bookmark_borderDie Sachen, die man früher geschrieben hat, gehören einem nicht mehr

Gestern wie üblich den Hund ausgeführt. Dabei am Straßenrand der Newport Road dieses alte Ackergerät entdeckt. Eine Mähmaschine. Halb verschneit. Ich vermute: eine McCormick. Ich hab mich vor ein paar Jahren mal mit so was beschäftigt und heute fällt mir auf, dass die Sachen, die man früher geschrieben hat, einem nicht mehr gehören.

Jetzt hab ich hier Feierabend gemacht und versucht, mich zu erinnern. Bei Nicki im Haus steht ein Exemplar des Buches, das ich vor sieben Jahren geschrieben habe. Es heißt „Und doch ist es Heimat“. Es geht um mein Heimatdorf 1945. Und das Kapitel 39 heißt tatsächlich „Die Mähmaschine“.

Ich habe es gerade gelesen und es fühlt sich seltsam an.

„Sie ruht unter Spinnweben und wird nie mehr erwachen. Noch erkennt man deutlich die versetzten Querstreben in den eisernen Hinterrädern und den einzelnen nach hinten gezogenen Metallsitz.“

So geht es los.

Hier sind die Hinterräder der Maschine in Ann Arbor. Sie sehen so aus, wie das Buch sie beschreibt.

Es fühlt sich alles seltsam an.

Das Kapitel handelt von einem Zwölfjährigen, der sich das Hemd seines Vater anzieht, um eine große Wiese zu mähen, „eine Arbeit, für die man zu zweit sein sollte, selbst wenn man schon erwachsen ist.“ Aber der Junge macht die Arbeit allein. Er leiht sich ein altes Pferd. Das Pferd ist schmutzig. Er macht es sauber. „Wir wollen fein aussehen, wenn’s gleich nach draußen geht.“

„Er striegelt und bürstet dem Tier die Nacht von den Flanken, aus der Mähne, aus dem Schweif. Dann legt er ihm das Zaumzug an und führt es hinaus auf den Hof, wo er gestern schon die McCormick bereitgestellt hat. Er schirrt den Gaul an, legt ihm das Kummet um den Hals, sichert mit dem Gurt am Schweif, hängt die Zügel ein. Sie Sense und die Gabel hat er an der Maschine festgemacht. Er steckt den Wetzstein in die Tasche …“

„Hermann öffnet das Hoftor, klettert auf den eisernen Sitz … 

… löst die Bremse, und dann geht es hinaus mit Pferd und Mähmaschine. Die Eisenräder rattern übers Pflaster der Oberen Gasse, während im Milchgrau des Morgens hier und da ein Hand kräht aus den Hinterhöfen, wo es noch Hähne gibt.“

Ich lese ein paar Seiten und möchte einen Stift nehmen, um Passagen zu streichen und andere hinzuzufügen. Aber die inneren Bilder von damals kommen dann trotzdem ganz von selbst. Das geht husch, husch zwischen einem Wort und dem anderen. Und das Gefühl dahinter beim Schreiben und beim Ausdenken. Das Gefühl sagt: „Du bist noch nicht so weit. Aber Du muss trotzdem.“ Und im Moment fühlt es sich an, als wär’s ungerecht und zu viel. Aber hinterher denken die Alten über ihr Leben nach und genau diese Momente bleiben. Über diese Momente wollen sie reden. Über die Momente, wo sie zu jung waren und überfordert und wo sie trotzdem diese Erwachsenendinge machen mussten. Und ich erinnere mich an die Geschichte, die echte erlebte Geschichte, die mir das Grundfutter für das Kapitel gegeben hat. Der alte Mann hat sie mit Trauer erzählt, weil seine Kindheit keine war. Aber auch mit Stolz, weil er’s halt irgendwie doch hingekriegt hat.

Man muss beim Schreiben wieder zurückgehen zu den ganz einfachen Dingen. Zu den ganz archaischen Erfahrungen.

Jedenfalls. Da war eine alte Mähmaschine am Rand der Newport Road. Eine McCormick, wie ich vermute. Eine geschenkte kleine Zeitreise. Jetzt muss ich den Hund füttern.

bookmark_borderSnackable Content #1: „Maria im Speckmantel“

Im Internet gieren die Nutzenden immer stärker nach „snackable content“.

„Content“ bedeutet: irgendwelche Inhalte. Texte zum Beispiel. Oder Bilder.

„Snackable“ bedeutet: Man kann’s schnell konsumieren, schnell verstehen, schnell kopieren, schnell verbreiten. Es geht also nicht ums Vier-Gänge-Menü, sondern eher um Kartoffelchips. Daran ist nichts falsch. Auch Kartoffelchips sind wichtig für unser Wohlbefinden.

Eine Diskussion mit meinem Vater um die Kunst des Mittelalters hat mich nun auf genau solch einen schnellverzehrbaren Inhalt gebracht: nämlich ein Figuren-Ensemble mit dem Titel „Maria im Speckmantel“. Das Motiv der Schutzmantelmadonna war ja ein beliebter Topos in der bildenden Kunst seit dem 12. oder 13. Jahrhundert. Die „Dattel im Speckmantel“ kennt wohl jeder, der schon mal einen flinken Happen zum Fetenbuffet beizusteuern hatte.

Nun haben meine Schwester, mein Schwager, meine Nichte und womöglich sogar meine beiden kleinen Neffen diese Idee umgesetzt und beide Konzepte kombiniert.

So verwandeln sich klassische Krippenfiguren ruckzuck ein einen optischen Gaumenschmauß.

Internet kann so einfach sein.

bookmark_borderDas große Wir und der Pranger

Dieser Tage an der Bergstraße gewesen. Unter anderem mit Heiko in Schriesheim. Das ist ein hübsches Städtchen mit einem schönen, alten Rathaus in der Mitte.

Pandemie und Lockdown haben ja viele wieder verstärkt über das große „Wir“ nachdenken lassen. Mich auch. Liebe ist überall und der Mensch ein soziales Wesen. Einsamkeit macht krank und tötet. Und so weiter. Alles sehr wahr, ich war schon immer Kollektivist. Mit Heiko diskutiert, ob auch Kollektive ihre Abwehrmechanismen haben, wie Anna Freud sie fürs Individuum beschrieben hat. Vermutlich: ja.

In Kalifornien hab ich mich bis zum Lockdown regelmäßig mit einem sehr klugen Gelehrten unterhalten, der aus China stammt. Er hat mir von einer heimischen Redensart über die Japaner erzählt. Man mag die Japaner dort nicht, vermutlich aus historischen Gründen. Zugleich hat man Respekt vor ihnen. Die Redensart – ich habe sie nicht überprüft – lautet nach Auskunft meines Gesprächspartners: „Ein Japaner ist ein Wurm. Viele Japaner sind ein Drache.“ Der ungeliebte Nachbar, so höre ich daraus, ist gut darin, mächtige Kollektive zu formen. Das hat mich beeindruckt, ich habe es nicht vergessen.

Am Rathaus von Schriesheim habe ich jedenfalls ein interessantes Details entdeckt. Nämlich dies hier:

Wenn in längst vergangenen Tagen ein Mensch gegen die Regeln der Gemeinschaft verstoßen hat, dann bestand eine der vorgesehenen Strafen darin, dass einem dieser eiserne Ring um den Hals geschlossen wurde. Da stand man dann am Pranger, wohl auch bei Regen, und war der größte Depp auf Erden. Wenn dann die Sonne wieder rauskam, haben einen die Kinder mit Sachen beworfen. Man will gar nicht wissen, WAS für Sachen das waren. Vermutlich haben sie nicht gut gerochen. Die Sachen nicht und auch nicht die Kinder.

Es ist Liebe, die das große Wir formt. Unser Bedürfnis, eine Gruppe zu sein. Der Mensch ist einfach so, ein Zoon politikon. Doch die Gruppe will Dauer und steht dann immer vor derselben Frage: Wie halten wir den Laden zusammen? Und der Stock, die Peitsche, der Pranger und die Angst vor ihnen – die waren stets Teil der Antwort. Man darf das nicht vergessen. Liebe ist überall. Aber sie ist niemals die ganze Geschichte. Es ist toll, der Drache zu sein. Aber man muss den Drachen immer auch fürchten.

Das hier ist Wein. Er wächst, wo der Odenwald endet und in die Rheinebene übergeht. Kein Bezug zu den Gedanken oben, ich war einfach dort und will es dokumentieren. Es ist ganz schön da.

Danach noch Redaktionsbesuch bei „Psychologie Heute“. Mir ist dieser Tage aufgefallen, dass ich für niemanden so lange geschrieben habe wie für dieses Heft. Auch eine Form von Wir, obwohl ich weit weg wohne und meine Geschichte allein schreibe. Muss man auch mal sagen. Das Bild unten belegt es: Ich bin erst gegangen, als die Sonne längst verschwunden war.

bookmark_border„I have to see a man about a horse“ – unnützes (aber womöglich lustiges) Sprachwissen. Und danach noch ein Nietzsche-Zitat und eine Quizfrage

Poitou, CC BY 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by/3.0, via Wikimedia Commons

Durch meine wiederholten und zunehmend ausgedehnten Aufenthalte in den Vereinigten Staaten werde ich immer mal wieder mit Redewendungen konfrontiert, die mir bislang unbekannt waren. Ich schließe dann überhastet darauf, dass viele andere Menschen aus meiner alten Heimat diese Redewendung ebenfalls nicht kennen, was mich wiederum dazu verführt, alle möglichen Leute damit zuzulabern.

Genau das hab ich auch jetzt vor. Es geht um die Redewendung: „I have to see a man about a horse.“ Sie erfüllt mich immer wieder mit der größten Freude und zwar auf mehrere Ebenen zugleich. Übersetzen würde man den Satz vermutlich mit: „Ich muss mal ums Eck.“ Oder: „… für kleine Königstiger.“ usw.

Für den historischen Ursprung von „to see a man about a horse“ habe ich zwei Erklärungen gehört. Die eine lautet: Ich will mir einen Gaul kaufen und hab jetzt ne Verabredung mit einem Anbieter. Wir reden, wir verhandeln. Vielleicht prüfe ich dabei den Gesundheitszustand des Tieres und so weiter.

Die zweite und vermutlich richtige Erklärung: Es geht um eine Wette auf der Rennbahn. Ich erwarte mir von einem bevorstehenden Treffen einen wertvollen Geheimtipp oder bin gar bereit, stehenden Fußes eine konkrete Summe auf einen bestimmten Traber, Galopper oder ein Islandpferd zu setzen, das im Tölt zum Siege eilt.

In beiden Fällen dient der Satz der Entschuldigung. Man befindet sich gerade in einer Unterhaltung und zwar in einer Art, die ein abruptes Ende des Gesprächs unangemessen erscheinen lässt. Äußere Gründe jedoch zwingen uns nun zur Eile. Wir führen genau diesen Grund ins Feld, um unseren Abschied verträglicher zu machen. Ein Pferd ist eine große Sache. Alle werden verstehen, dass wir solch einem Termin stets den Vorzug geben müssen.

Heute verwenden wir „I have to see a man about a horse“, wenn wir sehr dringend aufs Klo müssen. Das ist lustig, wie fast alle Euphemismen lustig sind. In diesem Falle erhöht es vermutlich den Reiz, dass die meisten von uns schon dabei waren, wenn Pferde urinierten und diskret auf die Wiese äpfelten. Beeindruckende Augenblicke waren das. Dieser Euphemismus, dessen Zweck ja eigentlich darin besteht, eine tabuisierte Handlung zu vernebeln, erweckt also durch die Hintertür noch extremere Fantasiebilder. So wird „I have to see a man about a horse“ zum ironischen Kommentar über den Gebrauch von Euphemismen überhaupt. Das ist ganz großer Sport, wie man ihn auf der ganzen Welt mit gutem Recht fast nur den Angelsachsen zuzutrauen pflegt.

Außerdem hab ich mir in der Bahn gestern mal wieder Nietzsche als Hörbuch reingezogen. Dabei einen schönen Satz gehört. Er ist vermutlich berühmt.

„Hütet Euch, gegen den Wind zu speien.“

Friedrich Nietzsche, „Also sprach Zarathustra“

Das wiederum hat mich auf die Frage gebracht, wie das eigentlich war mit Nietzsche und den Nazis. Also Wikipedia gelesen. Dazu eine Quizfrage:

Wie oft hat Hitler in seinen Reden von Nietzsche gesprochen?

a) In fast jeder Rede. Nietzsche war (mit Abstand) Hitlers Lieblingsphilosoph.

b) Es sind bislang 74 Textstellen aus privaten und öffentlichen Reden und Gesprächen dokumentiert.

c) Nie.

Die Lösung findet Ihr hier. Wir wissen von fast allem viel zu wenig.

Und? Habt Ihr richtig getippt? Oder falsch? Und wenn ja, warum? Schreibt mir einen Kommentar.

bookmark_borderWie die University of Michigan eine der besten Unis der Welt wurde – und was die jüdischen Studierenden damit zu tun haben

Neulich waren wir ja im großartigen Camp Michigania. Unser Mit-Camper und Klezmer-Klarinettist Bert Straton hat mir danach eine Email geschrieben und dabei eine Bemerkung über die Religionszugehörigkeit der Teilnehmenden gemacht: „Lotsa Jews (can’t help myself)“. Ich habe kürzlich ja angekündigt, darüber mal ein Worte zu verlieren.

Also. Here we go. Die ersten Teil der Geschichte hab ich aus einer älteren Ausgabe des New Yorker – aufgeschrieben vom unvergleichlichen Malcolm Gladwell persönlich.

Die Story geht im Wesentlichen so: 1905 – grob gesagt in der Zeit, als mein Großvater geboren wurde – haben die noblen Ivy League-Unis an der Ostküste neue Regeln dafür aufgestellt, wie sie ihre Studierenden auswählen. Herkunft war nicht mehr wichtig. Es gab eine Art Aufnahmeprüfung. Wer „gut in der Schule“ war und Eltern mit genügend Kohle hatte, der konnte auf einmal in Harvard studieren. Klingt erstmal prima, oder? Die schlauen (okay: und reichen) Kinder hatten plötzlich bessere Chancen auf einen Platz an einer tollen Uni.

Jedenfalls, so schreibt Malcolm Gladwell, führte das neue System schon 17 Jahre später „zu einer Krise“. Genauer: „der jüdischen Krise“. Im Jahr 1922 waren mehr als 20 Prozent der Erstsemester Juden. 1925 waren es sogar mehr als 28 Prozent. Die Bestimmer in Harvard sahen die Existenz ihrer Hochschule dadurch bedroht. Denn die reichen Ehemaligen – angelsächsisch, weiß, protestantisch – hatten zunehmend weniger Lust, jährlich große Summen an die Uni zu spenden. Gladwell schreibt: „Es erwies sich jedoch als schwierig, die Juden außen vor zu lassen, denn als Gruppe waren sie in der Schule einfach besser als alle anderen.“

Die Uni-Leitung hatte schnell ein paar Ideen. Eine Quote einrichten – nicht mehr als 15 Prozent Juden pro Semester. Oder: Die Anzahl der Stipendien für jüdische Studierende beschränken. Oder: Gezielt Leute aus Vierteln anwerben, in denen weniger Juden wohnten. Die Sache mit der Quote war, so kann man lesen, politisch nicht durchsetzbar, die beiden anderen Tricks zeigten nicht die gewünschte Wirkung.

Aber dann kam Harvard – und dann auch Princeton und Yale – auf eine Idee, die besser funktionierte. Man würde weiter die „akademisch Besten“ an die eigene Uni lassen. Natürlich!

ABER: Man würden künftig neu definieren, wer die „akademisch Besten“ sind. Und genau damit war die Zeit guter Schulnoten und prächtig absolvierter Aufnahmeprüfungen vorbei. Es kam plötzlich auf den „Charakter“ und die „Persönlichkeit“ der Bewerber an. Man verlangte jetzt Empfehlungsschreiben von Leuten, die den jungen Recken „gut kannten“. Bewerber mussten ein Foto von sich mitschicken. Und einen selbstgeschriebenen Aufsatz über die eigenen Führungsqualitäten. Außerdem gab es jetzt Fragen zu: „Rasse und Hautfarbe“, „Religionszugehörigkeit“, „Mädchenname der Mutter“, „Geburtsort des Vaters“, „Wie hat sich ihr Familienname oder der ihres Vaters seit Ihrer Geburt verändert?“ Außerdem führten Angestellte der Uni jetzt persönliche Interviews mit den Bewerbern, um „unerwünschte“ Kandidaten früh aus dem Verfahren auszusondern.

Anders gesagt: „Akademische Leistung“ wurde explizit wieder eine Frage der Herkunft. Nach dem alten Motto: „Stallgeruch schlägt Begabung“ (was mich an meinem alten Journalisten-Merkspruch erinnert: „Netzwerk schlägt Recherche“).

Die Sache funktionierte. Gladwell schreibt: Bis zum Jahr 1933 lag die Zahl der jüdischen Erstsemester wieder unter 15 Prozent. „Wenn Ihnen dieses neue Auswahlverfahren irgendwie bekannt vorkommt, dann liegt dass daran, dass die Ivy League es bis heute verwendet.“

Und hier kommt die hiesige University of Michigan ins Spiel.

Die Hochschule war damals schon ehrgeizige. Auch sie hat ihre Zugangsbestimmungen damals reformiert. Aber in Michigan achtete man mehr auf akademisch Eignung – Religionszugehörigkeit war dabei egal. Den Rest regelte der Markt: Viele der klugen, reichen Köpfe aus jüdischen Ostküsten-Familien gingen halt nicht mehr nach Harvard – sondern nach Ann Arbor. Der University of Michigan hat das ausgesprochen gut getan: Sie wurde über die Jahre eine der drei besten staatliche Hochschule der USA, das „Harvard des Westens“. John F. Kennedy hat die Sache in einen Gag verwandelt. Der Harvard-Absolvent erzählte gerne, er habe seinen Abschluss am „Michigan des Ostens“ gemacht.

Aus dieser Zeit stammt eine spannende Firma namens Campus Coach. Ein Student aus Michigan konnte wegen eines Zugstreiks (!) in den Ferien nicht zurück nach New York fahren. Also mietete er einen Bus an und verkaufte Tickets an seine Kommilitonen. Damals studierten so viele junge New Yorker in Ann Arbor, dass der Bus locker voll wurde. Der junge Mann hatte eine Geschäftsidee entdeckt, eine Art Flixbus aus den späten 1920ern. Die Firma läuft noch heute. Cool, oder?

Die Zulassungsbedingungen vor mehr als 90 Jahren haben bis heute ihre Spuren hinterlassen. Derzeit sind nur ein bis zwei Prozent der Bevölkerung in Michigan jüdischen Glaubens. Dagegen stellt die jüdische Community rund 15 Prozent aller Studierenden an der University of Michigan: Rund 6700 – unter rund 45.000 Studierenden insgesamt. Die Story erzählen sie Dir noch heute überall: Während alle was gegen die Juden hatten, hat Michigan seine Tore offen gehalten. Das ist ne gute Geschichte. Und ich trage sie gerne weiter.

bookmark_border„Reden alle nur immer von sich selbst?“ – und andere Sachen am Kiosk

So. Es wird mal wieder Zeit für Eigenwerbung.
In der Novemberausgabe von Psychologie Heute steht eine rund sechs Seiten lange Geschichte von mir, der die Redaktion den schönen Titel „Ich! Ich! Ich!“ gegeben hat. Sie befindet sich jenseits der eine Paywall. Man muss sie digital kaufen – oder sich das Heft am Kiosk holen. Beides kann ich empfehlen, man wird nicht dümmer davon.

Anstoß zur Geschichte war übrigens eine Bemerkung der Chefredakteurin: „Nach meiner Erfahrung ist ja das Problem, dass alle gerne von sich reden wollen – und keiner will zuhören.“ Bei solchen Sätzen krieg ich sofort große Ohren. Hat sie recht? Und wenn ja: Was fängt man damit an? Genau davon handelt die Geschichte.

Die kurze Fassung lautet: Ja, da ist was dran. Es gab in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Studien dazu. Wir reden tatsächlich sehr viel über uns selbst. Mach ich hier ja auch.

Mein Lieblingssatz

„Gute Gespräche funktionieren wie Pingpong. Und das im doppelten Sinn. Bekanntermaßen handelt es sich beim Tischtennis um die schnellste Rückschlagsportart der Welt. Und auch in Gesprächen kommt es auf die Reaktionsschnelligkeit an … Ausgeglichene Redezeit, häufige Wechsel, kurze Pausen – all diese Merkmale guter Gespräche sind in einer Ego-Unterhaltung schlechterdings nicht zu haben.“

JM: „ich! Ich! Ich!“, Psychologie heute 11/20, S. 46

Bei der Recherche bin einigen alten Bekannten begegnet. Zum Beispiel Jim Burnstein, der an der University of Michigan lehrt, wie man Drehbücher schreibt. Mit ihm habe ich über Dialoge in US-Serien und US-Filmen gesprochen. Wir kannten einander von zwei, drei Zufallsbegegnungen in und um Ann Arbor. Jim hält den Film „Die Reifeprüfung“ für einen Meilenstein westlichen Drehbuchschreibens. Der Film ist bis obenhin voll mit Gesprächen, in denen es zu keiner Verbindung zwischen den Personen kommt. Leeres Gerede. Sounds of Silence. Jim sagt: Ausgerechnet im ersten Moment des Films, der eine wirkliche Begegnung zeigt, werden wir als Zuschauer ausgeschlossen. Ben und Elaine sitzen dabei im Autokino – und kurbeln im entscheidenden Moment das Seitenfenster hoch. Wir bleiben draußen. Die Szene ist mir vorher nie aufgefallen. Ansonsten hat mich auch der Film „The Meyerowitz Stories“ fertig gemacht, wo vor allem Dustin Hoffman und Ben Stiller grausam grandiose Dialoge sprechen, die ausschließlich aus gleichzeitig stattfindenden, ohrenlosen Selbstgesprächen bestehen. Das Gegenstück dazu ist natürlich die Mumblecore-Serie „Easy“, die in ihren besten Momenten genau das Gegenteil zeigt: dass Begegnung – wahre Begegnung – im Gespräch tatsächlich möglich ist.

Dem großartigen Mor Naaman verdanke ich ein Paper über die Kommunikation auf Twitter. Mor sagt: Viele Nutzer reden dort fast nur von sich. Andere reden über andere Sachen. Mor nennt die einen „Meformer“ und die anderen „Informer“. Grob gesagt, lautet seine Analyse: Die Meformer sind häufiger. Die Informer haben aber mehr Follower. Kann man sich auch mal merken.

Am Kiosk liegt noch mehr

Zum Beispiel die neue Ausgabe von „P.M. History“.

Dafür habe ich ein längeres Porträt über Ferdinand Porsche beigesteuert. Interessanter Mann. Krass, was er alles erfunden hat. Sein erstes Elektroauto fuhr schon im Jahr 1900. Bald darauf hat er ein Hybridauto konstruiert. Er hat an Flugzeugen mitgeschraubt, an Luftschiffen, sogar Pläne für eine Art Elektro-Hubschrauber lagen in seiner Schublade – und zwar schon vor dem Ersten Weltkrieg. Im zweiten Krieg spielte er eine eher düstere Rolle. Sein Sohn hat später behauptet: „Höchstens ein halbes Dutzend Männer in ganz Deutschland konnten es wagen, sich Hitler gegenüber frei und offen zu äußern, und mein Vater war einer von ihnen.“ Manche haben Porsche als eine der „großen Verbrechergestalten“ der Nazizeit bezeichnet. Andere sehen in ihm nur den „besessenen Tüftler“, der sich für Politik nie interessiert habe. Fraglich, ob das ein Widerspruch sein muss. Fest steht: Wolfsburg, der Käfer – ohne Porsche hätte es beides nicht gegeben. Porsche hat Deutschland zum Autoland gemacht.

Nicht verschweigen will ich auch die aktuelle Ausgabe von „P.M. Fragen & Antworten“.

Darin beantworte ich ein halbes Dutzend Fragen aus der Psychologie. Zum Beispiel jene, ob ältere Geschwister wirklich mehr Verantwortung übernehmen als ihre jüngeren Schwestern und Brüder. Ich will die Antwort hier nicht spoilern. Aber … naja …, was wir darüber üblicherweise zu wissen glauben, stimmt vermutlich nicht.

bookmark_border„Küchenkriege“ – verbale Heimsuchungen

Kennt Ihr das auch? Manchmal taucht im Kopf ein Wort auf und weigert sich, wieder zu gehen. Wie ein zugelaufener Pudel. Verbale Heimsuchungen! Also seufzt man und spielt eine Weile damit. Zum Beispiel gestern. Plötzlich denkt es da in mir: „Küchenkriege“.

Könnte man googeln. Mais non! Man bemüht Gedächtnis und Vorstellung. Und schon fügt sich alles: Ahhh, die deutsch-dänischen Küchenkriege von 1857! Von vielen vergessen. Anfangs ging’s dabei ja nur um den Abwasch. Der erste Zwischenfall fand als „Scharbeutzer Spülstein-Scharmützel“ Eingang in regional-historische Abhandlungen, besonders in Jan-Jan Johannsens Standardwerk „Smørreblod“ von 1907 (gut informiert, aber auch SEHR nationalistisch).

Selbst beim Brei – wer hatte auf beiden Seiten das Sagen? Natürlich die Griestreiber! Auch die Mehlspeisen-Spezialisten witterten neue Märkte und schrien: „Zu den Waffeln!“ Fünische Fagottbläser zogen ins Tonstudio, um eine Schlachtplatte aufzunehmen. Dann ging’s um die Wurst. In Hamburg verbot man Røde Pølser – angeblich wegen der Zusatzstoffe (war natürlich reine Schikane). Endgültig vorbei war der Spaß, als die Reihe an den Hering kam: Die preußische Seite forderte den nordischen Nachbarn auf, die schlanken Fische ab jetzt ausnahmslos einzulegen – in eine saure Brühe aus Essig und Öl, mit Zwiebeln, Senfkörnern und Lorbeerblättern drin („Bismarckhering“; Bismarck gilt bei den Dänen sowieso als der schlimmste Typ aller Zeiten, is wirklich so). Ansonsten habe man der Gegenseite „nichts weiter zu sagen“ (mitgeteilt durch die berühmte „Rollmops-Depesche“ vom 13. Juli 1857). Ab da gab’s kein Halten mehr. Der Däne schlug los – und mit was für üblen Werkzeugen! Man sah Beile aus Vejle, Schilde aus Roskilde, Kanonen aus Ballerup! Das Blut der Gefallenen mischte sich mit der weißen Gischt der stürmischen Ostsee, stolze Recken, zerhackt zu Rødgrød med Fløde.

Mit dem Ruf „Nie wieder Æbleskiver“ griff man zu den Waffeln

Endlich – nach drei hartgekochten Monaten – einigte man sich auf ein Unentschieden. Offiziell. Denn natürlich hatten die Deutschen (naja: die Preußen und ihre Verbündeten) mal wieder den Kürzeren gezogen. Und bei Penny in Barmbek standen jetzt reihenweise Carlsberg-Kanister, Tuborg-Dosen und Faxe-Flaschen im Regal. Keine Frage: Mit dem „Hotdog-Frieden von Helsingør“ vom 30. Oktober 1857 (siehe Johannsen, S. 789) begann die dänische Küche ihren Siegeszug um die ganze Welt. Er dauert an bis heute.

So. Musste mal raus.

Meine Empfehlung: Sollten Eure Kinder in der Schule nie was über die Sache gelernt haben, dann wird’s mal Zeit für einen gepfefferten Brief an den Geschichtslehrer. Mit Zwiebelringen obendrauf!

bookmark_borderLangweilige Lebensbilder

In den sozialen Medien teilen Menschen dieser Tage Schwarzweißbilder ihres Alltags. Spannend. Meine Bilder sind dagegen langweilig – genau so wie weite Teile meines Lebens. Auf Facebook heißt es: Keine Erklärung zu den Bildern. Das geht natürlich nicht. Ich bin ein Mann des Wortes. Oben also: Jochen arbeitet an einem neuen Projekt und verzweifelt daran.

Buddha sagt: Alles ist eins. Geschirr benutzen, Geschirr abwaschen, Geschirr wegräumen, Geschirr benutzen usw.

Buddha sagt … ach, hatten wir schon. Also: Oben der Topf, unten die Schüssel. Alles ist eins.

Aber sauber muss alles sein!

Apropos. Heute hatte ich doch glatte DREI Diskussionen darüber, wer eigentlich die bekanntesten Deutschen sind. Mit meinem Sohn zusammen getippt: Beethoven, Goethe, Hitler (sorry).

Dann zwei Mal bei Leuten aus Michigan nachgefragt. Sie sagen ALLE erstmal Hitler. Unglaublich, eigentlich. Dann kommen nach einigem Nachdenken: Beethoven und Goethe, der für Amerikaner aber schwer auszusprechen ist.

Außerdem hörte ich: Bach, Gutenberg, Wernher von Braun – und Friedrich der Große. Und Angela Merkel. Und Hermann Hesse. Und auf Nachfragen kriegt man auch noch ein Nicken für Thomas Mann. Aber nur, weil man es in Ann Arbor mit verdammten Intellektuellen zu tun hat. Schon Bismarck kennt keine Sau. Auch Schiller nicht. Freud kennen alle. Aber: Österreicher.

Also jetzt. Für Beethoven: das Klavier.

Und weil mit Bach ein zweiter Komponist genannt wurde, schmeiß ich auch noch die Gitarre mir rein.

Außerdem. Die USA sind ein gespaltenes Land. Der gelehrte Richard Florida hat kürzlich gesagt: Wir Amerikaner müssen akzeptieren, dass wir nicht mehr miteinander reden können. Dass wir über uns viele Dinge niemals werden einigen können. Wir können uns nur darüber einigen, wie man Schlaglöcher repariert. „There’s no republican or democratic way to pave the roads.“ Heißt: Auf lokaler Ebene kann man praktisch nicht unterscheiden, zu welcher Partei ein Bürgermeister eigentlich gehört. Die Erfahrung hab ich in Deutschland auch gemacht. Erst auf Staatsebene laufen die Meinungen so richtig auseinander. Deshalb sollte man mehr Macht von der Zentralregierung abziehen und an die Kommunen, Kreise, Bundesländer geben. Keine Ahnung, ob das so komplett bis zum Ende durchgedacht ist. Aber interessant ist es doch.

Einstweilen leben die Leute halt zusammen wie Hund … 

… und Katze.

Am Morgen trinkt man seinen Kaffee … 

… spät am Abend putzt man sich die Zähne.

Und so wird aus Abend und Morgen ein neuer Tag. Alles ist eins. Sagt Buddha.

bookmark_borderKeine Ahnung von fast allem

Manchmal steh ich schon vor sechs Uhr auf, um mir den Sonnenaufgang über dem See anzugucken. Die Sonne geht im Osten auf. Das krieg ich gerade noch hin.

Aber ansonsten – da kann man machen, was man will – hat man ja keine Ahnung von fast allem. Stimmt nicht? Gut. Dann heute mal ein bisschen Ernüchterungsunterricht. Es wird eine Art Quiz. Vielleicht macht’s sogar Spaß. Bitte nicht googeln!

Wie viele dieser Fragen könnt Ihr beantworten?

  1. Welche Stadt hat Kaiser Julian beim Feldzug gegen die Sassaniden vergeblich belagert?
  2. Welcher Mönch gründete 695 auf einer Rheininsel im heutigen Düsseldorf ein Benediktinerkloster?
  3. Wann wurde zum ersten Mal die Stadt Salzwedel urkundlich erwähnt?
  4. Wer führte das Heer der Hussiten in der Schlacht bei Aussig im Jahr 1426?
  5. In welcher Schlacht errang Napoleon seinen letzten Sieg?
  6. In welchem Jahr wurde der Prager Pfingstaufstand niedergeschlagen?
  7. Wie nannte man den Kartoffelkäfer im Jahr 1950 in der DDR? (meine persönliche Lieblingsfrage)
  8. Wie hieß der Vorgänger von Klaus Wowereit als Regierender Bürgermeister von Berlin?
  9. Wie hieß die im Jahr 1947 im Saarland eingeführte Währung?
  10. Wann wurde in Japan der Verkauf der Antibabypille erlaubt?
  11. Wann flog die erste Frau ins Weltall?
  12. Wer schrieb die Operette „Hans Max Giesbrecht von der Humpenburg oder Die neue Ritterzeit“?
  13. Wie viele Passagiere überlebten den Untergang der „Drummond Castle“ im Jahr 1896?
  14. Wer war Johan Fredrik Eckersberg?
  15. Wie alt war Johan Fredrik Eckersberg, als der Apachen-Häuptling Geronimo geboren wurde?
  16. Wer hat Schuld am Bloomsday?

Bevor Ihr doch anfangt zu googeln: Alle Antworten gibt es auf der Wikipedia-Seite für den 16. Juni. Man könnte das eigentlich jeden Tag machen und Preise verteilen.

bookmark_border„Was machen Sie eigentlich beruflich?“

Kürzlich hat mich jemand sorgenvoll gefragt, was ich eigentlich beruflich mache. Die Frage ist berechtigt. Seit dem Beginn der Corona-Krise spende ich 15 bis 20 Prozent meiner Arbeitszeit, um diesen Blog zu schreiben („eigentlich“ sagt man „das Blog“, aber ich kann das nicht). Der ganze Rest nimmt also deutlich mehr Zeit ein – ist aber weniger sichtbar. Heute also drei aktuelle Antworten. Vielleicht inspiriert es ja jemanden, die entsprechenden Druckerzeugnisse zu erwerben, das würde mich freuen.

Da ist erstens die Psychologie Heute. Das Blatt ist immer noch eine Instanz. Mit dem Juli-Heft erscheint dort am kommenden Mittwoch „Siri, was stimmt nicht mit mir?“, eine Geschichte, auf die ich einigermaßen stolz bin. Ich musste mehrere Forschungs-Konferenzen besuchen (etwa die CSCW in Austin/Texas), um sie kapieren und schreiben zu können. Dies ist das Heft dazu:

Es geht im Kern um die Arbeit von Munmun De Choudhury, eine Informatikerin von der Georgia Tech. Munmun guckt sich an, was wir z.B. auf Twitter oder Facebook von uns geben. Ihr Computer kann aus diesen Daten dann ablesen, wie es unserer Psyche geht und ob wir womöglich Hilfe brauchen. Sie sieht unsere Krisen, bevor wir sie sehen. Manchmal: Monate vor uns. Ein Hammer, oder?

Munmun und ihre Kollegen, die an ähnlichen Projekten sitzen, analysieren zum Beispiel subtile Sprachmuster, aber auch die Bewegungsdaten unseres iPhones oder die Grautöne der Bilder, die wir posten. All das verrät etwas über uns. Der Text beginnt mit einem ähnlichen Gedanken, wie ich ihn hier gestern geäußert habe:

Man braucht keinen Zeitungsverleger mehr, um seine Ideen zu veröffentlichen. Auf Facebook, Twitter, Instagram, da geht das ganz leicht und deshalb machen es auch viele. (…) Wir gehen über die Straßen der digitalen Welt wie über frisch gegossenen Beton. Er härtet aus; un­sere Fußspuren bleiben sichtbar für lange Zeit. Und vielleicht noch deutlicher als einst bei Adenauer kann jeder erkennen, wie wir ticken, obwohl man uns gar nicht kennt.

„Siri, was stimmt mit mir nicht?“, Psychologie Heute, 7/2020

Leider – oder zum Glück? schwer zu sagen – liegt „Siri, was stimmt nicht mit mir?“ hinter einer Bezahlschranke. Man braucht ein Abo, um den Text lesen zu können. Oder man kauft sich das Heft am Kiosk oder den Artikel selbst für 1,99 Euro im Netz.

Die zweite Sache, von der ich etwas erzählen will, ist meine Arbeit für ein Heft namens „P.M. Fragen&Antworten“. Die Hefte sind immer interessant. Darüber hinaus hat das dortige Team in Zeiten der Pandemie eine neue Homepage aufgebaut, die ziemlich schick aussieht. Ich empfehle den Besuch. Man wird nicht dümmer dabei, versprochen. Dort arbeiten übrigens die härtesten Faktenchecker, denen ich bisher begegnet bin. Ich muss praktisch jeden Satz mit einer eigenen Studie belegen. Viel Arbeit. Ich hoffe, man sieht es den Texten nicht an. Wenn es sich einfach liest, hat es die meiste Mühe gemacht. Hier zum Beispiel ein kurzes Stück darüber, warum sich Vorurteile so lange halten.

Drittens hat mir mein Sohn gestern ein Foto geschickt – aus der April-Ausgabe von „P.M. History“. Dort ist meine Geschichte erschienen, in der es um das große Kawumm von Halifax geht – die größte menschengemachte Explosion vor der Atombombe. Nie davon gehört? Dann wird’s Zeit. Eine saftige Story über eine ganz unglaubliche Katastrophe, in der mehr Dinge schiefgegangen sind, als man sich so mal eben ausdenken kann. Wirklich. Wenn die Folgen nicht so schlimm gewesen wären, hätte man eine Slapstick-Komödie aus dem Stoff machen können.

Okay, hier, ein kleiner Ausschnitt: Zwei Schiffe dampfen durch die enge Hafeneinfahrt von Halifax. Das eine will hinaus, das andere hinein. Beide haben es eilig. Eines davon ist bis unter die Decke vollgestopft mit Sprengstoff und brennbaren Chemikalien. Das weiß aber keiner. Es ist nämlich gerade Krieg.

Drei Mal schicken die Kapitäne Signaltöne hin und her – jede Botschaft lautet im Wesentlichen: „Bitte ausweichen, ich halte meinen Kurs.“ Erst kurz vor dem Zusammenstoß verlieren die Kapitäne etwa zeitgleich die Nerven. Sie ändern ihre Fahrtrichtung. Tragischerweise entscheiden sich beide für dieselbe Seite.

„Die Apokalypse von Halifax“, P.M.-History, April 2020

Tja. Also: Das hier sind Dinge, die ich so beruflich mache. Ich liebe meinen Job. Er füttert meine Neugier, diesen hungrigen Drachen. Ich bin frei dabei und selbstbestimmt. Und all das ist Teil der Bezahlung. Hoffentlich kann ich das noch lange so machen. Das wäre klasse.