7 Wörter, die man niemals sagen darf

Es gibt Wörter, die man im US-Fernsehen nie zu hören kriegt. Sie werden vermieden oder mit Hupgeräuschen überblendet. Das hat mich erst genervt und dann sehr interessiert. Dass man hier – im Land der Redefreiheit – für schmutzige Sprache verknackt werden kann, ist nicht neu. Angeblich mussten die Macher von „Vom Winde verweht“ schon in den 1930ern Kohle abdrücken, weil Rhett Butler am Ende sagt: „Ehrlich gesagt, meine Liebe, das ist mir egal.“ („I don’t give a damn“). Verrückt, oder?

Vor vielen Jahren hat der legendäre Comedian George Carlin sich auf die Suche nach der Liste gemacht, auf der all diese verbotenen Wörter stehen. Die Antwort: Es gibt keine Liste. Ein entsprechende Behörde beruft sich (übrigens bis heute) auf den Grundsatz: Du erkennst versaute Sprache, wenn du sie hörst. Also hat Carlin sich selbst so seine Gedanken gemacht. An seiner Argumentation ist wenig auszusetzen. Die sieben Wörter lauten: „shitpissfuckcuntcocksuckermotherfucker und tits.“

Wie häufig kommen diese Wörter in Büchern vor? Und wann wurden sie so beliebt, dass man sie unter Strafen stellen musste? Zum Glück hat Google für solche Fragen eine Maschine im Angebot, den Google Ngram Viewer, ein Tool von unschätzbarem Wert, das ich allen Wortsuchern und Begriffspfadfindern ans Herz legen möchte. Der Ngram Viewer zeigt, das shit und fuck viel beliebter sind als die anderen schmutzigen Wörter. Die meisten Leute hier empfinden andere Wörter aber als beleidigender. In den USA und Großbritannien führen diesbezüglich motherfucker und cunt. Interessant finde ich: Anfangs der 1970er, als Carlin seine Analyse auf die Bühne brachte, war in Sachen Schimpfe noch praktisch gar nix los in Amerika.

All das hat mich zu einiger Lektüre verführt. So habe ich dieser Tage aus dem Buch „What the F“ des Linguisten Benjamin K. Bergen erfahren, dass schmutzige Wörter und Tabuwörter in praktisch allen Sprachen aus vier Bedeutungsbereichen stammen. Dem Heiligen, dem Sexuellen, den menschlichen Körperfunktionen und den Beleidigungen. „I hereby propose we call it the Holy, Fucking, Shit, Nigger Principle“, schreibt Bergen. Das N-Wort habe ich dann auch mal abgefragt; hat ne ganz andere Kurve, weil halt – logisch – auch ne andere Geschichte. Das gilt in anderem Ausmaß natürlich auch für cock. Bergen hat dazu ein eigenes Kapitel geschrieben: „Wie der Hahn seine Federn verloren hat“. Ich habe also cock und das N-Wort nochmal gegen shit laufen lassen. Das N-Wort zeige ich unten nicht. Es handelt sich TATSÄCHLICH um ein Tabu-Wort. Nicki macht sich Sorgen und möchte es nicht in der Grafik sehen. Also werde die Kurve hier lediglich beschreiben: So richtig modern wurde das N-Wort erst um 1860, also während des Bürgerkriegs. Hm. Wusste ich nicht. Jedenfalls: Die shit-Kurve quert von unten sowohl die N-Wort-Kurve als auch die cock-Kurve so etwa um das Jahr 1980. That’s the year when shit hit the fan!

All das hat bei uns im Haus jedenfalls zu weiteren Diskussionen geführt. Was ist mit anderen Bezeichnungen für unsere primären Geschlechtsorgane? Wie häufig wurde wann darüber geschrieben? Gute Frage. Also haben wir wieder den „Google Ngram Viewer“ angeschmissen – und zwei möglichst neutrale, sozusagen wörterbuchtaugliche Begriffe abgefragt: vagina und penis. Und da sieht man dann doch Erstaunliches:

Das 19. Jahrhundert muss völlig versessen auf den weiblichen Unterleib gewesen sein. Spätestens ab dem 2. Weltkrieg war’s damit aber vorbei. Bestimmt ist das alles gut erforscht. Das muss ich mir in den nächsten Tagen mal genauer anschauen. Oder auch nicht. Trotzdem: interessant.

Neulich hab ich gehört, dass Louis C.K. ein neues Special veröffentlicht hat. Ich war lange Fan von ihm und verdanke ihm viele gute Abende. Eine meiner Lieblingsnummer aus seinem Oeuvre handelt davon, dass Gott eines Tages auf die Erde zurückkommt und sich das Schlamassel anguckt und sagt (natürlich als George-Carlin-Referenz): „What the fuck did you do? I gave this to you, motherfucker! Are you crazy? The polar bears are brown … what did you … WHAT DID YOU DO TO THE POLAR BEARS? Did you shit all over every polar bear? Who spilled this shit?“ Ich werde diese Passage nicht übersetzen – schon um die Nerven meiner guten Mutter zu schonen, die es nicht mag, wenn ich mich obszöner Begriffe bediene. Louis hat uns mit diesem Stück durch die Blume gesagt: Ja, die FCC verbietet diese Sprache. Aber eines Tages werdet Ihr merken, dass Gott selbst genau so redet. Ihr Heuchler. Wir wissen nicht, ob das stimmt. Aber es ist zumindest mal ne Arbeitshypothese.

Ich hab dann dieser Tage auf Louis C.K.s Website 7,99$ bezahlt und sein neues Special gekauft. Ich wollte sehen, wie’s ihm geht. Nun ja. Er ist auf ne Art noch immer derselbe. Aber kaputter. Er hat über Jahre auf der Bühne all die Dinge gemacht, die verboten waren. Alle Tabuwörter – er hat sie uns um die Ohren gehauen. Und ist damit durchgekommen. Irgendwann aber haben Leute öffentlich erzählt, was „sein Ding ist“. Was ihn antörnt. Es war nicht nur ekelhaft, sondern auch … tja … halt gar nicht okay. Der zentrale Satz seines Specials lautet: „You are so fucking lucky, that I don’t know what your thing is.“ Und dann erzählt er, wie er in Italien in dieses Flugzeug steigt und ein kleiner Junge auf ihn zeigt und sagt: „Mama, da hinten ist der Typ, der sich vor den Leuten einen runtergeholt hat.“

Ich erinnere mich an einen Auftritt von Louis C.K. bei Letterman (bei dem tatsächlich auch mehrere Bleep Censors zu hören sind, etwa bei 3:56) . Letterman beglückwünscht ihn zu seinem Erfolg und Louis winkt ab und sagt sinngemäß: Ein mittelgroßer Erfolg ist das Beste, was Dir passieren kann. Denn je mehr Leute Dich kennen, desto mehr Leute werden Dich hassen. Ist einfach Mathe.

Er hat’s irgendwie kommen sehen.

Der Mann tut mir sehr leid. Die Welt ist ein Dorf geworden. Und er kann sich nirgendwo verstecken.

Und das ist halt einfach mal Scheiße.

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