jahren geschrieben habe. Es heißt „Und doch ist es Heimat“. Es geht um mein Heimatdorf 1945. Und das Kapitel 39 heißt tatsächlich „Die Mähmaschine“.

Ich habe es gerade gelesen und es fühlt sich seltsam an.

„Sie ruht unter Spinnweben und wird nie mehr erwachen. Noch erkennt man deutlich die versetzten Querstreben in den eisernen Hinterrädern und den einzelnen nach hinten gezogenen Metallsitz.“

So geht es los.

Hier sind die Hinterräder der Maschine in Ann Arbor. Sie sehen so aus, wie das Buch sie beschreibt.

Es fühlt sich alles seltsam an.

Das Kapitel handelt von einem Zwölfjährigen, der sich das Hemd seines Vater anzieht, um eine große Wiese zu mähen, „eine Arbeit, für die man zu zweit sein sollte, selbst wenn man schon erwachsen ist.“ Aber der Junge macht die Arbeit allein. Er leiht sich ein altes Pferd. Das Pferd ist schmutzig. Er macht es sauber. „Wir wollen fein aussehen, wenn’s gleich nach draußen geht.“

„Er striegelt und bürstet dem Tier die Nacht von den Flanken, aus der Mähne, aus dem Schweif. Dann legt er ihm das Zaumzug an und führt es hinaus auf den Hof, wo er gestern schon die McCormick bereitgestellt hat. Er schirrt den Gaul an, legt ihm das Kummet um den Hals, sichert mit dem Gurt am Schweif, hängt die Zügel ein. Sie Sense und die Gabel hat er an der Maschine festgemacht. Er steckt den Wetzstein in die Tasche …“

„Hermann öffnet das Hoftor, klettert auf den eisernen Sitz … 

… löst die Bremse, und dann geht es hinaus mit Pferd und Mähmaschine. Die Eisenräder rattern übers Pflaster der Oberen Gasse, während im Milchgrau des Morgens hier und da ein Hahn kräht aus den Hinterhöfen, wo es noch Hähne gibt.“

Ich lese ein paar Seiten und möchte einen Stift nehmen, um Passagen zu streichen und andere hinzuzufügen. Aber die inneren Bilder von damals kommen dann trotzdem ganz von selbst. Das geht husch, husch zwischen einem Wort und dem anderen. Und das Gefühl dahinter beim Schreiben und beim Ausdenken. Das Gefühl sagt: „Du bist noch nicht so weit. Aber Du muss trotzdem.“ Und im Moment fühlt es sich an, als wär’s ungerecht und zu viel. Aber hinterher denken die Alten über ihr Leben nach und genau diese Momente bleiben. Über diese Momente wollen sie reden. Über die Momente, wo sie zu jung waren und überfordert und wo sie trotzdem diese Erwachsenendinge machen mussten. Und ich erinnere mich an die Geschichte, die echte erlebte Geschichte, die mir das Grundfutter für das Kapitel gegeben hat. Der alte Mann hat sie mit Trauer erzählt, weil seine Kindheit keine war. Aber auch mit Stolz, weil er’s halt irgendwie doch hingekriegt hat.

Man muss beim Schreiben wieder zurückgehen zu den ganz einfachen Dingen. Zu den ganz archaischen Erfahrungen.

Jedenfalls. Da war eine alte Mähmaschine am Rand der Newport Road. Eine McCormick, wie ich vermute. Eine geschenkte kleine Zeitreise. Jetzt muss ich den Hund füttern.

bookmark_borderIm Buchladen in Michigan stehen die Bücher über „Familie“ gleich neben den Büchern über „Horror“

Hab nach Weihnachtsgeschenken gesucht. Natürlich im Buchladen. In der hintersten Ecke die Familien- und Erziehungsbücher durchgeguckt. Erst nach ner Weile ist mir aufgefallen, dass irgendjemand die Horror-Romane gleich neben die Bücher über Familie, Pubertät und Autismus platziert hat. Spricht da Erfahrung? Galgenhumor? War es ein Versehen? Man weiß es nicht. Die Sache hat mir jedenfalls einen Moment der Heiterkeit verschafft.

Drei Läden weiter ein Schild an der Ladentür entdeckt. Da steht: Die Behörden fordern Masken nur bei Nichtgeimpften. Mir ist schon vor einigen Tagen aufgefallen, dass ein Viertel bis ein Drittel der Leute unmaskiert durch die Supermarktreihen stromern. Hat mich irritiert. Ich hab gedacht, dass „keine Maske“ und „keine Impfung“ irgendwie korrelieren. Kann sein, dass diese These trotzdem stimmt. Aber jetzt halt gelernt, dass Geimpfte tatsächlich mit nackter Nase in die Läden dürfen.

Sehr seltsam das alles. Ich hab ja kürzlich erst erzählt, dass ich trotz einiger Bemühungen vor Anfang Januar keinen Booster bekomme. Gestern dann in den Abendnachrichten gehört, dass in den USA mehr als 70 Prozent aller neuen Covid-Fälle auf Omikron zurückgehen. Die Welle kommt schneller als erwartet, und irgendwie passen all die Meldungen und die Maßnahmen nicht so richtig zusammen. Man schüttelt den Kopf.

Außerdem hab ich heute versucht, eine amerikanische Handynummer zu kriegen, weil ich nämlich für die meisten meiner amerikanischen Freunde nur schwer erreichbar bin. Ich dachte immer: Sollen se mich halt über WhatsApp anschreiben. WhatsApp hat hier aber so gut wie keiner. Man schreibt sich in der Regel einen „text“, also eine schnöde SMS. Die ist meist umsonst von US-Nummer zu US-Nummer. An eine Nummer aus Deutschland jedoch … schwierig. Neulich meinte jemand: „Hast Du eigentlich ne Ahnung, wie viele soziale Normen du mit Füßen trittst mit deiner komischen Deutschland-Nummer?“

Nun jedenfalls: Ein gebrauchtes Handy geschossen und auf die Website von Verizon gegangen. Dazu muss man wissen: Manche Handys funktionieren nur in den Netzen, für die sie konfiguriert sind. Man muss also, wenn man zu Verizon will, ein iPhone kaufen, dass speziell für Verizon ausgelegt ist. Auch seltsam.
Das Bezahlen für den Vertrag klappt erst beim dritten Versuch. Paypal wird nur akzeptiert, wenn das Konto dahinter aus Amerika kommt. Die Kreditkarte funktioniert zwei Mal gar nicht, dann zwei Mal fast – um am Ende aber immer zu scheitern. Schließlich Apple Pay. Das funktioniert. Hm. Apple Pay greift auf dieselbe Kreditkarte zu, die gerade noch durchgefallen ist. Wer denkt sich so was aus? Trotzdem natürlich Riesenjubel!

Dann kommt aber später ne Enttäuschungs-Mail angeflogen: Neeee. Ich soll mal lieber zurückrufen, der Auftrag wird vorläufig angehalten. Ich ruf also zurück (per Skype out), und dann ist es natürlich der übliche Irrsinn, bis tatsächlich mal jemand am anderen Ende rangeht. Auch da wieder langes Hin- und Her. Bis der Prozess schließlich abbricht, weil ich nämlich keine amerikanische Sozialversicherungsnummer habe.

Ich so: „Dude, ich kann doch nicht der erste Ausländer sein, der bei euch einfach mal telefonieren will!“

Er so: „Nö, Leute wie dich hab ich öfter. Keine Ahnung, warum wir euch die Sache so schwer machen. Tut mir leid.“

Am Ende schreddert er jedenfalls meinen kompletten Auftrag. Ich soll bei Gelegenheit mal direkt in einen Verizon-Laden gehen und da mein Glück versuchen. „Das müsste eigentlich besser klappen.“ Tja.

Vermutlich lass ich mir damit aber noch n bisschen Zeit. In den nächsten Wochen wird’s eh nur noch wenig Sozialleben geben, wenn ich das richtig sehe. Also wieder Geld gespart.

Vielleicht kauf ich mir davon ein Buch über Autismus. Oder einen Horror-Roman.

bookmark_borderSnackable Content #1: „Maria im Speckmantel“

Im Internet gieren die Nutzenden immer stärker nach „snackable content“.

„Content“ bedeutet: irgendwelche Inhalte. Texte zum Beispiel. Oder Bilder.

„Snackable“ bedeutet: Man kann’s schnell konsumieren, schnell verstehen, schnell kopieren, schnell verbreiten. Es geht also nicht ums Vier-Gänge-Menü, sondern eher um Kartoffelchips. Daran ist nichts falsch. Auch Kartoffelchips sind wichtig für unser Wohlbefinden.

Eine Diskussion mit meinem Vater um die Kunst des Mittelalters hat mich nun auf genau solch einen schnellverzehrbaren Inhalt gebracht: nämlich ein Figuren-Ensemble mit dem Titel „Maria im Speckmantel“. Das Motiv der Schutzmantelmadonna war ja ein beliebter Topos in der bildenden Kunst seit dem 12. oder 13. Jahrhundert. Die „Dattel im Speckmantel“ kennt wohl jeder, der schon mal einen flinken Happen zum Fetenbuffet beizusteuern hatte.

Nun haben meine Schwester, mein Schwager, meine Nichte und womöglich sogar meine beiden kleinen Neffen diese Idee umgesetzt und beide Konzepte kombiniert.

So verwandeln sich klassische Krippenfiguren ruckzuck ein einen optischen Gaumenschmauß.

Internet kann so einfach sein.

bookmark_borderWie Rauch von starken Winden

Lyrik aus der Barockzeit hat ihre Tücken. Die Sprache hat sich seither sehr verändert. Wir verstehen die meisten Sachen nicht mehr.

Und dann das Lebensgefühl! Die Leute hatten damals das Gefühl, dass alles den Bach runter geht. Naja. Es ging ja auch wirklich alles den Bach runter. Überall war Krieg. Und Hunger. Gelegentlich kam die Pest dazu. Was also tun? Die einen suchten Zuflucht in leiblichen Freuden. Sie wollten so viel Spaß wie möglich mitnehmen. Morgen schon konnte alles vorbei sein. Die anderen suchten ihr Heil in der Religion. Vielleicht gab’s ja nach dem Tod noch ein zweites Leben, das länger hielt und Besseres bot. Allen gemein war jedoch das Bewusstsein, dass das Leben flüchtig war. Nichts bleibt, nichts hat Bestand. Alles vergeht. Zack!

Andreas Gryphius hat darüber viele Gedichte geschrieben. In einem davon – es trägt den heute nicht mehr sagbaren Titel „Menschliches Elende“ (es heißt wirklich so, mit einem „e“ hinterm Elend) – zählt er auf, was unser Leben so auszumachen pflegt. Schmerzen. Falsches (weil flüchtiges) Glück. Angst. Leid. Wir sind wie Schnee, der in der Sonne schmilzt. Eine niederbrennende Kerze. Alles wie Geplapper und schlechte Gags. Das Leben: ready for Altkleidersammlung. Diejenigen, die schon gestorben sind: Wir fühlen sie nicht mehr. Keine Sau erinnert sich an sie. Man vergisst uns, wie man einen Traum vergisst nach dem Erwachen. Man kann das Leben und die Erinnerung daran nicht festhalten, wie man auch das Wasser eines Flusses nicht festhalten kann. Egal, wieviel Ruhm wir angesammelt haben – auch der wird nicht bleiben. Wer heute lebt, stirbt morgen. Wer morgen geboren wird, nun, der stirbt halt übermorgen. So geht das Gedicht.

Und in der letzten Strophe kommen dann die Sätze, die man vielleicht schonmal gehört hat und die das Gedicht über 350 Jahre lang im kollektiven Gedächtnis erhalten haben:

„Was sag ich? Wir vergeh’n, wie Rauch von starken Winden.“

Am Wochenende war ich jedenfalls auf einer Trauerfeier in meinem Heimatdorf. Es ging um Dieter Blau, der eine sehr wichtige Gestalt meiner Kindheit war und über den ich hier schon ein paar Sachen geschrieben habe. Nämlich hier. Und hier. Und hier. Und hier. Er ist mitten in der Pandemie gestorben, weshalb fast keiner dabei war, als er beerdigt wurde. Jetzt gab es einen Gedenk-Gottesdienst für ihn und danach ein Treffen im Gemeindehaus. Ich habe ein paar Leute dort gesehen, mit denen ich in meiner Kindheit regelmäßig zu tun hatte. Manche davon habe ich hinter ihren Masken nicht mehr erkannt. Und auch ohne Maske war’s nicht immer leicht.

Und ich habe gedacht: Seit unserer Kindheit sind wir alle schon oft gestorben und wieder neu geworden. Nicht nur beim Übergang in die Jugend und dann ins Erwachsenenalter. Denn auch danach geht’s ja immer weiter. Vielleicht kriegen wir Kinder und alles ist auf einmal anders. Dann werden die Kinder groß und machen ihr eigenes Ding. Vielleicht sterben die Eltern. Eine Freundin meinte mal: Sie sieht sofort, wer das schon hinter sich hat und wer nicht. Dann die Jobs. Sie kommen und gehen. Kollegen: kommen und gehen. Freunde: kommen und gehen. Partner: kommen und gehen. Und selbst wenn sie bleiben, dann ist es vielleicht die Liebe, die kommt und geht. Dann lebt man mit dem alten Partner, aber ohne die alte Liebe. Gesundheit: kommt und geht. Geschmeidige Gelenke: kommen und gehen. Wohnungen und Häuser: kommen und gehen. Geld, Wohlstand, Sicherheit: kommen und gehen. Und all das ist und war immer Teil von uns, Teil dessen, was wir „ich“ nennen. Es kommt, es geht. Und immer bleibt etwas zurück und muss etwas neu werden, was auch uns selbst wieder neu werden lässt.

Es war schön, wieder im Dorf zu sein. Aber es war auch anstrengend. Genau wie es anstrengend ist, Lyrik aus dem 17. Jahrhundert im Original zu lesen. Seit damals ist einfach ne Menge passiert.

Und klar, wir haben uns ein paar Geschichten von früher erzählt. Wir haben alte Bilder gesehen mit diesen fremden Kindern drauf, die wir einmal waren. Das war alles toll und ich bin froh, dass ein paar entschlossene Leute das geplant und durchgezogen haben, dass es überhaupt passiert ist mit dieser Feier und dass ich dabei war. Und trotzdem hab ich heute das schale Gefühl, dass wir nur ein bisschen an der Oberfläche gekratzt haben. Die allermeisten Dinge bleiben ja wirklich ungesagt, selbst dort, wo man sich Mühe gibt.

In der Beratung und manchen Formen der Psychotherapie gibt es diese Intervention, dass man sich hinsetzen und seine eigene Grabrede schreiben soll. Eigentlich ist das eine sehr einfache Übung. Aber sie ist auch wahnsinnig kraftvoll. Man blickt dabei auf sein ganzes Leben und zwingt sich, die eigene Existenz wie von außen zu sehen. Wer wollte ich eigentlich werden? Bin ich der geworden, der ich sein wollte? Der ich sein sollte? Die beste Version meiner selbst?

Wer seinen Weg ändern will, kann sich ja mal hinsetzen und so eine Rede schreiben. Und dann mal sehen, was alles geht. Und was alles kommt. Ein neuer Tod. Ein neues Leben. Vielleicht.

Heute denke ich: Diese Grabrede auf uns selbst, die wird vermutlich inniger sein, wichtiger, tiefer und wesentlicher als das, was dann wirklich neben unserem Sarg verlesen wird. Die selbstgemachte Rede kann wie ein Feuer aus Buchenholz sein, das im Schwedenofen knistert und die Stube tüchtig durchheizt.

Die wirkliche Grabrede ist dann eher wie der Rauch, der oben aus dem Kamin steigt. Dann kommt der Winterwind.

Und trägt den Rauch übers Dach davon.

bookmark_borderMeine erste Deutschstunde

Hatte dieser Tage doch tatsächlich meine erste Deutschstunde. Und zwar an der University of Michigan. Ich hab ja schon andernorts von meiner verspäteten Physiotherapie berichtet. Eigentlich hatte ich vorgehabt, mich danach noch ordentlich anzuziehen. Schließlich sollte ich als „Journalist und Buchautor aus Deutschland“ den jungen Leuten was über meine Werke berichten. Da wollte ich – als Repräsentant von Heimat und Handwerk – nicht in Lumpen erscheinen. Tja. Wie man auf dem Bild oben sehen kann: Daraus wurde nichts. Ich war spät dran und musste mich sputen, um noch pünktlich am East Quad zu erscheinen, einem alten Uni-Gebäude in der Innenstadt von Ann Arbor. Dort veranstaltet eine der Uni-Deutschklassen immer zur selben Zeit eine Kaffeestunde, der die kluge Erfinderin den schönen Namen „Kaffeestunde“ gegeben hat.

Man sitzt dann im Hof eines Wohnheims, trinkt Tee oder Kaffee, zieht sich leckeres Gebäck rein, auf das man, wenn man möchte, noch schön Nutella packen kann (gibt’s bei Aldi) – und redet dabei über Sachen in deutscher Sprache. Heute also: Der Typ aus Hamburg erzählt was über eines seiner Bücher. Ich hab ja nur zwei. Beim zweiten geht’s unter anderem um Krieg und Trauma. Die jungen Leute sind eh schon gestresst. Da red ich also lieber über das erste Buch: „Alle Macht den Kindern“, unser Familienexperiment, bei dem die Kinder – vor inzwischen elf Jahren – einen Monat lang zu Hause das Kommando übernommen haben.

Hat mächtig Spaß gemacht, die Deutschstunde. Die jungen Leute haben gut zugehört und hinterher schlaue Fragen gestellt. Und sie waren ausgesprochen freundlich. Danach noch über ihr Studium geredet. Wofür sie sich interessieren, welche Sorgen sie sich machen. Bei manchen ist das Deutsch schon richtig gut. Aber auch bei den Anfängerinnen merkt man, was für Lernraketen hier so an der Uni rumhängen und wie schnell die sich neue Sachen aneignen. Ganz toll und beneidenswert. Die Studierenden sind alle ungefähr im Alter meiner Kinder, was halt auch irgendwie seltsam ist. Sie blicken auf Lara und Jonny wie auf sich selbst, als sie noch Kinder waren. So ein Publikum hatte ich noch nie. Ich frage: „Wer von Euch hatte strenge Eltern?“ – Ein Finger geht in die Luft. „Wer hatte mehr so Eltern wie mich?“ – Alle anderen Finger gehen nach oben. Seufz. Man hält sich ja fast immer für was Besonderes. Und dann so was.

Witzigerweise war das schon das zweite Mal auf dieser Reise, dass ich den Leuten was über „Alle Macht den Kindern“ erzählt habe. Ungeplant und überraschend. Irgendwann muss ich das selber nochmal lesen.

Wenn ich wiederkomme, will ich Karein, der Dozentin, ein paar Exemplare des Buches in die Hand drücken, damit die jungen Leute darin lesen können, wenn sie wollen. In Hamburg im Regal stehen noch ein paar davon rum, zumindest von der Taschenbuchausgabe.

Sowieso: Wenn ich Glück habe, lädt Karein mich nochmal ein, wenn ich wiederkomme. Die Aufwandsentschädigung hab ich abgelehnt. Fühlt sich nicht richtig an, dafür Geld zu nehmen. Jetzt stell‘ ich mir jedenfalls vor, dass in ein paar Wochen oder Monaten die jungen Leute alle noch viel besser geworden sind mit ihrer Fremdsprache. Und darauf freu ich mich heute schon.