Bürgermeister ist ein beschissener Job

Heute will ich nicht viel schreiben, sondern nur eine Geschichte posten. Besser: ein Video. Vielleicht läuft das in Deutschland überall in den Nachrichten, dann kann ich mir die Sache im Grunde schenken. Aber wenn nicht – ich halte sie für relevant.

Die Szene verrät etwas darüber, wie die Macht der Institutionen hier gerade wankt. Aber auch etwas darüber, dass Bürgermeister ein ganz beschissener Job sein kann.

Der Bürgermeister von Minneapolis hat dieser Tage Polizeireformen erlassen. Die gehen vielen Demonstranten aber nicht weit genug. „Defund the Police“ heißt eine der Forderungen. Heißt: Man zieht sehr viel Geld aus dem Polizei-Etat ab und steckt es z.B. in Sozialprojekte. Gestern ist bei einer Demo das hier passiert:

Hier kann man die Story in der New York Times lesen und das Video sehen.

Hier das Video noch einmal, wie ich es auf Youtube gefunden habe.

Man fragt den Bürgermeister von der Bühne: Wirst Du die Polizei „defunden“, also den Polizei-Etat auflösen?

Er sagt etwas, das schwer zu verstehen ist.

Darauf sinngemäß nachgehakt von der Bühne: Leute, wir wollen das jetzt ganz genau wissen. Dieser Mann hier will nächstes Jahr wiedergewählt werden. Wenn er Nein sagt, wissen wir, was zu tun ist. Also, Bürgermeister, wie ist deine Antwort?

Der Bürgermeister sagt – vor ein paar tausend Leuten, die was anderes von ihm hören wollen: Ich werden den Polizei-Etat nicht auflösen.

Und dann jagt man ihn davon wie in einer Szene aus Game of Thrones. Die Leute skandieren: „Shame, Shame“ – „Schande, Schande“.

Hab das in einem zeitgenössischen Dokument selten so krass gesehen.

Der Mann ist Bürgermeister und mit einiger Macht ausgestattet. Aber in diesem Video steht er vor der Bühne und sieht aus wie ein kleiner Junge.

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