bookmark_borderPandemie und Emotion

Gerade habe ich auf Facebook dies hier geschrieben:

Einmal mehr brauche ich Eure Hilfe. Vor etwa einem halben Jahr habe ich hier eine kleine Umfrage gemacht: Wie fühlt Ihr Euch in der Pandemie. Welche Emotionen kommen da bei Euch hoch?

Zufriedenheit?
Neugier?
Angst?
Traurigkeit?
Dankbarkeit?
Liebe?
Wut?
Verzweiflung?
Hoffnung?
Vorfreude?
… ?

Mir ist aufgefallen, dass mein Gefühlshaushalt sich in den vergangenen sechs Monaten sehr verändert hat. Anfangs in den USA fand ich das Ganze noch spannend. Inzwischen bin ich wieder in Europa. Ich sehe Freunde, gelegentlich meine Kinder; Eltern und Geschwister und deren Familien habe ich getroffen. Das war schön. Trotzdem. Ich vermisse meine Lebensgefährtin, die noch immer in Michigan sitzt. Ein paar Leute dort drüben, die auch zu Freunden geworden sind. Irgendwas ist immer. Das Land dort drüben ist, wie man hört, in keinem guten Zustand. Aber welches Land ist das schon?

Die anfängliche Neugier in der Pandemie ist bei mir fast komplett weg. An guten Tagen stehe ich auf, mache meine Arbeit und gehe am Abend zum Sport. Ich tu dann so, als wär nix. Das ist keine sehr originelle Strategie. Andere tun das auch. Das habe ich von Ernst-Dieter Lantermann gelernt, einem Sozialpsychologien, den ich vor einiger Zeit mal für Psychologie Heute interviewt habe (das komplette Interview findet sich hier – leider nur hinter eine Bezahlschranke; wer ein Abo hat, kann es kostenlos lesen). Lantermann hat vor vielen Jahren mal Leute für ein Experiment per Computersimulation in hoffnungslose Situationen getrieben. Viele von denen haben dann so reagiert: Statt das große Ganze zu retten, haben sie sich nur ein winziges Detail herausgegriffen und nur noch daran gearbeitet – dies aber mit besessener Gründlichkeit. Um sie her ging alles den Bach runter. Sie haben das einfach ausgeblendet. Aber diese eine Schraube, an der sie gefeilt haben, die war am Ende perfekt!

Ansonsten überkommen mich düstere Ahnungen, was die Zukunft betriff. Also: für alle. Mir fehlen im Übrigen die Dinge, auf die ich mich freuen kann. So weit von meiner Seite.

Meinen Blogeintrag von damals findet Ihr übrigens hier: Er war, wie fast alles, was ich damals gebloggt habe, als eine Art Flaschenpost gedacht an die Menschen, die wir morgen sein werden. Damit es möglich wird, sich später einigermaßen korrekt zu erinnern. Erinnerung ist flüchtig und trügerisch. Man vergisst und verdreht, ohne es bewusst zu wollen.

So.

Bin gespannt auf Eure Antworten.

bookmark_borderWarum Joe Biden die Wahl gewinnt – Besuch bei Gerd Gigerenzer

Vergangene Woche war ich in Berlin am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, um Gerd Gigerenzer zu treffen. Er war dort 20 Jahre lang Direktor und ist einer der bekanntesten Psychologen Deutschlands, ach was: der Welt.

Wir haben viel gelacht, auch ein paar Streitpunkte entdeckt und ansonsten über alles Mögliche geredet: Sex, Drugs, Rock’n’Roll, Innovation, psychologische Theorien, ein wenig Klatsch – und natürlich auch über die anstehende Präsidentschaftswahl in den USA.

Gerd Gigerenzer – das muss man vorausschicken – ist ein Freund von Heuristiken. Er sagt: In der Welt gibt es Risiko und Ungewissheit. Risiko meint: Man weiß nicht, wie’s ausgeht, aber man kennt die statistischen Wahrscheinlichkeiten. Beim Würfeln ist das so. Beim Roulette. Sogar beim Schach.

Und dann gibt es noch die Ungewissheit. Die herrscht überall dort, wo man auch nicht weiß, wie’s ausgeht, aber auch die Wahrscheinlichkeiten nicht kennt. Etwa, weil zu viele Faktoren eine Rolle spielen, oder weil das Kräfteverhältnis dieser Faktoren sich permanent ändert, weil die Welt von morgen vielleicht nach anderen Regeln läuft als die Welt von gestern und dergleichen mehr. Das ist zum Beispiel in der Finanzwelt der Fall.

Gigerenzer glaubt: Wenn man die Situation einigermaßen kennt („Risiko“), fährt man am besten mit Big Data, mit Machine Learning und komplizierten Modellen. Wenn die Situation aber chaotisch ist („Ungewissheit“), braucht man einfache und robuste Modelle, so genannte Heuristiken, also Faustformeln, die man leicht verstehen und nachvollziehen kann.

Wir alle erinnern uns an die Wahlprognosen aus dem Jahr 2016. Damals haben alle Modelle einen Sieg für Hillary Clinton vorhergesagt. Gerd Gigerenzer hat mich jetzt auf einen Typen hingewiesen, der damals korrekt auf Trump getippt hat. Und der auch bei allen anderen Präsidentschaftswahlen seit den 1980er Jahren richtig lag. Der Typ heißt Allan Lichtman und ist Historiker. Die Details seiner Prognose für 2020 findet man hier in einem Video der New York Times.

„Lichtman arbeitet nicht mit Big Data, sondern mit einer einfachen Heuristik“, sagt Gigerenzer. Genauer: Lichtman hat 13 „Schlüssel zum Weißen Haus“ identifiziert. Jeder Schlüssel ist eine einfache Aussage, die man mit „wahr“ oder „falsch“ beantworten kann. Wenn sechs oder mehr dieser Aussagen „falsch“ sind, verliert der Kandidat der Regierungspartei.

Ulkig: Den Anfang für Lichtmans Arbeit machte eine ungewöhnliche Begegnung. Lichtman wurde von einem russischen Forscher angesprochen, der bis dahin Erdbeben-Vorhersagen gemacht hatte. Und genau so funktioniert auch Lichtmans Heuristik. Stabilität ist gut für die Regierung. Zu viel Unruhe gleicht jedoch einem Erdbeben – sie reißt ein, was ist und fordert etwas Neues. Naja. Zumindest in der Tendenz.

Jedenfalls prophezeien Lichtmans „Schlüssel zum Weißen Haus“ derzeit: Trump wird verlieren, Biden gewinnen. Und wenn man genauer hinschaut, merkt man: Schuld daran sind weder Trumps Lügen noch Bidens Mitgefühl. Sondern in erster Linie Corona. Ohne die Pandemie hätte Lichtmans Heuristik einen Sieg des Amtsinhabers vorhergesagt. Tja. So kann’s gehen. Zufall regiert die Welt.

„Laut Lichtman gewinnt Biden“, sagt Gerd Gigerenzer. „Falls Trump nicht noch einen Krieg anzettelt. Denn dann sind die Amerikaner geschlossen hinter ihm.“

Man lernt immer was, wenn man interessanten Leuten begegnet.

bookmark_border„Was in dem Schlaf für Träume kommen mögen“

Die Überschrift ist – die KennerInnen haben’s längst erkannt – ein etwas dramatisches Hamlet-Zitat. Bei Shakespeare geht’s ja eigentlich gar nicht um den Schlaf, sondern um den Tod und welche Filme einem nach dem Ableben gezeigt werden. In diesem Blog-Eintrag geht’s dagegen ganz banal: um den Schlaf während der Pandemie.

Wie ist das bei Euch? Schlaft Ihr besser also sonst? Schlechter? Genau so gut oder schlecht?

Bei mir ist das Ergebnis gemischt. Es hängt zum Beispiel davon ab, ob ich das Handy griffbereit neben mir liegen habe oder nicht. Seit einigen Tagen lege ich das Ding auf einen Tisch, der in der Mitte des Zimmers steht. Ich muss aufstehen, um es zu greifen. Seither schlafe ich besser.

Heute habe ich eine Studie aus Italien gelesen, die sich ein bisschen systematischer mit der Sache befasst. Viele der 121 Teilnehmerinnen und Teilnehmer schlafen seit Ausbruch der Pandemie, seit Lockdown und Homeoffice tatsächlich schlechter als zuvor. Besonders die Männer. Woran das liegt, weiß man natürlich nicht. Man hat es nämlich nicht untersucht. Trotzdem haben die Studienautoren natürlich einen Verdacht und äußern ihn auch: Man bewegt sich weniger (weil man mehr zu Hause sitzt) und sitzt auch länger vor dem Rechner als sonst. Vor allem am Abend. Das blaue Licht aus dem Bildschirm stört den Schlafrhythmus. Zack, fertig!

Wie gesagt: Die Gründe für den schlechten Schlaf waren nicht Gegenstand der wissenschaftlichen Arbeit. Dazu hat man nur ein paar „educated guesses“ rausgehauen. Das findet man sehr oft. Wenn Studien in den Medien (auch den sozialen Medien) ein Echo finden, liest und hört man aber oftmals genau von diesem Teil. Also genau von dem, was eigentlich gar nicht Wissenschaft ist, sondern nur eine Vermutung. Das finde ich problematisch. Zugegeben: Ich habe jetzt auch keine erstklassige Idee, wie man das ändern kann. Und, klar, die Sache bringt mich auch nur selten um den Schlaf. Ein Problem ist es trotzdem.

Eine neue Studie aus Frankreich gibt zehn Tipps, wie man trotz Corona-Stress und Homeoffice ruhig schlafen kann.

  • Regelmäßige Schlafzeiten einhalten.
  • Tagsüber bestimmte Zeiten in den Kalender eintragen (und einhalten), in denen man gezielt über seine Sorgen nachdenkt/darüber Tagebuch führt. Das ist sozusagen die exklusive Sprechstunde, die man seinen Sorgen einräumt, damit sie Ruhe geben und einem tagsüber und nachts nicht dauernd in alles reinquatschen. Clever!
  • Das Bett möglichst nur zum Sex und zum Schlaf nutzen und nicht für andere Aktivitäten.
  • Es gibt ja Frühaufsteher, Nachtmenschen und ganz viele Leute, die irgendwo dazwischen liegen. Jetzt ist die beste Zeit, seinem eigenen Rhythmus zu folgen.
  • Man soll Social Media nutzen, um Sorgen oder Humorvolles mit anderen zu teilen und soziale Unterstützung zu kriegen. Aber die Endgeräte haben nachts im Bett nix verloren (sag ich doch!).
  • Man soll viele Dinge tun, die man gerne macht.
  • Man soll sein Schlafzimmer möglichst gemütlich gestalten.
  • Man soll es tagsüber hell haben und nachts möglichst dunkel.
  • Man soll möglichst entspannende Dinge tun, bevor man schlafen geht (z.B. Yoga, ein Buch lesen).
  • Wenn man sich weniger bewegt als sonst, sollte man auch weniger essen. Und zwei Stunden vor der Bettruhe: am besten gar nichts mehr.

Die Sache mit dem Essen scheint in der Tat ein Thema zu sein. So hat sich die oben erwähnte Studie aus Italien noch angesehen, wie sich das Körpergewicht der Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch Homeoffice verändert hat. Das Ergebnis lautet grob gesagt: Die Dicken haben nicht zugenommen. Die Schlanken aber schon. Und zwar im Durchschnitt um rund 2,5 Kilogramm.

Für mich heißt das: Ich liege mit meinem neu erworbenen Bäuchlein noch um 400 Gramm unter dem Durchschnitt. Und das finde ich schon wieder erleichternd!

bookmark_borderHamburg ist anders

Seit mehr als fünf Wochen wieder in Deutschland. Dabei sind mir mehrere Dinge aufgefallen. Vorweg schon mal so viel: Das Leben in Hamburg ist anders als das Leben in Michigan.

  1. Das Bild oben. War mit B. an der Elbe. „Wow, guck mal, die Wolken, wie toll, wie bedrohlich.“ Wir stehen also da und machen Bilder wie die Idioten. Zwei Minuten später fängt’s an zu regnen. Und zwar tüchtig. Ich natürlich: keine Jacke dabei, kein Regenschirm. Nur kurze Hose und T-Shirt. Also am Ende sehr nass geworden und dann irgendwann durchgefroren wieder nach Hause gekommen. Was ich damit sagen will: Manchmal sieht man’s kommen und zieht trotzdem die falschen Schlüsse.
  2. Nochmal das Bild oben. Man sieht unschwer, dass jemand rechts unten hastig jemanden rausretuschiert hat. Und das kam so:
    B. und ich sitzen auf einer Art Industriebühne an der Elbe und quatschen. Viele Leute kommen vorbei. Klar. Bei einem einzigen denke und sage ich: „Den kann ich nicht leiden.“ Ich glaube, es ist diese aufgesetzte „ich hab’s geschafft und mir kann keiner was“-Attitüde, die der Typ vor sich herträgt (mein Film, klar). Und jetzt, Tage später, lade ich ausgerechnet dieses Bild vom Hafen hoch. Wer ist drauf auf dem Bild? Eben: der einzige Mensch, den ich an diesem Tag nicht leiden konnte. Interessant, oder? So funktioniert Dialektik. Die Menschen, die uns gegen den Strich gehen, sind manchmal die wichtigsten Menschen in unserem Leben. Und auch diejenigen, die irgendwie bleiben. Is nicht immer so. Aber oft.
  3. Jetzt zu Corona. Mein Verhalten, meine Gewohnheiten, das, was sich meiner Meinung nach gehört – all das hat sich sehr gewandelt im Vergleich zu den Monaten in Michigan. Ich gehe hier viel, viel lockerer mit dem Virus um, als ich das da drüben getan habe. Ich gehe zu Leuten ins Haus und in die Wohnung (in Michigan: no way!). Leute waren bei mir in der Bude (in Michigan: praktisch niemand jemals). Ich habe mehrfach in der Halle Sport getrieben (dort: nope!). Ein paar Leute habe ich umarmt (dort: nur Leute, mit denen ich zusammengewohnt habe). Und klar, im Supermarkt trage ich eine Maske. Aber ich achte hier viel weniger auf die anderen Leute und habe auch weniger das Gefühl, sie könnten meine Gesundheit bedrohen. Usw.
  4. Man könnte sagen: Es liegt an der Basisrate. Hier gibt’s weniger Fälle als in den USA. Es ist also vernünftig, weniger Angst zu haben.
  5. Oder es liegt an den Erfahrungen der vergangenen Monate vor Ort. In Michigan haben sie im Krankenhaus die Corona-Leichen im Schlaflabor gestapelt und hatten Angst, dass ihnen die Säcke zum Verpacken der Toten ausgehen. So krass war es hier nie. Im Flugzeug zurück über den Atlantik saß in meiner Reihe ein sehr nervöser, ängstlicher Mann. Er kam aus Norditalien. Jeder hat verstanden, warum er mehr Angst vor dem Virus hatte als die anderen.
  6. Man lässt sich (jetzt kommt ein Wortspiel) natürlich auch anstecken. Soziale Normen (also die Dinge, die sich gehören) vermitteln sich über Nachahmung. Man macht, was die anderen machen. Wenn man in Rom ist, macht man’s wie die Römer. In Hamburg macht man’s wie die Hamburger. Hamburg ist anders als Ann Arbor.
  7. Was war noch. Ah so. Die Demo in Berlin. Kapier ich nicht. Wer ist das? Ein Rätsel.
  8. In Läden rumgefragt: „Wie laufen die Geschäfte?“ Der Bäcker unten am Fluss sagt: Unser Umsatz liegt bei 60 Prozent. Die Touristen sind da. Das ist gut. Die Locals sind da. Fein. Aber die Büros in der Gegend stehen alle leer. Alle im Homeoffice. Großer Mist. Der Typ im Sportgeschäft sagt: Geschäft läuft okay. Bisschen weniger als sonst. Aber alles im Rahmen. Ein Bekannter von mir hat viel mit den Ladenbesitzern in Ottensen geredet. Er behauptet: „Viele von denen sind längst pleite.“ Sie machen trotzdem weiter. Man muss eine Insolvenz in Zeiten der Pandemie nämlich nicht melden. Könnte also sein, dass viele Läden, in denen wir einkaufen, im Grunde so etwas wie Zombie-Unternehmen sind. Einen einzigen Laden habe ich gefunden, dessen Besitzer glücklich ist. Der Typ betreibt einen Angelladen. Er sagt: Bei mir ist so viel los wie noch nie. Wär ich nie drauf gekommen.

bookmark_border„Küchenkriege“ – verbale Heimsuchungen

Kennt Ihr das auch? Manchmal taucht im Kopf ein Wort auf und weigert sich, wieder zu gehen. Wie ein zugelaufener Pudel. Verbale Heimsuchungen! Also seufzt man und spielt eine Weile damit. Zum Beispiel gestern. Plötzlich denkt es da in mir: „Küchenkriege“.

Könnte man googeln. Mais non! Man bemüht Gedächtnis und Vorstellung. Und schon fügt sich alles: Ahhh, die deutsch-dänischen Küchenkriege von 1857! Von vielen vergessen. Anfangs ging’s dabei ja nur um den Abwasch. Der erste Zwischenfall fand als „Scharbeutzer Spülstein-Scharmützel“ Eingang in regional-historische Abhandlungen, besonders in Jan-Jan Johannsens Standardwerk „Smørreblod“ von 1907 (gut informiert, aber auch SEHR nationalistisch).

Selbst beim Brei – wer hatte auf beiden Seiten das Sagen? Natürlich die Griestreiber! Auch die Mehlspeisen-Spezialisten witterten neue Märkte und schrien: „Zu den Waffeln!“ Fünische Fagottbläser zogen ins Tonstudio, um eine Schlachtplatte aufzunehmen. Dann ging’s um die Wurst. In Hamburg verbot man Røde Pølser – angeblich wegen der Zusatzstoffe (war natürlich reine Schikane). Endgültig vorbei war der Spaß, als die Reihe an den Hering kam: Die preußische Seite forderte den nordischen Nachbarn auf, die schlanken Fische ab jetzt ausnahmslos einzulegen – in eine saure Brühe aus Essig und Öl, mit Zwiebeln, Senfkörnern und Lorbeerblättern drin („Bismarckhering“; Bismarck gilt bei den Dänen sowieso als der schlimmste Typ aller Zeiten, is wirklich so). Ansonsten habe man der Gegenseite „nichts weiter zu sagen“ (mitgeteilt durch die berühmte „Rollmops-Depesche“ vom 13. Juli 1857). Ab da gab’s kein Halten mehr. Der Däne schlug los – und mit was für üblen Werkzeugen! Man saß Beile aus Vejle, Schilde aus Roskilde, Kanonen aus Ballerup! Das Blut der Gefallenen mischte sich mit der weißen Gischt der stürmischen Ostsee, stolze Recken, zerhackt zu Rødgrød med Fløde.

Mit dem Ruf „Nie wieder Æbleskiver“ griff man zu den Waffeln

Endlich – nach drei hartgekochten Monaten – einigte man sich auf ein Unentschieden. Offiziell. Denn natürlich hatten die Deutschen (naja: die Preußen und ihre Verbündeten) mal wieder den Kürzeren gezogen. Und bei Penny in Barmbek standen jetzt reihenweise Carlsberg-Kanister, Tuborg-Dosen und Faxe-Flaschen im Regal. Keine Frage: Mit dem „Hotdog-Frieden von Helsingør“ vom 30. Oktober 1857 (siehe Johannsen, S. 789) begann die dänische Küche ihren Siegeszug um die ganze Welt. Er dauert an bis heute.

So. Musste mal raus.

Meine Empfehlung: Sollten Eure Kinder in der Schule nie was über die Sache gelernt haben, dann wird’s mal Zeit für einen gepfefferten Brief an den Geschichtslehrer. Mit Zwiebelringen obendrauf!

bookmark_borderSo wichtig ist der Filter

Jetzt bin ich seit zwei Wochen wieder in Deutschland und noch immer nicht richtig angekommen. Wegen, na, Ihr wisst schon. Einfach weniger rausgegangen und viel weniger Leute gesehen, als ich das in der Zeit vor Corona getan hätte. Is einfach so.

Dafür mehr in der Bude gesessen und Kaffee getrunken. Irgendwann waren deshalb die Filter alle. Also neue gekauft. Ich neige grundsätzlich zur Sparsamkeit und erwerbe tendenziell No-Name-Produkte. Sie sind billiger und nur unwesentlich schlechter, falls überhaupt. Aber herrje. Im Regal gab’s in Größe 4 nur noch Markenfilter. Also hab ich diesmal halt die genommen.

Am nächsten Morgen Kaffee gemacht. Bei Nicki (roter Pfeil) erledigt das eine tüchtige Maschine. Hier in Hamburg brühe ich direkt in meine Tasse (blauer Pfeil). Alles andere lohnt sich nicht.

Und beim ersten Schluck hab ich gedacht, mich trifft der Schlag. Der Kaffee – aus derselben Packung – hat viel, viel besser geschmeckt als an den Tagen zuvor. So wichtig ist der Filter! Wer hätte das gedacht? Ich nicht (falls Ihr’s gewusst habt oder widersprechen wollt: Ich freue mich auf Reaktionen).

Jetzt könnte man zwanglos auf den Eintrag von vorgestern verweisen, den „confirmation bias“, also die Tatsache, dass wir die Welt immer so sehen, wie wir sie sehen wollen. Vorerfahrung als „Filter“ und so weiter. Schenk ich mir aber. Kann sich eh jeder selber denken.

Nicht selber denken kann man sich aber dies: Wenn ich unten an der Elbe bin, seh ich andauernd irgendwelche Kreuzfahrtschiffe. Etwa die Europa 2.

Oder dieses Aida-Teil.

Oder die Hanseatic Irgendwas.

Dicke Büffel, die mit den Hufen scharren. Wer weiß? Vielleicht sind die Betreiber bald alle pleite. Dann liegen die Pötte irgendwo am Kai und man macht Studentenwohnheime draus. Ober Unterkünfte für obdachlose Matrosen. Man kennt die Zukunft einfach nicht gut genug. Die Betreiber, so habe ich im Internet gelesen, freuen sich jedenfalls darauf, bald, sehr bald, schon wieder mit vielen Leuten an Bord übers Meer zu fahren. Alles eine Frage des Filters.

Und auch die sind irgendwie unsicher. Denn vielleicht war der Kaffee ja auch nur deshalb so aromatisch, weil meine Mutter mir eine Linzer Torte in die Post gesteckt hat.

Die jedenfalls, das weiß ich ganz sicher, hat sehr, sehr gut geschmeckt.

bookmark_borderÜber Darwin, das Vergessen und das Rechthaben

Darwin war natürlich nicht Gott. Ein Gigant, das schon. Aber fehlbar. Und er hat es gewusst. 1876 soll er dies gesagt haben: Er habe es sich zur Gewohnheit gemacht, „sofort und ohne Ausnahme eine Notiz anzufertigen, wann auch immer mir ein publizierter Sachverhalt, eine neue Beobachtung über den Weg liefen, die meinen eigenen allgemeinen Ergebnissen widersprachen. Denn ich hatte aus Erfahrung gelernt, dass solche Tatsachen und Gedanken die Angewohnheit hatten, meinem Gedächtnis leichter zu entgleiten als Dinge, die mir in den Kram passten.“ Auch in Hamburg an der Elbe (siehe das Bild oben und das Bild unten) haben Leute sich „eine Notiz gemacht“, weil etwas ihren Ansichten zuwiderlief.

Inzwischen haben die Psychologen ja längst festgestellt, dass nicht nur Darwins Gedächtnis so funktioniert. Es geht allen so. Unser Hirn ist eine unfaire Lehrerin, die ihre Lieblingsschüler hat. Wir scheinen die Welt recht gründlich nach allem zu durchkämmen, was uns Recht gibt. „Du hast Recht.“ Das wollen wir hören. Alles andere wird übersehen, vergessen, heruntergespielt. Dieser „Confirmation Bias“ oder „Bestätigungsfehler“ ist natürlich längst kein Geheimtipp mehr. Er wird zwar nicht ganz so häufig gegoogelt wie „Ödipuskomplex“ – aber häufiger als „Schreibblockade“. Und das muss man erst mal schaffen.

Schwer zu kapieren ist der Bestätigungsfehler eigentlich nur bei einer einzigen Person. Nämlich bei uns selbst. Bei allen anderen versteht man ihn sofort. Klingt wie ein Witz, ist aber so. Sich eingestehen, dass man mit allem komplett daneben liegen könnte – das ist sehr, sehr schwer. Ich vermute: Weil es zu sehr am Fundament dessen rüttelt, was wir unser Selbst nennen. Am Gefühl, gestern, heute und morgen irgendwie dieselbe Person zu sein. Denn auch das ist ja viel schwerer und macht im Maschinenraum der Seele viel mehr Arbeit, als wir ahnen.

Jedenfalls habe ich heute vor meinem Morgenkaffee einen aktuellen Beitrag der britischen Psychologin Dorothy Bishop in „Nature“ gelesen. Aus diesem Beitrag stammt auch das obige Darwin-Zitat. Der Artikel ist ganz hervorragend. Bishop fordert darin: Man müsse als Wissenschaftler aufhören, sich mit Statistik selbst zu bescheißen. Denn die Tendenz – siehe oben – hat leider jeder. Den Confirmation Bias kann man nicht wegmachen. Er bleibt, selbst wenn man einen Doktortitel hat. Was dagegen tun? Bishop sagt: Mehr Checke von Statistik haben. Es müsse laufen wie im Chemie-Labor. An Signifikanzwerte („p-values“) dürfe man die Studierenden erst ranlassen, wenn sie gelernt haben, mit diesem explosiven Stoff auch sicher umzugehen. Sie gibt auch ein paar schöne Lehrbeispiele, wie das geht. Ich empfehle einen Klick auf den obigen Link, wenn man in zehn Minuten seine (womöglich alten) Statistik-Kenntnisse auffrischen möchte. Dorothy Bishop macht das sehr anschaulich und fast ohne Mathe.

Wenn man von der Elbe hoch zur alten Post schlendert, sieht man auf dem Boden die verblassenden Abstandsmarkierungen neben Ikea.

Einsfuffzich Abstand. Es war nur für den Moment. Und man fand es irgendwie doof. In drei, vier Wochen sieht man davon vermutlich nichts mehr. Der Abrieb von den Sohlen der Flaneure. Die Sonne. Der Regen. Tja.

Auch die Stadt hat ein Gedächtnis. Und auch dem scheinen manche Dinge leichter zu entgleiten als andere.

bookmark_borderNegativ ist das neue Positiv

Am Morgen die Corona-Warn-App runtergeladen. Damit kann ich den QR-Code scannen, den man mir gestern beim Roten Kreuz mitgegeben hat. So gegen 10:30 Uhr krieg ich dann tatsächlich mein Ergebnis (nach weniger als 20 Stunden; auch hier wieder: Warte-Management wie aus dem Lehrbuch. Die Leute in den Vergnügungsparks machen das genau so). Noch wichtiger aber: keine Viren. Negativ ist das neue Positiv. Puh. Glück gehabt. Außerdem jetzt: Freiheit!

Am Nachmittag dann runter zur Elbe. Endlich! Viele Botschaften an den Wänden. Information ist überall. Die Häuser reden. Hier zum Beispiel, dieser Satz. Später gegoogelt. Null Treffer. Also: originell.

Andernorts lese ich vorwurfsvolle Appelle gegen das reine Beobachten (ich nehme es persönlich).

Dann aber auch wieder Aufmunterungen. Gefällt mir:

Und Vorfreude aufs Wasser. Ich schätze die Geste. Dennoch denke ich: Heute ohne mich. Die Elbe müffelt recht streng unter den Achseln.

Was allerdings wirklich schwimmt, ist das Kreuzfahrtschiff am Anleger. Wie jetzt? Die gibt’s noch? Oder wieder? War mir entgangen. Ich ringe um Fassung.

Die knapp hundert Stufen aufs Dockland genommen. Ist schon schön hier. Und überhaupt: draußen sein. Eine Woche Hausarrest genügt – schon rührt einen ein schlichter Spaziergang fast zu Tränen.

Sieht aber keiner. Denn zum Glück trage ich Sonnenbrille.

Auch die Kameras sehen – zum Glück – nicht alles. Und so beginnt das Wochenende.

bookmark_border„Das kann jetzt ein bisschen unangenehm werden“

Beim Roten Kreuz in Hamburg-Hamm gewesen, um mich auf Covid-19 testen zu lassen. Termin ist um halb – ich bin ein paar Minuten zu früh dort. Kümmert aber keinen. Vor mir warten etwas mehr als 20 andere Leute, manche zu Fuß, andere im Wagen. Klebeband auf dem Einfahrtspflaster verrät, wie das Warten funktioniert: Immer schön Abstand halten. Weiße und rote Pfeile weisen den Weg. Man sieht sofort: Aha, getestet wird im Hof und nicht auf der Straße. Gut zu wissen. 

Auf dem Grundstück parken Rettungswagen. Wichtig, dass alle das Logo sehen.

Absperrband und hilfreiche Schilder versperren alle Pfade, die fort vom Ort der Testung führen. Ich spreche ironisch, aber eigentlich befürworte ich solche Maßnahmen. Wenn Menschen (z.B. ich) in neue Situationen kommen, werden sie auf einmal ausgesprochen dumm. Es kostet sehr viel Rechenleistung, sich in solchen Umfeldern zu orientieren. Alles, was einem das Denken abnimmt, macht die Sache einfacher. Don’t make me think. Also: dafür.

Die Schlange stockt zunächst bei einem freundlichen jungen Mann in DRK-Uniform mit Maske über Nase und Mund („Keine Fotos, bitte“). Er fragt nach dem Namen, kramt dann das vorbereitete Formular aus seiner Mappe (man braucht einen Termin, um getestet zu werden, kein Formular in der Tasche des Meisters -> kein Test). Er erklärt, was mit dem Zettel zu tun ist. Hier ein Kreuz. Hier das Datum. Dort die Unterschrift. Zack!

Personalausweis und EC-Karte habe ich dabei. Er fragt aber weder nach dem einen noch nach der anderen. Bezahlt wird später. Außerdem scheint es zu genügen, dass der Name, den ich nenne, derselbe ist wie der Name auf dem Formular. Kann man so machen. Da ich aber „Better Call Saul“ gesehen habe, fallen mir sofort allerhand Wege ein, wie man mit diesem Verfahren Schindluder treiben könnte. Wie gesagt: könnte. Denn: Wer macht schon so was?

Ab geht’s zur nächsten Station. Dort stehen zwei weitere Männer, ihre Klamotten sehen deutlich stärker nach Pandemie aus. Der eine erledigt die Fußgänger, der andere die Autofahrer. Weil ich mich beruflich seit etwa acht Jahren immer mal wieder mit dem Design von Warteschlangen befasse, hab ich auf so was stets ein Auge. Die Sache scheint hier gut organisiert zu sein. Die beiden Schlangen bewegen sich ungefähr gleich schnell. Löblich.

Man überreicht dem zuständigen Abstreicher also seinen Zettel. Er verschwindet im Haus, klebt eine Auftragsnummer in das vorgesehene Feld, dann kommt er wieder und drückt einem den Abschnitt in die Hand. Darauf steht neben besagter Nummer (achtstellig) ein QR-Code. Den kann man anderntags scannen und kriegt dann seinen Bescheid aufs Handy gespielt. Der Mann zückt ein Plastikröhrchen und holt einen Wattestab heraus. „Ich mache einen Abstrich von den Wangentaschen, dem Rachen und den beiden Nasenlöchern. Das kann jetzt ein bisschen unangenehm werden.“ Er tut wie angekündigt. Ist aber alles weniger schlimm, als es mir berichtet wurde. Der Mann packt den Wattestab zurück ins Plastikrohr, winkt und dann geht’s flugs zurück nach Hause. 

Okay. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht mehr so genau, ob er wirklich „Wangentaschen“ gesagt hat. Vielleicht war’s auch „Backentaschen“. Aber irgendwas mit „Taschen“, das kann ich beschwören. Hab mich nämlich drüber gewundert.

Der junge Mann im Eingangsbereich meint: An diesem Tag schleusen sie hier innerhalb von zwei Stunden rund 150 Leute durch. Tüchtig! „Ergebnisse kriegen Sie in 24 oder 48 Stunden.“ Ich so: „Welche Variante ist denn wahrscheinlicher?“ Er so: „Fifty-Fifty.“ Das erste Fifty wäre mir lieber. Die 48 Stunden dauern in Wahrheit nämlich bis Montag. Andererseits wähle ich das virenfreie Resultat am Montag natürlich immer über eine positiven Befund am Freitag.

Eine Sache noch. Nach mehr als sechs Tagen in Quarantäne habe ich auf dem Weg zum Test jetzt zum ersten Mal die Straßen von Hamburg unten an der Elbe gesehen. Da waren sehr viele Leute unterwegs. Viel mehr Leute als gedacht. Dafür weniger Masken, als ich erwartet hatte. So gleicht sich alles aus.

Ich berichte dies kühl. Trotzdem muss ich gestehen, dass ich dabei eine gewisse Beklemmung empfunden habe. Die nächste Welle kommt. Jeder weiß es. Und vielleicht will man die letzten Tage nochmal genießen, in denen es einigermaßen geht. So stell ich mir das zumindest vor.

Die Stadt stellt es sich offenbar auch so vor: In den Vierteln, in den was los ist in Hamburg, darf am Wochenende ab 20 Uhr kein Alkohol auf die Straße verkauft werden. Alle wollen noch ein paar südlichere Tage. Die einen heftiger. Die anderen mehr. Mal sehen, wer am Ende kriegt, was er will.

bookmark_border134 Anrufschleifen für einen Corona-Test

Am Freitag bin ich aus den USA wieder nach Hamburg gekommen. Risikogebiet. Also Quarantäne. Alles schon erzählt.

Am Wochenende dann versucht, das Rote Kreuz zu erreichen. Dort kann man sich angeblich auf eigene Kosten auf das Virus testen lassen. Jemand von der Hamburger Corona-Hotline hat mir am Freitag erzählt, dass ein negativer Test mir vorzeitigen Freigang verschafft. „Wenn Sie denn jemanden finden, der sie testet.“

Ein AB verrät mir, dass das Telefon am Wochenende nicht besetzt ist. Aber dafür an allen anderen Tagen von 8 bis 20 Uhr.

Aus diesem Grunde schmeiße ich hier noch das Bild eines Regenbogens mit rein. Hab ich am Sonntag geschossen. Ist es nicht verwegen, dieses Symbol der Hoffnung ausgerechnet in Schwarzweiß abzubilden? Mit diesem Kniff transportiert man zwei gegensätzliche Gefühle auf zugleich: Optimismus. Ja. Aber auch Skepsis. Clever!

Also am Montag ab 8 Uhr dann die Nummer des DRK gewählt. Dort läuft ein Band mit Musik und einer Ansage. „Leitstelle Hamburg. Bitte legen Sie nicht auf. Wir sind sofort für Sie da.“ Dann wieder Musik. Dann ein kurzer Cut – und Sache beginnt wieder von vorn. Die Schleife dauert 18 Sekunden, die Musik spielt in G-Dur. Ich hatte gestern und heute genau 134 mal die Chance, mir die Sache anzuhören. Keine Beschwerde. Nur eine Feststellung. Eine einzige Nummer für eine Stadt wie Hamburg. Unter normalen Zeiten ist das viel. In einer Pandemie ist es wenig. Zum Mittag: Rote Bete mit Kartoffelstampf. Lecker!

Aber gegen 17 Uhr – ich versuche mein Glück immer mal wieder, aber nie für viel länger als zehn Minuten am Stück – ist die Leitung plötzlich frei. Ich erwarte in der Stimme am anderen Ende jenen Ton von Zermürbtheit, der sich oft einstellt, wenn man dieselben Dinge immer und immer wieder sagen muss. Aber nichts da. Man spricht freundlich und hilfsbereit. Ja, es gibt die Möglichkeit, mich zu testen, ja, es sind noch Kapazitäten frei. Aber. Ich brauche eine „Ausnahmegenehmigung“ vom zuständigen Gesundheitsamt. „Sonst machen Sie sich strafbar – Sie stehen unter Quarantäne.“

Also kontaktiere ich wieder die Corona-Hotline der Stadt Hamburg. Auch dort läuft eine Maschine. Musik in C-Dur. Eine Schleife dauert hier 60 Sekunden, enthält aber dafür auch mehr Informationen. „Wir bedienen Sie so schnell wie möglich“, heißt es zum Beispiel. Man hört die Nummer des Bereitschaftsdienstes. Dort soll kann man anrufen, wenn man Symptome hat. Oder bei seinem Hausarzt. Dann kommt noch ein Verweis auf die Website des Robert-Koch-Instituts. Immerhin.

Nach etwa fünf Minuten meldet sich wer. Man gibt mir eine E-Mail-Adresse, bei der ich meine Ausnahmegenehmigung beantragen kann und versichert mir, dass man in der Tat schon von Fällen gehört hat, bei denen eine solche Erlaubnis auch tatsächlich erteilt wurde. Also schreibe ich eine Mail ans Amt und stelle meinen Antrag.

Am Abend flattert ein Falter durchs Fenster. Was für einer? Wer weiß es? Ich nicht. Hübsch sieht er aus.

Heute – kurz vor dem Mittagmahl – erreicht mich dann eine Mail vom Gesundheitsamt. Dort steht:

Bitte nutzen Sie die Informationen in diesem Link, unter Punkt 9 finden Sie die Antworten auf Ihre Fragen: https://www.hamburg.de/faq-reisen/

Wenn ich auf Punkt 9 klicke, komme ich bei einem Link heraus, den ich vorgestern schon hier in meinem Blog gepostet habe. Dort steht, dass ich mich beim Roten Kreuz auf eigene Kosten testen lassen kann. „Die Privatpersonen fahren mit dem eigenen PKW zur Abstrichentnahme.“ Ich soll also einfach da hingehen und mich testen lassen. Hm. Interessant.

Also wieder beim DRK angerufen. Dort läuft Musik und eine Sprachansage. 18 Sekunden. Aber schon nach 7 Minuten und 50 Sekunden nimmt jemand ab – Jackpot gleich beim ersten Versuch! Sofort kommt die Frage: „Haben Sie denn schon eine Ausnahmegenehmigung vom Gesundheitsamt?“

Ich so: „Die haben mir vorhin eine Mail geschickt. Da steht, ich kann mich bei Ihnen testen lassen.“

Und dann nimmt man auf der anderen Seite auch schon meine Daten auf, gibt die Adresse durch (beim Berliner Tor), verweist darauf, dass die Sache was kostet (93 Euro; 25 zahlt man vor Ort, das ist fürs Rote Kreuz; für den Rest kriegt man dann später einer Rechnung vom Labor; auch dies: keine Beschwerde, ich schreibe nur auf, was passiert) – und gibt mir einen Termin.

Wenn ich Glück habe, erfahre ich also noch diese Woche, ob mich das Virus erwischt hat oder nicht. Und wenn ich Glück habe, geht’s danach zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder runter an die Elbe.

Für meine Stimmung würde ich jetzt am liebsten noch mal den Regenbogen von oben einblenden: Hoffnung, ja. Aber auch Skepsis. It’s the pandemic, man!