Ann Arbor hatte mal einen Schwaben als Bürgermeister

In Kerrytown im Zentrum von Ann Arbor steht eine Art altmodischer Shopping Mall. Das Logo sieht ein bisschen aus wie die Prilblume aus den 70ern. Einige der Shops im Inneren haben inzwischen wieder geöffnet.

Unten gibt’s Lebensmittel, da war gut was los heute. Ein Stockwerk höher verkaufen sie eher so Gedöns. Lastenfahrräder, teuren Essig, teures Öl, Handarbeitszeug, Spielwaren – in vier der Geschäfte sehe ich nur das Verkaufspersonal. Traurig.

Lediglich im Tee- und Würzladen tummelt sich Kundschaft. Kein Vergleich zu dem, was sonst hier an Samstagen unterwegs ist.

Überall stehen Container mit Desinfektionsmittel.

Der handgeschriebene Zettel am Friseursalon erzählt davon, wie viel Improvisation die Coronakrise den örtlichen Kleinunternehmern abverlangt: Der Termin, wann’s endlich weitergeht, wird einfach durchgestrichen und durch den nächsten Termin ersetzt. Immer wieder. Ein hartes Leben ist das. Aber: Jetzt am Montag, da klappert endlich wieder die Schere!

Jenseits der Straße steht ein Schild, auf dem die eigentliche Story des heutigen Tages geschrieben steht. Diese Ecke gehörte vor knapp 150 Jahren zwei Brüdern namens Luick, die hier ihr Holzlager hatten. Der eine der beiden war sogar mal Bürgermeister.

Nämlich der bärtige Bursche mit weißem Hemd und verschränkten Armen. Gottlob Luick. In Deutschland werden Gräber ja irgendwann aufgelöst – nach einer Liegezeit von etwa 25, 30 Jahren. In den USA macht man das eher nicht. Alte Gräber bleiben und man findet sie ziemlich gut online. So auch das Grab des alten Gottlob. Dort habe ich den Namen seines Vater gelesen und eine Google-Suche später auch dessen Grab gefunden.

Deshalb weiß ich: Die Familie stammt aus Aich bei Esslingen. Das bedeutet: Ann Arbors Bürgermeister war mal ein Schwabe.

Ansonsten waren in der Innenstadt heute sehr viele Straßen gesperrt. Etwa hier:

Oder hier:

Ich hab noch ein halbes Dutzend mehr davon, aber ich glaube, man versteht das Prinzip auch jetzt schon. Durch die Sperrung kriegen die örtlichen Restaurantbesitzer die Chance, Stühle nach draußen zu stellen. Ich war gestern ja im Garten. Gleichzeitig war aber in der Innenstadt ne Menge Volk unterwegs.

Außerdem hat Ann Arbor jetzt auch einen Fahrradweg in Grün. Toll, oder? „Fast wie in Europa“, sagt Nicki. Und da will ich ihr nicht widersprechen.

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